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Anlegerschutz

Vorsicht vor Panama Joe & Co.

Penny-Stock-Betrüger in den USA verhaftet

Stand: 14.08.2013, 15:12 Uhr

Es ist nach Ansicht der US-Behörden eine der größten Betrugsgeschichten in der Geschichte des Landes. Insgesamt 140 Millionen Dollar hat sich eine Gaunerbande erschlichen, die nun vom FBI aus dem Verkehr gezogen wurde. Die Gentlemen waren erfindungsreich.

Vorsicht Betrug Abzocke Geschäfte Spekulation Zocker Risiko 1408. | Quelle: colourbox

Sie nannten sich "Panama Joe", "Robin Cher", "Michael East" oder schlichtweg "Maurizio" - Mitglieder einer Betrügerbande, die ahnungslosen Anlegern wertlose Aktie andrehten und dabei zu allen, meist unerlaubten, Tricks gegriffen haben.

Kurse manipuliert

Dabei geht es um Penny Stocks. Diese sind zwar auch in Deutschland bekannt, haben aber nicht so ein großes Publikum wie in den USA und Kanada, wo die entsprechenden Marktsegmente viel größer sind. Immerhin von Juli 2008 bis Juli 2013 betrieben die insgesamt neun Beschuldigten ein ausgeklügeltes Betrugssystem mit Aktien, die durchaus schillernde Namen hatten, aber meist von ihnen selbst kontrolliert wurden und auch keine wirklichen Werte in der Bilanz hatten.

Wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" schreibt, geht es dabei um Werte wie Blackout Media Corporation, Ressource Group International, Talisman Holdings oder MASS Pertroleum, um nur einige zu nennen. Die New Yorker Staatsanwältin Loretta E. Lynch beschuldigt die Angeklagten nun, nahezu wertlose Penny Stocks im Wert künstlich nach oben getrieben und dann weltweit vermarktet zu haben.

Kreativität war Trumpf

Neben den originellen Namen gehörten aber auch handfeste Betrügereien zum Repertoire der Angeklagten. So hätten die Beschuldigten eine ganze Reihe von Brokern und Bankkonten genutzt und dabei die umsatzarmen Penny Stocks in großer Anzahl gehandelt. Zudem seien weitere Helfer angeworben worden, um die Nachfrage nach bestimmten Aktien zu schüren.

Dabei seien auch gefälschte Pressemitteilungen genutzt und Broker bestochen worden, wie die Bundespolizei FBI erklärte. Damit sollten die Broker dazu gebracht werden, bestimmte Penny Stocks für ihre Kunden zu kaufen. Der Werkzeugkasten enthielt laut Anklageschrift auch gefälschte Internetseiten, Briefe, Email-Konten oder Call-Center in Thailand, Vietnam und Kanada.

Ähnliche Fälle gab es vor einigen Jahren mit Titeln wie Cobracrest oder Asiapac durchaus auch schon in Deutschland, worüber boerse.ARD.de damals ausführlich berichtete.

Besonders dreist war es, dass die Beschuldigten bei einigen Geschädigten zweimal abkassierten, indem sie ihnen gegen Gebühr Hilfe bei der Aufholung von Verlusten oder weitere Gewinne versprachen. "Damit griffen sie denen, die sie betrogen hatten, zweimal in die Tasche", sagte George Veizelos, FBI-Chef von New York. Insgesamt sind in 35 Ländern Anleger geschädigt worden.

Ein alter Bekannter

Eines der Mitglieder der Gruppe, der Kanadier Sandy Winick, ist den Behörden dabei kein Unbekannter. Mit seiner Blackout Media Corporation geriet er bereits 2009 ins Visier der Börsenaufsicht SEC, die im September 2012 einen Rechtsstreit im Wert von vier Millionen Dollar gewann. Die Behörde warf Winick vor, insgesamt 59 Tochterfirmen geründet zu haben und dabei gegen Registrierungspflichten verstoßen zu haben.

Den bereits in in den USA in Haft genommenen sechs Angeklagten drohen Strafen bis zu 20 Jahren Haft, unter anderem wegen Wertpapierbetrug. Ein siebter Beschuldigter wurde in Kanada verhaftet. Winick und der ebenfalls kanadische Staatsbürger Gregory Curry seien aber noch auf freiem Fuß, erklärte die Sprecherin von Staatsanwältin Lynch, Zugiel Soto.

rm/bloomberg/reuters

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