Mysteriöse Faxe: Neue Abzocker am Werk

Stand: 31.10.2011, 13:20 Uhr

Die Masche ist nicht ganz neu. Ein Fax wird versendet - handschriftlich - von Freund zu Freund mit Insiderwissen. Doch der heiße Tipp wird "aus Versehen" an ein fremdes Faxgerät gesendet. Die Deutsche Börse hat jetzt eine derart empfohlene Aktie vom Handel ausgesetzt.

Perfide Masche: Dieses Fax wurde am Freitag zahlreich versendet

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Auf vielen Faxgeräten trudelte am vergangenen Freitag ein Schreiben ein, von Sebastian an Patrick. Sebastian schreibt: "Patrick, die Übernahme geht klar... Kauf das Teil." Sebastian beruft sich auf ein "Meeting", wo er angeblich erfahren hat, dass Investoren die Adera-Aktie für mehr als das Doppelte des aktuellen Kurses kaufen wollen. Er rät seinem Freund im Vertrauen, die Aktie sofort zu kaufen. Als vorgetäuschten Fehlläufer, "Hoffe die Nummer stimmt", schickt er das Fax mit dem angeblichen Insiderwissen an hunderte Faxgeräte.

Aktie vom Handel ausgesetzt

Prompt sprang der im Frankfurter Open Market gelistete britische Titel mit einem Gesamtumsatz von 168.000 Euro an - allerdings nur bis 9:26 Uhr. Die Handelsüberwachungstelle (HÜSt) der Frankfurter Börse reagierte auf einen Hinweis und setzte die Aktie wegen der vermutlichen Marktmanipulation kurzerhand vom Handel aus. Wie lange eine Aktie vom Handel ausgesetzt wird, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Die Deutsche Börse erklärt hierzu, die Notierung werde in der Regel für eine Stunde ausgesetzt, in Ausnahmefällen aber auch länger. Ein solcher Ausnahmefall liegt bei Adera Energy vor. Die Deutsche Börse teilte auf Anfrage von boerse.ARD.de mit, die Aktie werde bis auf Weiteres vom Handel ausgesetzt bleiben.

Erst vor knapp einem Monat, am 21. September, hatte die Adera AG ihren ersten Handelstag an der Deutschen Börse gehabt. Sie startete als Pennystock mit einem Wert von gerade einmal zehn Cent, um dann nach kurzer Zeit auf zwei Euro hoch zu rauschen.

Fax-Spams auf breiter Front

Die Masche, mit der Adera-Aktien zum Kauf angeboten werden, ist kein Einzelfall. Die BaFin teilte auf ihrer Homepage am Freitag mit, mehrere Gesellschaften würden derzeit per Telefax massiv zum Kauf empfohlen. Betroffen sind bisher fünf Unternehmen: Dynamic Systems Holdings, Idea Fabrik, Meteor, Online Marketing Solutions und Adera Energy. Die BaFin geht daher dem Sachverhalt nach und nimmt Personen wegen des Verdachts der Marktmanipulation gezielt unter die Lupe.

Einige Unternehmen äußerten sich bereits zu den Fax-Spams. So teilte die Idea Fabrik auf ihrer Internetseite mit, die Übernahme nicht bestätigen zu können. Auch die Meteor AG dementiert die Echtheit der im Schreiben enthaltenen Informationen. Ebenso bezeichnet die Online Marketing Solutions AG den Inhalt des Schreibens als irreführend und falsch.

Im Fall der Dynamic Systems Holdings und der Adera Energy handelt es sich höchstwahrscheinlich ebenfalls um gezielte Fehlinformationen. Adera Energy äußerte sich bislang nicht zu den Faxsendungen. Anlegern rät die BaFin, sich vor dem Kauf von Aktien sehr genau über die betroffenen Unternehmen zu informieren - und zwar aus anderen Quellen als Spam-Faxen.

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