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Investor Relations

Dünnes Buch mit

Studie zur Umsetzung der neuen Börsenordnung

Quartalsberichte sind schlanker geworden

von Notker Blechner

Stand: 15.07.2016, 15:44 Uhr

Die gelockerten Vorschriften für die Quartalsberichterstattung in Deutschland zeigen Wirkung: Laut einer Studie sind die Quartalsberichte drastisch geschrumpft. Ein Unternehmen verzichtet gar auf Gewinnzahlen.

Die Zeit der dicken Wälzer ist vorbei. Seit Ende 2015 brauchen die an der Frankfurter Börse gelisteten Unternehmen keine umfangreichen Quartalsberichte mehr vorzulegen. Verlangt werden nur noch Mitteilungen mit Mindeststandards. Anstatt einer Gewinn- und Verlustrechnung reichen Angaben zum Umsatz und Auftragseingang.

27 Prozent weniger Seitenumfang

Die PR-Agentur Kirchhoff Consult, der Wirtschaftsprüfer Warth & Klein Grant Thornton sowie die die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) haben untersucht, wie die Dax-, MDax-, SDax- und TecDax-Unternehmen die neuen Anforderungen umgesetzt haben. Als größte Veränderung fiel ihnen der der deutlich geringere Umfang der Quartalsberichte auf. Die Anzahl der Seiten sei um 27 Prozent (von 41 auf 30 Seiten) geschrumpft, teilten sie mit. Besonders die Risiko- und Prognose-Berichte sowie das Kapitel zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien erheblich gekürzt worden. Teilweise wurde der Anhang weggelassen.

Beim Zahlenwerk hingegen gab es kaum Veränderungen. Nahezu alle Unternehmen veröffentlichten wie bisher die wesentlichen Zwischenabschluss-Tabellen mit Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz und Cash-Flow-Rechnung. Teilweise verzichtet wurde lediglich auf die Darstellung der Eigenkapitalveränderung.

Beiersdorf am revolutionärsten

Nur ein Unternehmen war besonders radikal und nutzte die gelockerten Vorgaben der Deutschen Börse voll aus: Beiersdorf. Der Nivea-Konzern speckte seinen Bericht auf eine vierseitige Mitteilung ab. Darin beschränkte sich der Dax-Konzern auf die Umsatzentwicklung und den Jahresausblick. Eine Gewinn- und Verlustrechnung sowie eine Bilanz wurden nicht vorgelegt. Über seine Ertragslage will Beiersdorf künftig nur noch alle sechs Monate berichten.

Auffällig waren auch neue Formate in der Quartalsberichterstattung. So nutzten laut der Kirchhoff-Studie Osram und Evotec Powerpoint-Charts für ihre Quartalsmitteilungen.

Weniger ist mehr!

Die Studie zeige, dass viele Firmen Einsparungen beim Umfang ihrer Quartalsberichte erreicht hätten, ohne dass der Informationsgehalt darunter gelitten hätte, lobte Klaus Rainer Kirchhoff, Vorstandschef von Kirchhoff Consult. Auch Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW, hob positiv hervor, "dass der Fokus klar auf die Zahlen und damit auf das Wesentliche gerichtet ist". Tüngler rät den Unternehmen, diese Ausrichtung beizubehalten. "Sie sollten nicht der Versuchung erliegen, sich in schlechten Zeiten auf ein Minimum der Berichterstattung zurückzuziehen."

Laut einer Umfrage des Deutschen Investor-Relations-Kreises (DIRK) haben bislang erst 40 Prozent der börsennotierten deutschen Firmen ihre Quartalsmitteilungen umgestellt. Im Dax wählte gar nur jeder vierte Konzern die Form der Mitteilung.

Experten sind aber überzeugt, dass künftig mehr Firmen ihr Quartalsreporting umstellen werden. Viele warten noch ab und schauen, wie die Änderungen von anderen Firmen ankommen.

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