Petromove Tankstelle in Seewen

Grauer Kapitalmarkt Petromove: 12 Prozent Rendite an der Zapfsäule?

von Daniel Moßbrucker und Jürgen Ackermann

Stand: 18.03.2014, 16:39 Uhr

Eine kleine Schweizer Tankstellenkette versprach deutschen Anlegern zwölf Prozent Rendite. Gemeinsame Recherchen von boerse.ARD.de und plusminus offenbaren jedoch, mit welchen merkwürdigen Methoden das Unternehmen dabei vorging. Das Beispiel verdeutlicht: Der "graue Kapitalmarkt" bietet bis heute viele Schlupflöcher für unseriöse Anbieter.

20 Autominuten südlich von Basel ist die Welt noch in Ordnung. Hier heißen die Orte Ziefen, Seewen oder Bretzwil. Hier macht der Dorfladen von 11:30 bis 14:30 Uhr Mittagspause. Hier legt der Bäcker auf Vertrauensbasis seine Brötchen einfach in einen Kasten und die Menschen werfen, wenn sie nett sind, Geld in die Box. Von hier aus will der Tankstellenbetreiber Petromove den längst gesättigten Schweizer Tankstellenmarkt von hinten aufrollen – und zwar mit Hilfe des Geldes deutscher Anleger.

Wie alles begann

Die Geschichte beginnt am 11. Januar 2007. Damals gründete sich im beschaulichen Birsfelden, einem Vorort von Basel, die Ziegler Brennstoff AG. Aus ihr geht dann im Frühjahr 2011 die Petromove AG hervor. Die personelle Umstrukturierung in der Firma ist zu diesem Zeitpunkt allerdings längst vollzogen. Knapp ein Jahr zuvor, im Frühjahr 2010, schied der ehemalige Geschäftsführer Jürg Ziegler aus und Matthias Oberli stieß hinzu. Oberli wurde Präsident des Verwaltungsrates, vergleichbar mit einem Aufsichtsratsvorsitzenden in Deutschland.

Mit dem neuen, modernen Namen "Petromove" ist gleichzeitig eine Erweiterung des Geschäftsfeldes verbunden. Beschränkte sich die Ziegler Brennstoff AG auf den "Handel und Transport von Mineralölen aller Art", will Petromove mehr. Nun kommt der "Bau und Betrieb von Tankstellen sowie Tankstellenshops" hinzu – so ist es im Schweizer Handelsregister vermerkt.

Petromove wirbt Investoren

In der Folge wird Petromove Pächter einiger Tankstellen im Baseler Umland. Doch es dauert, bis das in Deutschland wahrgenommen wird. Genauer gesagt sorgt die Petromove AG selbst dafür, dass sie hierzulande wahrgenommen wird. Spätestens ab Oktober 2013 schaltet die Firma dazu Online-Anzeigen über Google, die auf deutschen Nachrichten-Websites angezeigt werden. Petromove wirbt dort um Investoren – und hat laut Werbeanzeige gute Kaufargumente. Drei Kernpunkte des Inserats: 12 Prozent Rendite – ohne Risiko – 100 Prozent steuerfrei! Wer da nicht auf den weiterführenden Link klickt, ist wohl selbst schuld.

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Petromove-Werbung auf deutschen Websites

Petromove Google Anzeige oberhalb der Wirtschaftswoche-Website eingeblendet

Petromove-Anzeige bei www.wiwo.de

Petromove wirbt beispielsweise mit Google-Anzeige auf Webseiten, die sich mit Wirtschaft, Finanzen und Geldanlage beschäftigen, wie hier bei der Wirtschaftswoche.

Auf "petromove-invest.ch" gibt es weitere frohe Botschaften. In einer Februarversion der immer wieder umgestalteten Website reckt ein Mann die Arme in die Luft, dazu preist Petromove das Investment an. Man investiere in ein "stark wachsendes Tankstellennetz", es werde mehr als zehn Prozent Rendite erwartet. Die Anlage habe eine "kurze Laufzeit mit sofortiger Wertentwicklung".

