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Börsenhandel

Neue Regeln für Dark Pools und Hochfrequenzhändler

SEC macht Ernst

Stand: 06.06.2014, 09:28 Uhr

Bei kaum einem Thema sind die Behörden im Aktienland USA so rigoros wie bei den Regeln für den Börsenhandel. Jetzt nimmt sich die Börsenaufsicht SEC die Hochfrequenzhändler und den außerbörslichen Handel vor.

Mary Jo White

Mary Jo White. | Bildquelle: SEC

Das Thema Hochfrequenzhandel ist spätestens nach der Veröffentlichung des Bestsellers "Flash Boys" des Autors Michael Lewis auch einer breiteren Öffentlichkeit in Amerika präsent. Denn in dem Buch wirft Lewis Hochfrequenzhändlern vor, die Märkte zu manipulieren.

Ein Schatten liegt seitdem über der Vertrauenswürdigkeit und Transparenz der Finanzmärkte, dem Kernstück des "Amercian Dream". Deshalb verstehen die Börsenaufsicht SEC und die Politiker in Washington keinen Spaß. SEC-Chefin Mary Jo White kündigte nun gleich ein ganzes Paket von Maßnahmen an, um mehr Transparenz und Fairness im Handel zu erreichen.

"Anleger und staatliche Unternehmen profitieren in großem Maße von stabilen und widerstandsfähigen Märkten", erläuterte die Behördenchefin ihre Motivation. Angestoßen wurde die SEC dabei auch vom demokratischen Senator Carl Levin, dem Vorsitzenden eines Washingtoner Untersuchungsausschusses beim Parlament, der nach Informationen der Nachrichtenagentur "Bloomberg" von der Aufsicht konkrete Antworten auf die Effekte der neuen Handelsusancen verlangt.

Von Dark Pools und Hochfrequenzhändlern

SEC Logo - Securities and Exchange Commission

SEC Logo. | Bildquelle: SEC

Mittlerweile werden nämlich nach neuesten Studien fast die Hälfte der Börsengeschäfte in den USA außerbörslich abgewickelt, das heißt, ohne dass ein offizieller Handelsplatz Geld- und Briefkurse stellt. Dieses unter dem Begriff "Dark Pools" zusammengefasste Phänomen rückt nun ebenso verstärkt in den Blick der SEC wie der Hochfrequenzhandel (HFT), bei dem Marktteilnehmer mit aufwändiger technischer Ausstattung Informationen mittels Algorithmen in Millisekunden verarbeiten und sich dadurch Vorteile sichern.

Diese "HFT-Flash-Boys" werden auch für den "Flash-Crash" im Mai 2010 verantwortlich gemacht, als der Markt während der europäischen Schuldenkrise extrem schwankte und der Dow Jones unerklärlicherweise abstürzte, was den britischen Autor Robert Harris zu dem Algo-Trading-Thriller "The Fear Index" inspirierte.

Beide Handelsformen hängen oftmals eng zusammen, sind aber nicht verboten. Auch dies stellte Mary Jo White klar: "Wir wollen nicht die technologische Uhr zurückdrehen oder den auf Algorithmen basierenden Handel verbieten, aber wir wollen untersuchen, in welchem Ausmaß spezifische Elemente des computergestützten Handels den Investoren mehr schaden als sie ihnen nützen."

Registrierung soll kommen

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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In einem ersten Schritt schlägt die SEC nun vor, dass sich die Marktteilnehmer registrieren lassen müssen, die nicht ohnehin schon als Broker bei der SEC registriert sind. Mit der Registrierung gerade kleinerer Firmen soll die Transparenz gesteigert werden. Zudem sollen Betreiber von Dark Pools zukünftig mehr Informationen über ihre Kunden bereit halten und die Art, wie Aufträge ausgeführt werden.

Zudem verlangt die SEC mehr Informationen über die angewandten Algorithmen. Bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung für solche Programme hält sich die Behörde aber noch zurück. Optionen, den Zeitvorteil zu minimieren, werden aber überdacht, hieß es, ohne dass konkrete Maßnahmen vorgestellt wurden.

S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
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Aber auch die etablierten Börsen bekommen ihr Fett weg. White sind vor allem die vielen Ordermöglichkeiten ein Dorn im Auge, die von den Börsenbetreibern individuell für Kunden angeboten werden. Auch die Verteilung der Orders bei der Ausführung soll transparenter werden.

Börsen auf Rekordniveau

Amerikas Anleger lassen sich derweil nicht ins Bockshorn jagen. Sowohl der Dow-Jones-Index mit 16.845 als auch der breiter gefasste S&P-500-Index mit 1.941 Punkten erreichten am Donnerstag neue Rekordstände.

rm

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