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Anlegerschutz

verzweifelter Privatanleger, Aktionär

Schweizer Notenbank sorgt für Depotverluste

Privatanleger in der Falle

Stand: 19.01.2015, 13:53 Uhr

Nicht nur Großbanken haben durch den "Tsunami" am Devisenmarkt in der vergangenen Woche hohe Verluste eingefahren. Auch Privatanleger, die über Direktbanken und Broker von einem fallenden Euro-Franken-Kurs erwischt wurden, sind Leidtragende. Welche Lehren kann man daraus ziehen?

Das Geschäft schien sicher: Die Schweizer Notenbank "garantierte" gewissermaßen einen Euro-Kurs von 1,20 Franken, und das seit drei Jahren, ohne dass es akute Anzeichen einer Änderung in der Politik der SNB gab. Bis vergangenen Donnerstag: Gegen 10:30 Uhr teilte die Notenbank mit, dass sie den Mindestpreis des Euro gegenüber dem Franken nicht mehr beibehalten will. Etwas, das nicht passieren durfte, passierte. Im Finanzjargon wird ein solcher Vorfall gerne als "Schwarzer Schwan" bezeichnet.

Freier Fall nach SNB-Entscheid

Ohne Aussicht auf die weitere Stützung durch die SNB fiel der Euro gegenüber dem Franken binnen Minuten auf ein Rekordtief von 0,8597 Franken, ein Absturz von fast 30 Prozent. Wer auf einen steigenden Kurs im Währungspaar EUR-CHF am Devisenmarkt gesetzt hatte, und das dürfte die weit überwiegende Mehrheit der Anleger gewesen sein, sah sich auf der Verliererseite.

Bei vielen privaten Tradern fielen die tatsächlichen persönlichen Verluste aber am Donnerstag dramatisch höher aus. Über ihre Broker waren sie, zumeist über so genannte CFDs (Contracts for difference), die falsche Wette eingegangen. Die stark gehebelten Produkte ließen so manches Konto binnen Sekunden auf null abschmelzen.

Hebeln bis zum Exitus

Aber fatalerweise gehen die Verluste bei vielen der Broker sogar noch über die Einlage auf den Konten der Anleger hinaus. Um gewaltige Summen am Devisen- oder auch Aktien- und Rohstoffmarkt zu bewegen, reichen bei den Anbietern vergleichsweise geringe Beträge, die "Margin", aus. Ein Beispiel: Wer einen Dax-Kontrakt mit einem Punktwert von fünf Euro kaufen will, braucht dafür bei einem 100-fachen Hebel nur gut 500 Euro Einsatz, bewegt damit aber rund 50.000 Euro. Bei einigen Brokern sind aber sogar 200- und 400-fache Hebel möglich.

Klar, dass bei einer schnellen Kursbewegung in die falsche Richtung schnell weit mehr als die Einlage "futsch" sein kann. Viele Broker haben für diesen Fall eine "Nachschusspflicht" (Margin Call) für die Kunden vorgesehen. Deckt das Konto die entstandenen Verluste nicht, muss die Einlage auf die erforderliche Deckung aufgestockt werden. Den Margin Call hörten am Donnerstag viele private Trader buchstäblich, doch in einigen Fällen dürfte er nicht beantwortet werden können.

"Sechsstellige Verluste"

So mancher aktive Privatanleger erlebt schwierige Tage. | Bildquelle: picture alliance / dpa

In Online-Foren haben sich am Wochenende Betroffene mit drastischen Fällen zu Wort gemeldet: Auf dem Portal "Wallstreet:Online" postete der User "foes0001" am Freitag: "Aus meinem 3000 Euro-Investment wurde ein sechsstelliger Schuldenbetrag." Der Trader hatte auf einen steigenden Euro-Frankenkurs bei 1,20 Franken gesetzt und war wenig später zum Kurs von 0,92 Franken ausgestoppt worden. Die Diskussion bei "Wallstreet:Online" hat inzwischen die Form einer Selbsthilfe-Gruppe mit vielen Hundert Postings angenommen, immer mehr Betroffene bei verschiedenen Brokern melden sich zu Wort. Von einigen werden bereits Kontaktaufnahmen mit Nachzahlungsforderungen und der Ankündigung von Klagen seitens der CFD-Anbieter berichtet.

Broker durch Verluste angeschlagen

Die Broker sind selbst zum Teil in einer verzwickten Lage: Sie konnten die Orders der meisten Kunden mangels ausreichender Liquitität am Devisenmarkt am Donnerstag vielfach selbst nicht abwickeln. Stop-Loss-Orders konnten erst ausgeführt werden, nachdem sich der Euro-Franken-Kurs 25 oder 30 Prozent unter dem Ausgangsniveau wieder stabilisiert hatte. Kundenverluste, die sich dabei auftürmten, mussten zunächst vom Broker abgedeckt werden. Eine Reihe der auch in Deutschland tätigen CFD- und Forex-Anbieter erlitten dabei Verluste im Millionenbereich. Einer der weltweit größten Anbieter, das US-Unternehmen FXCM, verbuchte so einen Fehlbetrag in Höhe von 225 Millionen Dollar und musste am Wochenende in einer dramatischen Rettungsaktion vor der Pleite bewahrt werden. Die britische Alpari UK meldete gar am Freitag Insolvenz an. Auch einer der Marktführer in Deutschland, der ebenfalls britische Broker IG Markets, soll laut dem Branchendienst "Forex Magnates" einen Millionenverlust erlitten haben.

Individuelle Spielräume?

Auf viele der betroffenen Privatanleger dürfte eine harte Zeit zukommen. Wer einen Broker mit einer Nachschusspflicht genutzt hat, dürfte es schwer haben, die fällige Nachzahlung zu verweigern. Im konkreten Fall dürften sich die Broker wohl auch auf "Deals" mit den Kunden einlassen - getreu der Devise, "einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen".

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