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Anleger finanzieren Luxusleben in Florida

Mutmaßlicher Millionenbetrüger vor Gericht

Stand: 15.01.2013, 09:46 Uhr

Am Dienstag verhandelt das Landgericht Mannheim einen spektakulären Fall von mutmaßlichem Anlagebetrug. Ein 51-jähriger Deutscher soll Anleger um einen zweistelligen Millionenbetrag geprellt haben.

Justitia vor der Kulisse von Florida.

Ulrich E. Prozess Mannheim Gericht Betrug Anleger. | Montage: boerse.ARD.de, colourbox/ dpa

Nach jahrelanger Flucht durch die USA muss sich der 51-jährige Ulrich E. aus dem Kreis Biberach heute vor dem Landgericht verantworten: Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Staubsaugervertreter und einstigen Zeitsoldaten vor, von den USA aus fast 1.300 Anleger um umgerechnet 28,4 Millionen Euro betrogen zu haben.

Laut Anklage soll sich der Angeklagte als Investmentexperte ausgegeben haben. Die Legende: Ein spezielles Computerprogramm erlaube ihm, Kursentwicklungen frühzeitig erkennen zu können. Die Anleger köderte er mit schier unglaublichen Renditeversprechen von bis zu 72 Prozent. Und mit einem frei erfundenen Lebenslauf. Demnach sei er ein internationaler Banker, der zuletzt Chefdevisenhändler einer New Yorker Bank gewesen sei.

Schneeballsystem im großen Stil

Es war offenbar ein typisches Schneeballsystem, das sich der 51-Jährige allmählich aufbaute: Die angeblich erzielte Rendite, über die sich die alten Kunden freuen konnten, finanzierte Ulrich E. durch die Geldanlage von Neukunden. Ein System, das früher oder später auffliegen musste.

Ulrich E. hatte mehr als 100 Haupt- und Untervermittler, die ihm beim Vertrieb halfen und dafür teilweise fürstliche Provisionen erhielten. Mit dem restlichen Geld dürfte sich der 51-Jährige sein Luxusleben in Florida finanziert haben.

"Mein Hund passt auf euer Geld auf"

Dorthin hatte er sich abgesetzt, als seine dubiosen Geschäfte 2007 in Deutschland aufgeflogen waren und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg gegen ihn einen Haftbefehl erlassen hatte. Angeblich flog er in den Urlaub. "Während meiner Abwesenheit passt mein Hund auf Euer Geld auf", verabschiedete er sich im Internet.

Währenddessen wurde weltweit nach dem mutmaßlichen Millionenbetrüger gefahndet. Selbst in die Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ungelöst" schaffte er es. In Las Vegas wurde E. im Juli vergangenen Jahres schließlich geschnappt und wenig später nach Deutschland abgeschoben.

Damit endet eine fünfjährige Flucht quer durch die USA. Und darüber ist Ulrich E. nach Auskunft seines Anwalts sogar froh: "In den letzten Jahren war ich frei und fühlte mich gefangen. Jetzt bin ich gefangen und fühle mich endlich frei", wird er zitiert. Bei einer Verurteilung drohen ihm 15 Jahre Haft.

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