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Anlegerschutz

Malte André Hartwieg

Anleger bangen um ihr Geld

Malte Hartwieg zunehmend unter Druck

Stand: 15.01.2015, 11:56 Uhr

Spätestens seit der Prokon-Pleite ist der Graue Kapitalmarkt vielen Anlegern ein Begriff. Nun bahnt sich der nächste Skandal rund um den Münchener Unternehmer Malte Hartwieg an. Während gegen ihn Ermittlungen laufen, haben viele seiner Firmen Insolvenz angemeldet.

Nach Informationen des vorläufigen Insolvenzverwalters Rolf Pohlmann wurden für 30 von Hartwiegs Unternehmen beim Amtsgericht München Insolvenzanträge gestellt. Pohlmann geht davon aus, dass das Gericht im ersten Quartal dieses Jahres zumindest über einen Teil davon entscheiden dürfte. Damit herrscht nun etwas mehr Klarheit, nachdem Hartwiegs Rechtsanwalt Werner Klumpe im vergangenen September bereits finanzielle Probleme bei seinem Mandanten angedeutet hatte.

Betroffen sind unter anderem die New Capital Invest Fonds 11,16 und 19, dazu die Fonds Self Made Capital 1 bis 6. Insgesamt belaufen sich die investierten Anlegergelder, die laut Pohlmann "in Gefahr" sind, auf 150 Millionen Euro. Sicherstellen konnte der Insolvenzverwalter bei den genannten Unternehmen eine Summe von rund 500.000 Euro. Außerdem gebe es bei anderen Gesellschaften, die auch Hartwieg gehörten und für die keine Insolvenzanträge gestellt worden seien, ein Guthaben von 3,5 Millionen Euro. Die entsprechenden Konten seien per Gerichtsbeschluss gesperrt worden.

Verworrene Geldflüsse, undurchsichtiges Firmengeflecht

Was die Arbeit für den Insolvenzverwalter nach eigenen Aussagen schwierig macht: Das Firmenkonglomerat des Münchener Unternehmers bestehe aus einer Vielzahl von einzelnen Firmen. Da hohe Summen vielfach hin- und hergeschoben worden seien, teilweise aus ins Ausland, seien die Geldflüsse nun nicht so leicht nachzuvollziehen.

Zu Hartwiegs Imperium gehören beispielsweise die Emissionshäuser Selfmade Capital, New Capital Invest und Panthera. Bis vor einem halben Jahr zählte dazu auch das Vertriebsportal Dima24, das nach eigenen Aussagen mehr als 200.000 Anleger und 2,3 Milliarden Euro Gelder betreut. Aus diesem Unternehmen hatte sich Hartwieg aber im vergangenen April zurückgezogen.

"Im Insolvenzfall droht Anlegern der Totalverlust"

Schon seit geraumer Zeit klagen hunderte Anleger über Zahlungsunregelmäßigkeiten bei Fonds, die der Münchener Finanzmakler mit dem auffälligen Oberlippenbart aufgelegt und vertrieben hatte. "Im Insolvenzfall droht ihnen der Totalverlust", warnt Klaus Nieding, Vorstand der Rechtsanwaltskanzlei Nieding + Barth. "Deswegen ist es dringend geboten, Schadensersatzansprüche prüfen zu lassen. In Betracht kommen Ansprüche wegen fehlerhafter Anlageberatung und Prospekthaftungsansprüche."

Seinen Kunden hatte Hartwieg anfangs traumhafte Renditen, oft im zweistelligen Bereich, versprochen. In seinen Verkaufsprospekten ging es um Öl in den USA und um Goldraffinerien in Abu Dhabi, geworben wurde mit Bildern von Förderanlagen im Sonnenuntergang und von Scheichs mit Turban. Doch dann gingen bei der Staatsanwaltschaft München mehrere Strafanzeigen gegen Malte Hartwieg und weitere Personen ein. Im vergangenen Jahr leitete man ein Ermittlungsverfahren ein, unter anderem wegen des Verdachts auf Kapitalanlagebetrug. Geschäftsgebäude und Privaträume von Hartwieg wurden durchsucht. Bisher seien die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen, heißt es nun auf Nachfrage von boerse.ARD.de.

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