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Anlegerschutz

Malte André Hartwieg

Wo sind die Anlegergelder hin?

Malte Hartwieg: Es droht das dicke Ende

Stand: 25.09.2014, 14:12 Uhr

Schon lange bangen Anleger, die in geschlossene Fonds von Malte Hartwieg investiert haben, um ihr Geld. Dabei geht es um hunderte Millionen Euro. Nun gibt es für sie eine neue Hiobsbotschaft, der Münchener Unternehmer hat offenbar finanzielle Probleme.

Das war einem Schreiben zu entnehmen, dass Hartwiegs Rechtsanwalt Werner Klumpe an die Anleger verschickt hat. Hartwieg, der bisher zusagt habe, die Kosten für die Fondsverwaltung bis zum Jahresende zu tragen, sehe sich nicht mehr in der Lage, diese Zusage einzuhalten. Bei einigen Gesellschaften seien zwischenzeitlich auch Insolvenzanträge gestellt worden. Damit wird es für Anleger immer unwahrscheinlicher, ihre investierten Gelder wiederzusehen. Welche von Hartwiegs Unternehmen genau betroffen sind, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

Der Münchener Finanzmakler mit dem auffälligen Oberlippenbart vertrieb Fonds und legte eigene auf. Zu seinem Firmenimperium gehören unter anderem Emissionshäuser wie New Capital Invest, Selfmade Capital und Panthera. Bis vor einem halben Jahr zählte dazu auch das Vertriebsportal Dima24, das nach eigenen Aussagen mehr als 200.000 Anleger und 2,3 Milliarden Euro Gelder betreut. Aus diesem Unternehmen hatte sich Hartwieg im April zurückgezogen. Bei mehreren geschlossenen Fonds, den NCI-Fonds 11, 16 und 19, sowie den Selfmade Capital-Fonds 1 bis 7, hatte es Zahlungsunregelmäßigkeiten gegeben. "Ein Stocken der Ausschüttungen", wie es Klumpes Rechtsanwalt gegenüber boerse.ARD.de einmal genannt hatte. Diese Probleme waren bereits vergangenes Jahr bekannt geworden.

Hartwieg steckt in Zahlungsschwierigkeiten

Diesen August hatte die Staatsanwaltschaft München auf Nachfrage von boerse.ARD.de mitgeteilt, dass sie ein Ermittlungsverfahren eingeleitet habe, unter anderem wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetrugs. Zu den bisherigen Ergebnissen wollte Pressesprecher Thomas Steinkraus-Koch bislang keine Angaben machen. Mitte Juli war bekannt geworden, dass die Geschäftsgebäude wie auch Privaträume von Hartwieg durchsucht worden waren.

Dabei sei es zu Pfändungen gekommen, teilte Anwalt Klumpe nun in seinem jüngsten Schreiben mit. Hartwiegs Bemühungen, finanziell wieder handlungsfähig zu werden, seien gescheitert. Auch die Aufklärungsarbeiten könne er nicht mehr finanzieren. Damit hatte Hartwieg zusammen mit seinem Rechtsanwalt offenbar einen Wirtschaftsdetektiv beauftragt.

Es droht eine regelrechte Klagewelle

Nach Aussagen der "Welt am Sonntag", geht dabei um 200 Millionen Euro. Auf diese Gelder würden rund 500 Anleger, vertreten durch vier spezialisierte Anwaltskanzleien, warten. Ihnen hatte Hartwieg traumhafte Renditen, oft im zweistelligen Bereich, versprochen. In seinen Verkaufsprospekten ging es um Öl in den USA und um Goldraffinerien in Abu Dhabi, geworben wurde mit Bildern von Förderanlagen im Sonnenuntergang und von Scheichs mit Turban. Deshalb dürfte auf Hartwieg demnächst eine regelrechte Klagewelle zukommen.

Rechtsanwalt Stefan Forster von der Kanzlei Wilhelm Lachmair & Kollegen vertritt nach eigenen Aussagen mehrere Hundert geschädigte Anleger und hat für sie schon im vergangenen Herbst bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen Hartwieg und weitere Personen gestellt. Forster kritisierte, dass sie noch monatelang weitermachen hätten können wie bisher.

Der Münchener Unternehmer selbst hat im Zusammenhang mit den Vorwürfen und Ungereimtheiten bislang auf seinen Kompagnon Christian Kruppa verwiesen. Er sei zuständig gewesen für Projekte in den Vereinigten Emiraten und den USA. Eine Erklärung sei der bislang schuldig geblieben, schrieb auch Rechtsanwalt Klumpe, der ab sofort sein Mandat niederlegt. Auf Hartwiegs Wunsch, wie es zumindest in dem Schreiben heißt.

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