Geldanlage

Rätselnder Mann und Frau vor Kurstafel

Studien mit Schreckenspotenzial Finanzwissen: Mangelhaft

Stand: 02.07.2014, 16:08 Uhr

Die Deutschen haben sich mit dem Thema Geldanlage noch immer nicht angefreundet. Das belegen stets aufs neue Umfragen, Studien und Untersuchungen, die der finanziellen Allgemeinbildung hierzulande auf den Zahn fühlen.

Was wird in fünf Jahren aus 100 Euro, wenn der Jahreszins bei 2,00 Prozent liegt: Mehr als 102 Euro, weniger als 102 Euro, genau 102 Euro? Dies ist eine von drei Fragen, die die School of Business an der George Washington University in den vergangenen Jahren 2009 bis 2012 Menschen in zwölf Ländern vorgelegt hat. Die drei Fragen und die Antworten der Befragten haben ein lautes Echo ausgelöst und das Thema der Studie "Finanzieller Alphabetismus" wieder einmal ins Bewusstsein gerückt.

Bei den beiden anderen Fragen ging es darum, was bei einer bestimmten Inflation von einem Betrag nach einer bestimmten Laufzeit an Kaufkraft übrig geblieben ist und, ob es riskanter ist, eine einzelne Aktie oder einen Fonds mit mehreren Aktien zu kaufen.

Die Deutschen schlugen sich im internationalen Vergleich sogar recht achtbar: 54 Prozent der mehr als Tausend Befragten beantworteten alle drei Fragen richtig. Das schafften nur 31 Prozent der Stichprobe aus Franzosen, 21 Prozent der Befragten Schweden und lediglich vier Prozent der russischen Befragten.

"Weiß ich nicht" und Zufallstreffer

Bedenkt man die Einfachheit der Fragen und den Anteil der Befragten, die mit "weiß ich nicht" geantwortet haben, sowie mögliche Zufallstreffer, wird dennoch klar, dass es am Verständnis für einfachste Zusammenhänge im Finanzwesen kräftig hapert.

Aktuelle Studien bestätigten den Befund aus Washington immer wieder. So konfrontierte ein Forscherteam um den Berliner Bildungspsychologen Gerd Gigerenzer im vergangenen Jahr rund 1.000 Probanden mit 24 einfachen Fragen zu den Themen Verbraucherschutz, Wirtschaftspolitik und Geldanlage. Auch hier wurden im Schnitt nur 14 der Fragen richtig beantwortet.

Wunsch und Wirklichkeit

Eine europaweite Studie der ING-DiBa zusammen mit den Marktforschern von Ipsos hatte das plakative Urteil parat: "Jeder zweite Deutsche ohne Finanzbildung!" Dabei hatten die Befragten 2013 selbst angeben müssen, ob sie selbst über eine finanzielle Bildung verfügten – was 53 Prozent verneinten. Zugleich wünschten sich 93 Prozent Bildungsangebote in diesem Bereich, nur 18 Prozent gaben an, in der Schule zum Thema Finanzen informiert worden zu sein.

"Was ist der Dax?"

Im Januar hat die ARD-Sendung "Hart aber fair" augenfällig den Finger in die Wunde des finanziellen Bildungsnotstandes unter Deutschen gelegt. In der Sendung "Sind Anleger gierig oder unwissend?" wurden Passanten in einem Einkaufszentrum in Bergisch Gladbach gebeten zu erklären, was der "Dax" sei. Die Antworten reichten von "Deutsche Aktiengesellschaft" über "es geht um die globale Wirtschaft dabei" bis zu "irgendwas mit Geld". Die Zahl der Dax-Mitglieder wurde mit "900" beziffert. Von 20 (nicht repräsentativ) Befragten konnten laut Plasberg zwei "leidlich" erklären, warum es sich beim Dax handelt.

AB

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