China-Aktien

Chinesische Unternehmen an der Deutschen Börse Rohrkrepierer statt China-Kracher

von Lothar Gries

Stand: 17.07.2013, 16:18 Uhr

23 chinesische Unternehmen sind inzwischen an der Frankfurter Börse notiert. Doch statt China-Krachern kamen Rohrkrepierer - im günstigsten Fall. In einigen Fällen scheint es sich schlicht um Trickser und Abzocker zu handeln, um den "dummen" Deutschen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Jüngstes Beispiel ist die Firma Powerland. Doch dem nach eigenen Angaben "führenden Anbieter eleganter und hochwertiger" Handtaschen, der seit April 2011 im Prime Standard der Deutschen Börse notiert ist, haben die Wirtschaftsprüfer nun das Testat verweigert. Begründung: Für Umsätze mit südafrikanischen Kunden von Powerland in Höhe von 35,2 Millionen Euro konnten keine "hinreichenden" Beweise gefunden werden. In diversen Fällen residierten die Kunden nicht an den angegebenen Lieferadressen.

Hat Powerland also einen Teil seiner Umsätze schlichtweg erfunden? Das Unternehmen selbst weist die Vorwürfe zurück und hält in einer Ad-hoc-Mitteilung die Leistungen an die Südafrikaner für "zutreffend dargestellt". Doch das ist längst nicht alles.

Keine hinreichenden Beweise

Nach Ansicht des Wirtschaftsprüfers BDO sind auch die von Powerland ausgewiesenen Zahlungsmittel und Einlagen bei Banken in Höhe von 61,1 Millionen Euro nicht hinreichend nachgewiesen. So habe die Führung von Powerland den von den Abschlussprüfern erbetenen Besuchen bei den Hauptverwaltungen der chinesischen Banken zum Zweck eines Abgleichs der Bankguthaben und Kontensalden nicht zugestimmt.

Auch gibt es nach Ansicht des Wirtschaftsprüfers keine ausreichenden Belege für die von Powerland ausgewiesenen Schulden in Höhe von 36,4 Millionen. Powerland findet eine solche Prüfung für chinesische Verhältnisse "sehr ungewöhnlich" und will einen weiteren Wirtschaftsprüfer bitten, Licht in dieses Dickicht zu bringen.

Betrüger am Werk?

Für viele Anleger ist dieser Vorgang ein weiterer Beweis dafür, dass hier schlicht Betrüger am Werk sind, die es von Anfang an nur auf das Geld von Privatanlegern ("stupid german money") abgesehen hatten. Die Aktie von Powerland hat deshalb ihre Talfahrt beschleunigt und ist Anfang Juli bis auf 1,53 Euro eingebrochen - nachdem sie am 11. April 2011 zu 15 Euro, also dem Zehnfachen, an die Börse gebracht worden war...

Seitdem hat sich das Papier wieder deutlich erholt auf zuletzt vier Euro, weil der Vorstand ein Rückkaufprogramm von 1,5 Millionen Aktien, fast ein Viertel des Gesamtbestandes, beschlossen hat. Trotzdem drängt sich hier der Eindruck auf, dass der Börsengang von Powerland nur das Unternehmen reich gemacht hat. Ihm flossen 95 Millionen Euro zu. Langfristig orientierte Anleger gehören dagegen zu den Hauptverlierern - wieder einmal.

Katastrophale Kursverluste

Katastrophale Kursverluste haben die Investoren auch mit zahlreichen anderen chinesischen Unternehmen erlitten. So etwa mit Asian Bamboo, die 2007 zu 17 Euro an die Börse gebracht wurden, zeitweise zu 40 Euro gehandelt wurden, um dann einen beispiellosen Absturz zu erleben.

Ohne glaubwürdige Begründung vermeldete das Unternehmen im vergangenen Jahr plötzlich einen Verlust von 19,8 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Überschuss von 16,2 Millionen ausgewiesen worden war. Gleichzeitig stiegen die Bankschulden auf 46,5 Millionen bei einem Umsatz von knapp 73 Millionen Euro. Die Folge ist ein auf 2,50 Euro eingebrochener Aktienkurs.

Lange Verliererliste

Die Liste der Verlierer lässt sich beliebig fortsetzen. Von den 23 seit 2007 in Frankfurt notierten chinesischen Unternehmen notieren die allermeisten zwischen 50 und 90 Prozent unter ihrem Ausgabekurs. Teilweise stürzen die Papiere unmittelbar nach der Erstemission ins Bodenlose. So rauschte etwa die Aktie von Vange Software, die am 21. Juni 2012 zu 26 Euro an den Markt gebracht wurde, bis Ende des Jahres auf 8,01 Euro ab. Inzwischen hat sich selbst dieser Kurs noch einmal halbiert.

Die Deutsche Börse ist sich dabei keiner Schuld bewusst. Sie sei nur ein Dienstleister und stelle die Infrastruktur zur Verfügung, habe zu den einzelnen Unternehmen aber keine Meinung, stelle auch keine Bewertung an.

Deutsche Börse unschuldiger Anwerber?

Eine überraschende Aussage, ist das gezielte Anwerben chinesischer Unternehmen für eine Börsennotierung in Frankfurt doch Teil des Geschäftsmodells des hiesigen Börsenbetreibers. Um den Firmen eine Erstnotierung in Frankfurt zu erleichtern, hat die Deutsche Börse auf ihrem Internetportal sogar eine in chinesisch verfasste Webseite eingerichtet. Dort können die Unternehmen einsehen, welche Unterlagen für den Börsengang notwendig sind und welche Banken einen solchen Schritt begleiten könnten.

Bisher haben chinesische Unternehmen und die Deutsche Börse von den Börsengängen profitiert. Für die Chinesen ist es ein Ansehensgewinn, wenn sie eine Börsennotierung in einem so angesehenen westlichen Land wie Deutschland vorweisen können. Und der Börse fließen durch die Emission beträchtliche Komissionen zu.

Doch angesichts der verheerenden Kurseinbrüche fast aller seit 2007 angeworbener Unternehmen aus dem Reich der Mitte drängt sich der Vergleich mit dem Niedergang des einstigen Neuen Marktes auf. Auch für den Untergang der dort notierten Firmen fühlte sich die Börse lange Zeit nicht zuständig... bis sie den Neuen Markt unvermittelt schloss. Ob sich die Anwerbung chinesischer Firmen bald auch eingestellt wird?

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