Update:

»Nach der Berichterstattung über Petromove bei "plusminus" und boerse.ARD.de ist die Werbung auf petromove-invest.ch verschwunden und die Seite ist leer. (Stand: 01.04.2014)«

Farbenfrohe Fotos, vieldeutige Sätze

Interessenten sind aufgefordert, "noch heute kostenlos und unverbindlich" ein persönliches Infopaket zu bestellen – per Post, Mail oder SMS. Auf das Material sind Anleger auch dringend angewiesen, denn unabhängige Informationen finden sich im Internet wenn überhaupt nur spärlich. Ein Informationspaket, das im März 2014 verschickt worden ist, enthält neben dem Anschreiben einen Research-Report. Dieser informiert unter anderem über das Unternehmen, den Markt, die Mitbewerber und Planzahlen – nur ein Hinweis auf mögliche Risiken findet sich nicht. Einzig eine geringere Rendite wird in Aussicht gestellt, sollten sich die Expansionspläne nicht wie gewünscht entwickeln:

»Bei planmäßiger Geschäftsentwicklung wird somit eine jährliche Durchschnitts-Rendite von 12,5 Prozent pro Aktie erwartet. Die Petromove AG ist zuversichtlich, dieses Ziel der 50 Tankstellen bis Ende 2017 zu erreichen. Sollte sich jedoch eine Verzögerung im Aufbau der Tankstellen ergeben, würde sich das auch auf die jährliche Durchschnitts-Rendite auswirken. Bei etwa zwei Jahren Verzögerung sinkt die erwartete jährliche Durchschnitts-Rendite auf 8,3 Prozent.«

Auszug aus dem Petromove-Research-Report

Aufschlussreich ist auch eine zweite Petromove-Website. Auf "petromove.ch" blickt der User zunächst auf eine Bohrinsel, die auf dem weiten Meer schwimmend in den sonnendurchfluteten Himmel ragt. Dazu die Willkommensbotschaft: "Entdecken Sie neue Horizonte über die Kombination hochwertiger Mineralölprodukte mit besten Dienstleistungskonzepten." Auf den Unterseiten gibt es weitere solcher vielsagenden Sätze und dazu vor allem Bilder. Große, farbenfrohe Bilder. Eine Bohrinsel, riesige Tiefpumpen, große Tankschiffe, ein imposanter Tanklaster mit Petromove-Schriftzug und natürlich: Tankstellen. Modern, einladend und innovativ.

Deutsche Anleger investieren in Petromove

Beim zweiten Hinsehen erkennt man jedoch, dass das Tankstellenbild kein echtes Foto, sondern eine 3D-Grafik ist. In bestem Marketingdeutsch stellt Petromove dazu seine verschiedenen Tankstellenkonzepte vor. Auf einer Unterseite werden auch die Ideen für Tankstellenshops vorgestellt. Die "Shop & Move"-Konzepte seien "in frischem, modernen Style gehaltene Erholungsinseln, in welchen auch die Fahrzeuglenker Energie tanken können", heißt es auf der Website.

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Impressionen von petromove.ch

Screenshot von der Petromove Website

"Entdecken Sie Petromove"

Wer "petromove.ch" anwählt, blickt zunächst auf eine Bohrinsel vor einem sonnendurchfluteten Himmel. Die Atmosphäre ist malerisch.

Trotz verhältnismäßig dünner Informationslage investieren deutsche Anleger in Petromove. Zwölf Prozent ist ein Vielfaches dessen, was heute normalerweise auf dem Markt erzielt wird. Die Verlockung des schnellen Geldes ist stärker als die Zweifel. Ab 8.000 Euro können Anleger bei Petromove einsteigen, dafür verspricht das Unternehmen neben der "kurzen Laufzeit" auch eine "echte Aktienbeteiligung". Man kann den Eindruck gewinnen, dass die Petromove AG eine gewöhnliche Aktiengesellschaft ist, deren Anteile jederzeit verkauft werden können.

