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Nach 300 Prozent Plus in vier Monaten

SEC stoppt Handel mit NeuroMama-Aktien

Stand: 17.08.2016, 15:47 Uhr

Die Firma NeuroMama ist nach aktueller Aktienbewertung rund 35 Milliarden Dollar wert und hat damit in den USA Delta und sogar Tesla überholt. Umsätze oder ein Produkt hat das Unternehmen aber de facto nicht.

Vorzuweisen hat NeuroMama nur eine Internetsuchmaschine und eine ganze Reihe von Versprechungen. Von Computern und Smartphones bis hin zur Kernenergie will das Unternehmen in den nächsten Jahren nach eigenen Angaben eine ganze Palette von Patenten und Geschäftsfeldern schaffen. Der Finanzplan sieht laut Medienberichten bis 2018 Umsätze im Bereich von mehr als einer Billion Dollar vor. Doch vieles deutet darauf hin, dass NeuroMama nicht mehr als eine betrügerische Briefkastenfirma ist.

Russland, Mexiko, USA

Die Aktien des dubiosen Unternehmens wurden nicht an der Börse gehandelt, sondern direkt zwischen den Händlern. "Over the counter" oder kurz OTC wird diese Praxis genannt. In den USA unterliegen solche Geschäfte aber ebenso gesetzlichen Bestimmungen und der Aufsicht der "Securities and Exchange Commission" (SEC) wie auch der reguläre Handel an den Börsen. Wichtig ist dabei nur, dass die Aktien auch in den USA gehandelt werden.

NeuroMama hat seinen offiziellen Sitz in Mexiko und betreibt nach eigenen Angaben nur einige Büros in den USA. Ursprünglich stammt die Firma aber aus Russland. Internetrecherchen ergeben, dass der Administrator der Seite nach wie vor eine Adresse in Novosibirsk angegeben hat.

Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg hat herausgefunden, dass hinter NeuroMamas Marketingchef Steven Schwartzbard ein 2007 wegen Betrugs mehrfach verurteilter ukrainischer Einwanderer namens Vladislav Zubkis steht.

Riesige Versprechungen

Doch NeuroMama steht nicht allein. Relativ einfach lassen sich Verbindungen zu weiteren, völlig unbekannten Suchmaschinen, Contentseiten, Fonds und sogar Kinderstiftungen nachweisen. Versprochen wird hier so ziemlich alles, was sich gut anhört. Wirtschaftlicher Erfolg, saubere Energie, Umweltschutz und so weiter. Umsätze, bestehende Patente oder ein reales Produkt kann das Konsortium dagegen offensichtlich nicht nachweisen.

NeuroMama bezeichnet sich selbst in einer Mitteilung vom Juli unter anderem als den führenden Anbieter von kundenspezifischen Suchmaschinen im Internet. Tatsächlich scheint hinter der Suchmaschine aber nur ein modifizierter Klon des Google-Suchalgorithmus zu stecken. Den kann grundsätzlich jeder für eigene modifizierte Suchmaschinen verwenden.

Das Nachrichtenangebot der Seite besteht aus wenigen Artikeln, die zum größten Teil von namhaften Onlineplattformen kopiert wurden. Der Onlineshop enthält nur sehr wenige Produkte, viele Unterkategorien enthalten gar keine. Je weiter man sich durch das Angebot klickt, desto mehr fühlt sich NeuroMama wie eine Fassade an.

Roter Chart-Pfeil schlägt auf Raster auf

Chart abwärts. | Bildquelle: colourbox.de

SEC wird aktiv

Ein Unternehmen, das ohne Umsätze oder Produkte einen Wert von 35 Milliarden Dollar hat? Das kann nach Ansicht der SEC nicht sein. Der Handel mit den Aktien von NeuroMama wurde deshalb gestoppt. Laut Bloomberg hat die US-Börsenaufsicht in den letzten Jahren mehr als 800 vergleichbare Unternehmen und Unternehmensmodelle vom Aktienhandel ausgeschlossen. Viele hundert seien aber immer noch aktiv. Im OTC-Handel findet sich eine ganze Reihe von Unternehmensaktien, die zwar keine Umsätze angeben, aber auf dem Papier Millionen von Dollar wert sind.

Pump-and-dump

Hinter solchen Geschäftsmodellen verbirgt sich nicht selten eine Betrugsmasche, die sich englisch Pump-and-dump nennt. Die Täter gründen Briefkastenfirmen und pumpen den Wert der Unternehmen künstlich auf. Springen genügend gutgläubige Anleger auf, stoßen die Täter möglichst viele ihrer Anteile so gewinnbringend wie möglich ab.

mb

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