Eine junge Frau hält eine Cobracrest-Zigarette ohne Rauch und Tabak

Teil 2: Wer ist Cobracrest?

von Detlev Landmesser

Stand: 14.07.2005, 11:25 Uhr

Die Verflechtung der Firmen Cobracrest KGaA, GICG Europäische Beteiligungs AG und der Mutter "Cobracrest Associates Ltd. London" ist nicht gerade auf den ersten Blick zu durchschauen.

Nach Angaben vom vergangenen September hatte die GICG 86,11 Prozent an der Advantec Biotech AG erworben und die Aktien an die Londoner Holding Cobracrest Associates Ltd. weiter veräußert. Später brachte die Cobracrest Associates Ltd. die GICG per Sacheinlage in den Börsenmantel der Advantec ein, der schließlich in "Cobracrest AG & Co. KGaA" umfirmiert wurde. An der GICG hält auch die Vericon Beteiligungs AG noch einen kleinen Anteil.

Den aktuellen Streubesitz bezifferte Cobracrest gegenüber boerse.ARD.de auf etwa zehn bis zwölf Prozent.

Wer den Internet-Auftritt von Cobracrest besucht, findet keine für die Bewertung des Unternehmens relevanten Daten: Angaben zu Umsätzen und Ergebnissen, Eigenkapital, Anzahl der Aktien, Beteiligungsstruktur - Fehlanzeige. Das Unternehmen begründete dies gegenüber boerse.ARD.de damit, dass es sich ja noch um eine junge Firma handle.

Hoffnungsträger "Clubber-Familie"

Als Kerngeschäftsfelder nennt die Firma die Lifestyleprodukte Energy Drinks und Nahrungsergänzungsmittel. Sie hält die Markenrechte an den Produkten "Clubber Energy, Clubber Energy Light und Clubber Energy Love", letzteres ein "natürliches Pflanzenpräparat", dessen Formel "Sex andauernder und intensiver mache". Und das ganz ohne Rezept erhältlich...

Die Produkte stellt Cobracrest nach eigenen Angaben selbst her. In 14 Tagen sollen zunächst die Energy Drinks "Clubber Energy" und "Clubber Energy Light" auf den deutschen Markt gebracht werden.

Zuletzt wurden verschiedene Vertriebsvereinbarungen in Europa und Lateinamerika gemeldet. Statt konkreter Projektionen zu Umsatz und Ergebnis dürfen sich die Aktionäre mit der Aussage vom Juni begnügen, die vertraglichen Mindestabnahmen mit den bisherigen Vertriebspartner beliefen sich für 2005 "auf über 60 Mio. Produkteinheiten aus der neuen "Clubber Familie".

Was die neuen Energy-Drinks so einmalig macht, bleibt der Fantasie überlassen. Der 1984 gegründete weltweite Marktführer Red Bull, der nach eigenen Angaben mehr als eine Milliarde Dosen pro Jahr absetzt, hatte jedenfalls zuletzt mit der deutschen Rücknahmeverordnung für Getränkedosen zu kämpfen.

Globale Visionen

Unerfahrene Aktionäre können sich derweil an den globalen Visionen von Cobracrest berauschen: "Innovationen generieren steigende Umsätze, insbesondere wenn die Produkte convenienceorientiert sind, die für Abwechslung sorgen und einen deutlichen Grad an Innovation aufweisen, wie die genannten 'Clubber-Produkte'."

Diese "Entwicklung" gelte nicht nur für Deutschland, sondern lasse sich auch auf den globalen Märkten erkennen. "Daraus konnte Cobracrest vielfältige Möglichkeiten für den Markt ableiten und Trends erkennen die positive Absatzchancen bieten."

Oder, noch erhellender: "Der Vorstand kann gesichert festhalten, dass mit den Nischenprodukten von Cobracrest, der basierenden Strategie und verbundenen bzw. durchgeführten Kapitalerhöhung nicht nur der Spagat zwischen aktueller Rentabilität und zukünftigen Geschäftsmöglichkeiten gelungen ist, sondern auch auf der Tatsache, die eigenen Hausaufgaben erledigt zu haben mit dem Standpunkt, die zukünftige operative Geschäftsplanung unter die Zielvereinbarung "Ertrag und Wachstum" auf eine gesicherte Ausgangsbasis gestellt zu haben."

Ein Aktionär, der solche Sätze liest, sollte sich ernsthafte Gedanken darüber machen, ob er auf das richtige Pferd gesetzt hat.

Keine Frage, mit dem richtigen Timing kann man an der Börse auch mit Luftschlössern Geld gewinnen. Doch wer dies versucht, kann ebensogut Roulette spielen. Denn der Haken bei solchen Fällen ist, dass dieses Timing leider stets andere in der Hand haben, die - wenn überhaupt - viel später für ihre Handlungen bezahlen müssen.

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