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Anlegerschutz

Geldscheine werden von einer Hand über den Tisch geschoben

Manipulationsvorwurf

Ist Frick nur die Spitze des Eisbergs?

Stand: 07.11.2013, 10:34 Uhr

Der frühere TV-Moderator Markus Frick hat gleich am zweiten Prozesstag gegen ihn zugegeben, 1,9 Millionen Euro kassiert zu haben, um eine Aktie zu empfehlen. Ist Frick nur die Spitze des Eisbergs?

Manipulationsfälle von Aktienkursen sind tatsächlich kein Einzelfall. Immer wieder treiben Kriminelle durch Empfehlungen die Kurse von nahezu wertlosen Aktien in die Höhe, um dann abzusahnen, bevor die Titel ins Bodenlose fallen.

Mittlerweile (Stand 12.6.2014) ist Markus Frick wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ein bevorzugter Tummelplatz für solche Fälle war das Ende letzten Jahres von der Deutschen Börse geschlossene First Quotation Board. Die dort gelisteten Unternehmen mussten nur geringe Auflagen erfüllen, was immer mehr "Unternehmen" vor allem aus Kanada und Großbritannien anzog. Allein 2011 stieg die Zahl der an diesem Segment zugelassenen Unternehmen um rund ein Drittel – knapp 200 Unternehmen gingen an den Start.

Bei rund einem Drittel manipuliert

Viele gaben vor, in bei Anlegern gefragten Branchen tätig zu sein: Energie, Rohstoffe, Gold. Knapp 450 Aktien waren am Ende im Board notiert. Insider gingen davon aus, dass bei rund einem Drittel davon schon mal manipuliert wurde.

Die Deutsche Börse vermutete dahinter gar "mafiöse Netze", die für die Frankfurter Wertpapierbörse zu einem systemischen Risiko wurden. Weil sie nicht in den Verruf kommen wollte, mafiöse Strukturen zu unterstützen, war die Börse schließlich gezwungen, das Board zu schließen.

Dabei fließt auch Geld

Audi R8-Sportwagen mit dem Kennzeichen

Audi R8-Sportwagen mit dem Kennzeichen "FRI - CK 50". | Quelle: picture-alliance/dpa

Dass bei solchen Strukturen auch Geld fließt, daran haben Experten keinen Zweifel. Auch bei Börsenbriefen, Anlegerforen oder sonstigen Blogs, in denen Aktien von oft wertlosen Unternehmen gepriesen werden, spielen "Pusher-Prämien" eine Rolle. "Herr Frick war nicht der Einzige, der da aktiv war", ist Jürgen Kurz, Sprecher der Anlegerschutzvereinigung DSW überzeugt.

Natürlich gib es keine offiziellen Zahlen, auch keine glaubhaften Schätzungen über die Summen, die an selbst ernannte "Börsengurus" gezahlt werden. Doch die von Frick genannte Zahlung von 1,9 Millionen Euro gibt einen Hinweis auf die tatsächliche Dimension solcher Fälle.

"Frick ist kein Einzelfall", so ein Kenner der Szene, der namentlich nicht genannt werden will, gegenüber boerse.ARD.de. Der Analyst vermutet regelrechte Netzwerke, in denen potenziell kursbewegende Aktientipps bezahlt und systematisch verbreitet werden.

Nur schwer nachzuweisen

In vielen Fällen sind die Manipulationen nur schwer nachzuweisen. Denn neben Empfehlungen in Börsenbriefen und Internetforen versuchen viele Täter auch über E-Mail, Telefon und Fax ihre "Tipps" an den Mann oder die Frau zu bringen.

Markus Frick. | Quelle: picture-alliance/dpa

Hierzulande sind neben Frick andere Protagonisten aus der Zeit des Neuen Marktes ins Visier der Justiz geraten. So wurde 2012 der frühere Vize-Chefredakteur des Magazins "Der Aktionär", Sascha Opel, zu 22 Monaten auf Bewährung sowie 350.000 Euro Geldstrafe wegen Marktmanipulation mit einer Goldaktie verurteilt.

Alfred Maydorn, ehemaliger Fondsberater und ebenfalls einst Vize-Chef des "Aktionär", ist bereits 2010 wegen Marktmanipulation und Steuerhinterziehung zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte im Blatt und im eigenen Börsenbrief Aktien empfohlen und danach teuer abgestoßen.

"Mister Dausend"

Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft München auch gegen den fränkischen Unternehmer und Verleger des "Aktionärs" Bernd Förtsch wegen des Verdachts auf Marktmanipulation in Sachen JK Wohnbau. Wie die "Wirtschaftswoche" berichtet, wies Förtsch die Vorwürfe zurück, räumte aber ein, dass er Aktien von JK Wohnbau hatte und "Ende Januar 2011 einige wenige Aktien" veräußert habe. Mit JK habe er aber "kein Geld gewonnen, sondern einen mittleren sechsstelligen Betrag verloren".

Zur Erinnerung: Förtsch hatte einst in der TV-Sendung 3satBörse für die Morphosys-Aktie geworben und in breitestem Fränkisch das Kursziel 1.000 ausgegeben. Seitdem wurde er als "Mister Dausend" verspottet. Die im TecDax notierte Aktie ist übrigens rund 57 Euro wert.

lg

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