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Hochfrequenzhändler im Fadenkreuz

Stand: 28.06.2012, 14:24 Uhr

Die computergesteuerten Handelssysteme, die in Millisekunden Aktien kaufen und verkaufen, könnten an deutschen Börsen bald auf Grenzen stoßen. Das Bundesfinanzministerium plant eine Regulierung des so genannten Hochfrequenzhandels.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

0,5 Sekunden sind für einen hochgezüchteten Handelsrechner schon eine kleine Ewigkeit. Er ist in der Lage, Wertpapiere binnen weniger Millisekunden zu kaufen und einen Wimpernschlag später schon wieder zu verkaufen. Die Mindest-Haltedauer von 0,5 Sekunden ist eine mögliche Auflage, die ein Gesetz zur Regulierung des Hochgeschwindigkeits-Handels enthalten könnte. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" haben sich Politiker der Union und FDP auf einige Eckpunkte dabei bereits geeinigt.

Zulassungs- und Auskunftspflichten

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hält die automatisch generierten Handelsströme im Milli-Sekundentakt nach früheren Aussagen für "gefährlich". Nach einem der FAZ vorliegenden Konzeptpapier sollen den Hochfrequenzhändlern neben möglichen zeitlichen Einschränkungen auch umfassende Auskunftspflichten gegenüber der Börsenaufsicht BaFin auferlegt werden. Dazu gehören auch Informationen über die verwendeten Programme der Händler.

Diese Handelsunternehmen müssen zudem eine Zulassung für das Geschäft an deutschen Börsen beantragen, um an den hiesigen Börsenplätzen tätig werden zu können. Laut dem Eckpunkte-Papier sollen bestimmte "missbräuchliche" Vorgehensweisen zudem verboten werden, "hinter denen nicht die Absicht steht, zu handeln, sondern einen falschen Eindruck über das Angebot oder die Nachfrage nach einem bestimmten Finanzinstrument zu erwecken".

Das Gesetzgebungsverfahren kann nun angestoßen werden: "Wir erwarten einen Gesetzesentwurf in der zweiten Jahreshälfte", so ein Teilnehmer des Gesprächs gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

1.000 Punkte im Minutentakt
Der Hochfrequenz-Handel, bei dem Investoren versuchen, minimale Kursschwankungen auszunutzen, ist den Börsenaufsichten auch international schon lange ein Dorn im Auge. Wegen der Gefahr von Kettenreaktionen, die starke Kursschwankungen am Gesamtmarkt auslösen können, hatte auch die US-Behörde SEC bereits angekündigt, gegen diese Form des Handels vorzugehen, bislang allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Der Sekundenhandel, auch als "Algo-Trading" (von Algorythmus) bezeichnet, soll auch mitverantwortlich für den drastischen Kurssturz des Dow-Jones-Index im Mai 2010 gewesen sein. Bei extremen Handelsvolumina war der US-Leitindex damals binnen weniger Minuten um 1.000 Punkte abgestürzt - und zwar ohne ersichtlichen Grund.

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