Anlegerschutz

Immer noch kein Testat Kann Powerland die Zweifel ausräumen? Nein!

von Bettina Seidl

Stand: 14.02.2014, 17:23 Uhr

Powerland gelobt Besserung, spricht von mehr Transparenz. Aber die Zweifel bleiben, ob die Bilanz 2012 in Ordnung ist. Jetzt sollen die Aktionäre auf der Hauptversammlung die Bilanz absegnen. De facto heißt das: Die Firma entscheidet selbst, ob ihre Bilanz in Ordnung ist. Wie schön!

Die heutige Nachricht von Powerland klang nach einer erlösenden. Es schien, als bekomme das chinesische Unternehmen nun endlich sein Testat für die Bilanz 2012. Aber weit gefehlt. Das Testat will Powerland durch einen Aktionärsbeschluss ersetzen, wie Finanzvorstand Yachen Jiang im Interview mit boerse.ARD.de bestätigte.

Das Kuriose daran ist: Die freien Aktionäre sollen auf der Hauptversammlung am 26. März, zu der Powerland heute einlud, über etwas abstimmen, über das sie gar nicht recht Bescheid wissen. Ohnehin ist fraglich, ob ihnen mehr Wissen etwas bringen würde: Denn nur knapp 20 Prozent der 15 Millionen Powerland-Aktien sind im Streubesitz. Die Firmengründer haben das Sagen: die Firma Guo GmbH & Co KG hält mehr als 58 Prozent der Anteile. De facto heißt das: Die Firmengründer sagen selbst, ob die Bilanz 2012, in Ordnung war. Sie gibt sich quasi ihr eigenes Testat.

Ebendieses Testat haben die Wirtschaftsprüfern von BDO verweigert. Sie kamen zu dem Schluss: Es gibt Prüfungshemmnisse, deshalb könne die Arbeit nicht beendet werden.

Der Niedergang der Powerland-Aktie

Das Vertrauen der Anleger hat Powerland damit komplett verspielt. Der Aktienkurs spricht Bände. In den ersten Wochen des Börsenlebens 2011 ging es noch mit einigen Vorschusslorbeeren stramm aufwärts. Ausgehend vom Emissionspreis von 15 Euro kletterte die Aktie in den ersten Wochen bis auf 16,51 Euro. Doch dann setzte eine rapide Talfahrt ein, unterbrochen von kurz währenden Hoffnungsanstiegen.

Den Tiefpunkt erreichte der Kurs im Juli 2013: als bekannt wurde, dass das niederschmetternde Fazit von BDO bekannt wurde. Die kritischen Fragen, die die Bilanzprüfer aufwarfen: Sind die Umsätze im Exportgeschäft valide? Sind die Einlagen und Zahlungsmittel korrekt? Sind die Bankschulden korrekt? Sind die Exportpartner/Kunden und Händler wirklich eigenständige Unternehmen? Dahinter könnte man auch die Frage vermuten, ob Powerland Umsätze mit sich selbst macht.

Was Ernst & Young sagt - laut Powerland

Wie Powerland heute bekannt gab, seien diese Vorwürfe durch Ernst & Young ausgeräumt worden. Es gebe "keine nennenswerte Feststellung" gegen die Bedenken im Exportgeschäft. Die Bedenken hinsichtlich der Bankeinlagen seien nicht gerechtfertigt. Bei den Bankschulden habe es anfangs zwar Diskrepanzen gegeben. Doch das lag wohl daran, dass die Banken aktuelle Informationen noch nicht eingepflegt hatten – das sei aufgeklärt worden, so dass die Schulden letztlich doch den tatsächlichen Verhältnissen entsprochen hätten. Laut Powerland teile Ernst & Young auch beim 4. Punkt nicht den Standpunkt von BDO: Gespräche mit Mitarbeitern und überprüfte Dokumente hätten nicht die Annahme erhärtet, Powerland sei mit Sun Tec, Fimont und Duerde verbunden.

