USA

Anleger im Gespräch

Insiderhandel 2.0 Und der Dumme ist der Privatanleger?!

Stand: 10.10.2013, 14:31 Uhr

Der Insiderhandel an der Wall Street hat eine neue Dimension erreicht. Die Hochgeschwindigkeits-Dimension. Haben die Privatanleger am Freitag mal wieder das Nachsehen?

Am Freitag, um 15:55 Uhr, steht das von der Universität Michigan erhobene Konsumentenvertrauen zur Veröffentlichung an. Zur offiziellen Veröffentlichung wohlgemerkt. Profis hingegen wussten in der Vergangenheit häufig schon sehr viel früher Bescheid – und konnten sich entsprechend am Markt positionieren.

Wer jetzt aufschreit, sei darauf hingewiesen: Dieses Vorgehen war an der Wall Street absolut üblich und noch dazu völlig legal.

El Dorado für Hochgeschwindigkeitstrader

Finanzdatenanbieter wie Thomson Reuters, aber auch eine Tochtergesellschaft der Deutschen Börse stellten zahlenden Kunden in Amerika potenziell marktbewegende Konjunkturdaten privater Institute ganze Minuten vor der offiziellen Veröffentlichung zur Verfügung. Ein El Dorado für Hochgeschwindigkeitstrader, die gewohnt sind, in Millisekunden zu denken.

Doch nachdem das "Wall Street Journal" über diese unglaublichen Machenschaften im Juni erstmals berichtet hatte, leitet der New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman eine Untersuchung ein.

Für Schneiderman ist der Insiderhandel 2.0 "weitaus hinterhältiger als traditioneller Insiderhandel". Die Finanzdatenanbieter hätten ihren Kunden die Macht gegeben, die Märkte zu verzerren.

Vertrauen in den Markt untergraben

Einen Etappensieg hat er immerhin schon erringen können: Bis Schneidermans Untersuchung abgeschlossen ist, werden sowohl Thomson Reuters als auch die Uni Michigan keine Daten mehr vorzeitig herausgeben.

Das ist gerade jetzt beruhigend, kommt doch in Zeiten des "Shutdowns", wo offizielle Konjunkturdaten Mangelware sind, den Datenveröffentlichungen privater Institute besonders große Bedeutung zu.

Doch schon jetzt ist der angerichtete Schaden enorm: Nicht nur, dass einzelne Anleger teils massiv geschädigt wurden, einfach weil sie nicht zur Informations-Elite gehören. Auch das Vertrauen in den Markt wurde massiv untergraben.

"Das dumme Geld"

Dazu passt die Aussage eines ehemaligen Hochgeschwindigkeitshändlers im "Wall Street Journal", wonach durchschnittliche Investoren ohne Super-Computer in seinen Kreisen auch nur als "the stupid money", "das dumme Geld" bezeichnet wurden.

Dabei bergen nicht nur Datenveröffentlichungen das Potenzial zur Kursmanipulation. Auch Einschätzungen von Wall-Street-Analysten sind häufig massiv kursbewegend. Auch hier kann die Kombination aus vorzeitiger Information mit einem Hochgeschwindigkeitshandelssystem dafür sorgen, dass einige wenige absahnen, während "die Dummen" das Nachsehen haben.

Deutsche Anleger könnten nun versucht sein, diese besorgniserregenden Entwicklungen einfach abzutun mit dem Verweis, dabei handele es sich um ein amerikanisches Börsenphänomen. Doch weit gefehlt. Schließlich schlägt sich das Auf und Ab von Dow Jones & Co. häufig direkt im Kursverlauf des Dax nieder. Der Begriff "stupid german money" erhält so eine völlig neue Bedeutung.

ag

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