Petromove Videostartbild

"Das klang für mich sehr gut": Im Interview mit plusminus-Autor Jürgen Ackermann erklärt eine Anlegerin, warum sie in Petromove investiert hat.

Für die scheinbare Seriosität spricht, dass Petromove konkret von einer Reihe renommierter deutscher Medien wie spiegel-online, n-tv, faz.net und eben auch boerse.ARD.de empfohlen wird. Unter dem Slogan "Empfohlen aus der Fachpresse" waren auf "petromove-invest.ch" lange Zeit die Logos der Medien aufgelistet, aber nicht verlinkt. Tatsächlich hat die ARD-Börsenredaktion Petromove allerdings niemals erwähnt. Im Februar 2014 dann wurde die Seite verändert und der Charakter der Empfehlung abgeschwächt: Statt "Empfohlen aus der Fachpresse" heißt es nun "Die Fachpresse empfiehlt Private Equity" (Stand 19.03.2014).

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Wie Petromove mit Empfehlungen wirbt

Petromove Werbung mit angeblicher Empfehlung durch boerse.ARD.de, u.a.

Empfehlung durch boerse.ARD.de?

Mit der Formulierung "Empfohlen aus der Fachpresse" wird dem Nutzer nahegebracht, dass renommierte Medien wie boerse.ARD.de, n-tv, die Welt oder faz.net Petromove empfohlen haben. boerse.ARD.de hat dies nicht getan. Dann wurde die Formulierung geändert. Nun heißt es ...

Bis zum 27.01.2014 kennt niemand bei boerse.ARD.de Petromove - doch an diesem Montag im Januar meldet sich ein User per Mail bei boerse.ARD.de…

»Ich bin beim Surfen über die Anzeige der Petromove AG gestolpert. (...) Zu meinem Erstaunen wird auf der Internetseite unter anderem geworben mit „Empohlen von: boerse.ard.de“. Mich würde interessieren, ob das stimmt, da ich keine Treffer bei Google zu diesem Thema gefunden habe.«

Aus einer Mail an boerse.ARD.de

Wer ist dieser Tankstellenbetreiber und wie will er es schaffen, seinen Aktionären eine so hohe Rendite zu verschaffen? Lesen Sie in Teil 2, dass bei genauerem Hinsehen die Ungereimtheiten schon auf der Website anfangen.

Alle Kommentare (4)

Kommentar von "Vorbeifahrer" am 22.04.2014, 12:44 Uhr

Hatte, nach dem ich den Artikel schon vor einigen Wochen gelesen habe, das Vergnügen, in der Nord-West-Schweiz unterwegs zu sein. Echt lustig, da gibt's echt die Petromove-Tankstellen, jedoch mit Mini-Shop bis gar keinen. Die Zapfsäulen sehen zwar hübsch aus, los ist nix. Potential sieht anders aus :-).

Kommentar von "Alex" am 11.04.2014, 18:14 Uhr

Ich finde gar kein Impressum ?????? auf der Webseite von Petromove

Kommentar von "GeDi" am 24.03.2014, 18:03 Uhr

"Red Bull kann fliegen" Liebe Redaktion, nach dieser Werbung habe ich dieses Getränk getrunken und bin aus der 5 Etage gesprungen. Leider stimmte die Werbung nicht...Bitte klären sie die Bevölkerung darüber auf!!! Auf der einen Seite möchte der Mensch seine Freiheiten haben, zum anderen möchte er, wenn was schief geht, bedauert und gerettet werden. Also bei allem Respekt: Verantwortung übernehmen...

Kommentar von "Michael Wanger" am 20.03.2014, 11:16 Uhr

Wenn Sie das Impressum der Homepage überprüfen und zur Homepage der Firma APPAG gelangen, erleben sie ein weiters Wunder (http://www.appag.ch)!

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