Yachen Jiang, CFO Powerland AG

Yachen Jiang, CFO Powerland AG. | Bildquelle: Powerland AG

Interessante Erklärungen hat der Powerland-Finanzchef, warum man BDO nicht noch einmal mit den Ergebnissen von Ernst & Young konfrontieren will, um im zweiten Anlauf das Testat zu erhalten: Das wäre zeitaufwändig, und man sei nicht sicher, ob der Bestätigungsvermerk dann erteilt würde. Und ein bisschen redet sich Jiang in Rage: dass die Prüfer chinafremd seien und nicht verstünden, wie eine Prüfung ablaufe. Das Ergebnis von Ernst & Young sei eine Blamage für BDO. Liegt aber nicht eher der Verdacht nahe, dass BDO bereits seine weiterhin ablehnende Haltung signalisiert hat?

Wie transparent ist Powerland?

Powerland entschuldigt sich bei seinen Aktionären und demonstriert Offenheit: "Das Unternehmen wird das Thema Transparenz noch weiter in den Fokus stellen und sowohl interne Kontrollmechanismen wie externe Kommunikationsprozesse weiter verbessern", sagte Financhef Jiang. In Interview unterstreicht Jiang zwar, dass Powerland auch früher schon vertrauenswürdig gewesen sei. Dass Anleger das Vertrauen verloren haben, erklärt er denn auch mit der mangelnden Erfahrung der Mitarbeiter und der falschen Kommunikation.

Allzu viel Offenheit legt er aber dennoch nicht an den Tag. Den Bericht von Ernst & Young wird Powerland nicht veröffentlichen. Angeblich dürfe man das nicht. Ernst & Young dürfe auch keinen Bericht veröffentlichen. Erfahrene Beobachter wundern sich über solche Aussagen - der Prüfbericht von Deloitte zu den ADAC-Manipulationen wurde schließlich auch in Teilen veröffentlicht.

Anleger könnten sich aber darauf verlassen, sagt Jiang, dass der Aufsichtsrat den Prüfbericht gelesen hat und dazu Stellung nimmt. Der Aufsichtsratsbericht soll dann auf der Webseite veröffentlicht werden. Wohlgemerkt: Es handelt sich um den gleichen Aufsichtsrat, der voriges Jahr im Amt war, und der jetzt auf der HV abgelöst werden soll. Für Peter Diesch und Volker Potthoff sollen Binghui Lu und Stephan Oehen in das Kontrollgremium gewählt werden.

Desillusionierte Anleger

Warum erteilt Ernst & Young nicht das Testat? Auch darauf hat Jiang eine gute Antwort. Der Zweitprüfer dürfe nicht zum Erstprüfer werden. Und was die Bilanz 2013 betrifft, da hätte man Ernst & Young zwar gern gehabt – aber zeitlich habe es neue Verzögerungen gegeben. Die Hauptversammlung müsste dazu erst ihr OK geben. Vorher habe Ernst & Young nicht beginnen wollen. Moore Stephens Düsseldorf dagegen schon – deshalb sollen diese Wirtschaftsprüfer nun Abschlussprüfer der Bilanz 2013 werden.

Anleger waren heute schnell desillusioniert. Nach der anfänglichen Euphorie, die den Aktienkurs kurzzeitig in bis auf 2,65 Euro trieb, sackte die Aktie wieder ab bis auf 2,25 Euro. Die Zweifel an Powerland bleiben.

Sanktionsverfahren der Börse läuft

Im Hintergrund tickt die Uhr: Das Sanktionsverfahren der Deutschen Börse ist bereits in Gang gesetzt. Schlimmstenfalls droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro, so sehen es die Börsenregularien vor, und als Ultima Ratio der Widerruf der Börsenzulassung. Aber Powerland verlässt sich da ganz auf den Kniff mit der Hauptversammlung.

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