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Windkraft

Prokon-Windrad

Wahlkampf um das beste Modell

Showdown um Prokon

Stand: 09.06.2015, 09:09 Uhr

In gut drei Wochen sollen die Gläubiger von Prokon über die Zukunft der insolventen Windenergie-Firma entscheiden. EnBW und die "Prokon-Freunde" werben für ihr jeweiliges Modell. Der Insolvenzverwalter hat keine Präferenz.

Beide vorliegenden Zukunftsmodelle bieten nach Ansicht von Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin eine gute Überlebenschance. Er hält sowohl das Kaufangebot von EnBW als auch das Genossenschaftsmodell der "Freunde von Prokon" für tragfähig. "Wir haben es hier glücklicherweise mit einem Paradebeispiel von Gläubigerautonomie zu tun", sagte der Anwalt.

Großformatige Anzeigen von EnBW

Derzeit buhlen beide Seiten um die Gunst der Prokon-Gläubiger. EnBW wirbt in großformatigen Anzeigen und Infoveranstaltungen für die 550 Millionen Euro teure Übernahme. "Neben Erfahrung im Windgeschäft werden künftig energiewirtschaftliches Know-How und Finanzkraft wesentliche Erfolgsfaktoren sein. Beides bringt die EnBW mit", erklärt Vorstandschef Frank Mastiaux.

Für die Beschäftigten und die Geschäftspartner von Prokon sei der Verkauf an EnBW die bessere, weil sichere Lösung. Denn die Anleger erhielten dann anders als bei der Genossenschaftslösung sofort eine Zahlung.

"Freunde von Prokon" werben für ihr Genossenschaftsmodell

"Die Freunde von Prokon" halten ihr Modell auch wirtschaftlich "für die attraktivere Alternative". Als Genossen könnten die Anleger langfristig von den Erträgen eines gesunden und zukunftsfähigen Unternehmens profitieren, meint Rainer Doemen vom Verein.

Damit das Genossenschaftsmodell Wirklichkeit wird, mobilisieren die "Freunde von Prokon" in zwei Dutzend Roadshows. Es kommt nur zur Abstimmung, wenn rund 160 Millionen Euro Eigenkapital zur Verfügung stehen.

Gläubiger müssten auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten

Für eine Fortführung als Genossenschaft müssen laut Insolvenzverwalter Penzlin 660 Millionen Euro an Genusskapital zusammenkommen. 20.000 bis 30.000 Gläubiger müssten dann auf einen erheblichen Teil ihrer Forderungen verzichten und zustimmen, ihre Einlagen in Eigenkapital umzuwandeln.

Der Ausgang  des Verfahrens ist offen. Am 2. Juli entscheidet die Gläubigerversammlung in einer Hamburger Messehalle, wie es weitergeht. "Wer den ursprünglichen Genussschein von Prokon als reine Geldanlage betrachtet hat und von einer planbaren Rückzahlung abhängig ist, sollte nicht für die Genossenschaftslösung stimmen", meint Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. "Wer ein unternehmerisches Risiko nicht scheut und von der Zukunftsfähigkeit der neuen Prokon überzeugt ist, kann dafür stimmen."

nb

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