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Wird Schneeballsystem für Verdächtige zur Lawine?

S&K-Verdächtige sitzen in U-Haft

Stand: 21.02.2013, 14:17 Uhr

Der Schaden soll mehr als 100 Millionen Euro betragen, sechs Verdächtige sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Über die Anzahl der geschädigten Anleger herrscht noch Unklarheit. Die Frankfurter Polizei und Staatsanwaltschaft haben ein Kontakttelefon eingerichtet.

Gefängnisgitter

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Auf die Frage, was er mit seinem Geld angestellt habe, sagte ein berühmter britischer Fußballspieler einmal: "Das meiste Geld hab ich für Frauen und Autos ausgegeben. Den Rest hab ich verjubelt." Das würde so mancher gerne von sich sagen können. Die Frage ist nur, wie man zu Geld kommt, bevor man es vergeuden kann.

Ein zwar nicht unbedingt nachhaltiges Geschäftsmodell, das aber zumindest mittelfristig immer wieder funktioniert, ist das folgende: Von Investoren Gelder einsammeln und sie dann nicht anlegen, sondern selbst ausgeben. Jetzt könnte in der Immobilienbranche, die ohnehin nicht den besten Ruf genießt, wieder einmal eine solche Bombe geplatzt sein - bei der Immobiliengruppe S&K.   

Willkommen in Hessen

Am Dienstag hatten 1.200 Beamte bundesweit an 130 Orten in sieben Bundesländern eine Razzia durchgeführt. Ermittelt wird gegen sechs Hauptverdächtige im Alter zwischen 31 und 70 Jahren. Sie befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Dazu gehören auch die beiden Gründer von S&K. Den Männern wird gewerbs- und bandenmäßiger Betrug mit Kapitalanlagen und Untreue vorgeworfen.

Die mutmaßlichen Täter sollen über ein Schneeballsystem die Anleger um mehr als 100 Millionen Euro geprellt haben. Die Deutsche S&K Sachwert AG hat unter anderem geschlossene Fonds aufgelegt und die Anteile an Anleger verkauft. Die S&K will einen Immobilienbestand im Wert von 1,7 Milliarden Euro verwaltet haben.

Zwei Beschuldigte aus Hamburg würden in den nächsten Tagen zu Befragungen nach Hessen gebracht, sagte die Frankfurter Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu. Insgesamt wird gegen 50 Verdächtige ermittelt. Die Justizsprecherin bestätigte Medienberichte, nach denen es in dem Fall am Mittwoch Nachdurchsuchungen bei einer Fondsgesellschaft in München gab.

Sportwagen, Schmuck, Bargeld

Und was ist aus den Anlagegeldern geworden, die den Investoren Rendite bringen sollte? "Schnelles, aktives Denken und Handeln: Das ist S&K": Unter anderem mit diesem Sinnspruch hatte das Unternehmen auf seiner Homepage geworben. Durch die aktuellen Entwicklungen erhält der Satz einen interessanten Beiklang. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt habe in den Privatwohnungen der Beschuldigten Sachwerte und Bargeld im Wert von 2,5 Millionen Euro sichergestellt, berichtete die Oberstaatsanwältin am Mittwoch.

Man habe mehrere teure Sportwagen sowie Schmuck beschlagnahmt. Zudem habe man Konten eingefroren und auf Grundstücke zugegriffen. Insgesamt wolle man 105 Millionen Euro sichern, um den entstandenen Schaden für Anleger auszugleichen, erklärte Müller-Scheu.

Zahl der Geschädigten unklar

Wie groß die Zahl der Opfer im Anlagebetrugskandal um die Immobiliengruppe S&K ist, wissen die Ermittler noch nicht genau. Man rechne mit tausenden Geschädigten, erklärte die Frankfurter Ober-Staatsanwältin. Schätzungen von Anwaltsbüros, die von bis zu 100.000 Geschädigten berichteten, könne man nicht bestätigen. Der Schaden für die Anleger soll eine dreistellige Millionensumme erreichen.

Für die Opfer besteht aus Sicht des Verbraucherschutzes kein Grund für hektische Aktivitäten. "Man muss nicht sofort zum Anwalt rennen. Erst einmal gilt es, Ruhe zu bewahren und die Entwicklung der Geschehnisse zunächst zu beobachten", sagte der Kapitalmarktexperte Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Derzeit seien viele Anwaltsbüros unterwegs, um in dem Fall neue Mandanten zu gewinnen.

Für die Geschädigten sei nicht ganz einfach zu erkennen, wer ihre Interessen besonders gut vertreten könne und ob bei den mutmaßlichen Betrügern überhaupt etwas zu holen sei, das den Aufwand rechtfertige. "Ein schönes Urteil nutzt wenig, wenn dann nichts zu holen ist. Das Verfahren ist einfach kein Selbstläufer", warnte der Fachanwalt.

Kontakttelefon der Frankfurter Polizei

Erfreulicherweise tut sich dagegen etwas in Sachen Anlegerschutz bei den Strafverfolgungsbehörden: "Für anfragende Anleger, Bevollmächtigte, Angehörige, Hinweisgeber oder sonstige Berechtigte" hat das Frankfurter Polizeipräsidium "im Benehmen mit der Staatsanwaltschaft Frankfurt" seit Mittwoch, den 20. Februar von 8:00 bis 22:00 Uhr ein Kontakttelefon eingerichtet. Näheres finden Sie hier.

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