Prokon-Windturbine, davor ein Stop-Schild

Zukunftsvision Genossenschaft Prokon - bald nicht mehr in der Grauzone?

von Ursula Mayer

Stand: 07.01.2015, 10:40 Uhr

Es war einer der größten Anlegerskandale: die Prokon-Pleite vor rund einem Jahr. Tausende Anleger gingen mit Produkten des grauen Kapitalmarkts baden. Mit dem könnte der insolvente Windparkbetreiber womöglich bald nichts mehr zu tun haben.

Denn für das Unternehmen aus Itzehoe in Schleswig-Holstein wird der Weg in eine Genossenschaft möglich. Das geht aus einer Umfrage von Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin hervor, an der sich 51.000 aller 75.000 Prokon-Anleger beteiligt haben. Davon hätte sich mehr als die Hälfte bereit gezeigt, sich an Prokon weiterhin langfristig unternehmerisch zu beteiligen, heißt es in einem Anlegerschreiben. Bei einem solchen Umfrageergebnis hatte Penzlin zuvor eine Genossenschaft als die bevorzugte Rechtsform herausgestellt.

Allerdings sind dafür noch einige Hürden zu nehmen. Unter anderem muss ein Genossenschaftsverband prüfen, ob eine solche Gründung überhaupt möglich ist. Daher plant Penzlin als alternativen Sanierungsweg den Einstieg eines Investors.

 Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus (r) und Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin

Ex-Prokon-Chef Rodbertus (r) und Insolvenzverwalter Penzlin. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bei der Umfrage handelt es sich um unverbindliche Willensbekundungen der Anleger. Einen konkreten Insolvenzplan wird der Insolvenzverwalter Penzlin im Frühjahr vorlegen. Über den Plan abstimmen können Anleger dann auf einer für Ende Mai geplanten Gläubigerversammlung. Wer aussteigen will, dem stellt Penzlin im Schreiben eine Auszahlung in Aussicht. Genauer gesagt ist die Rede davon, dass die Genussrechtsforderungen zunächst in Anleihen getauscht werden könnten, die wiederum an der Börse handelbar wären.

Bald wohl deutlich mehr Mitspracherechte als vorher…

"Dass in Insolvenzverfahren versucht wird, Schulden in Unternehmensbeteiligungen zu tauschen, ist normal", meint dazu Renate Daum von Finanztest. "Für die Prokon-Anleger hat das den Vorteil, dass sie mehr Mitspracherechte bekommen und auf Versammlungen über Entscheidungen im Unternehmen mit abstimmen dürfen." Als Genussrechtinhaber hatten sie darauf bislang keinerlei Einfluss.

Renate Daum, Redakteurin bei Finanztest

Renate Daum von Finanztest. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Sollten sich Anleger für diese Variante entscheiden, würden sie laut Insolvenzverwalter voraussichtlich 20 bis 25 Prozent ihrer Einlage als Genossen im Unternehmen lassen. Ein Großteil der investierten 1,4 Milliarden Euro dürfte allerdings verloren sein. Anleger müssen wohl mit Verlusten von rund 50 Prozent rechnen. "Das ist eine gute Quote, bedenkt man, dass Anleger bei nachrangigen Geldanlagen oft einen Totalverlust hinnehmen müssen", sagt Finanztest-Redakteurin Daum.

… doch wie viel Geld bleibt am Ende übrig?

Wie hoch der Verlust tatsächlich ausfällt, hängt allerdings davon ab, welche Erlöse Prokon mit dem geplanten Verkauf seiner Unternehmensanteile erzielen kann. Erfreulicherweise könne Prokon auf werthaltige Vermögenswerte blicken, merkt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, der im Gläubigerausschuss die Anleger vertritt, im Interview mit boerse.ARD.de an. Allerdings werde die notwendige Professionalisierung der verbleibenden Windpark-Projekte wohl einige Zeit in Anspruch nehmen, heißt es bei der DSW. Und das sei schließlich eines der Hauptprobleme bei Prokon gewesen.

Prokon-Unternehmenszentrale in Itzehoe

Prokon Unternehmenszentrale. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Der Insolvenzverwalter Penzlin hatte Prokon-Gründer Carsten Rodbertus vorgeworfen, er habe durch seine Unternehmensführung bei den Gläubigern bisher Schäden in einer Größenordnung von mehr als einer halben Milliarde Euro verursacht. So stand es in einem Anlegerbrief vom vergangenen Jahr. Deshalb ließ Penzlin zunächst Schadenersatzansprüche prüfen. Lange hat Rodbertus alle Vorwürfe zurückgewiesen, mittlerweile hat man sich außergerichtlich geeinigt. Rodbertus ist entlassen worden. Er hat sich verpflichtet, in Sachen Prokon nicht mehr tätig zu werden. Offen ist noch, ob er sich vor Gericht verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen ihn unter anderem wegen Insolvenzverschleppung.

Mit einem Renditeversprechen von acht Prozent hatte der Windkraftspezialist tausende Anleger angelockt. Am 22. Januar 2014 war Prokon in die Pleite geschlittert. Auf einer Gläubigerversammlung im vergangenen Juli hatten die Anleger einer Sanierung des Unternehmens zugestimmt. Um solche Reinfälle zu vermeiden, hat die Bundesregierung mittlerweile ein Gesetz zum Schutz von Kleinanlegern auf den Weg gebracht.

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