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CFD- und Forex-Broker in Verruf

Handel nicht mit den Schmuddel-Brokern!

von Bettina Seidl

Es ist nicht leicht, Online-Broker besserer Abstammung von Schmuddelkindern zu unterscheiden. Die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin hat ihre liebe Not. Wie soll da erst der Privatkunde durchblicken? Der Fall von FXdirekt hinterlässt ein ungutes Gefühl.

Zwei Personen stehen hinter Jalousien.

Finanzdienstleister Banken CFD FXdirekt 1408. | Quelle: colourbox

Kurz vor Weihnachten war Schluss. Die BaFin stoppte das schwarze Schaf der Branche. Die Finanzaufsicht schloss die Pforten der FXdirekt Bank AG, einer Handelsplattform, über die Privatkunden Devisen, Edelmetalle und so genannte CFDs handeln konnten.

Es kursierten reichlich Vorwürfe wegen unseriöser Praktiken des Online-Brokers. Der Auslöser für das verhängte Moratorium war das aber nicht. Vielmehr schloss die BaFin die Bank wegen der hohen Verluste. Mit dem verordneten Veräußerungs- und Zahlungsverbot und dem Stopp des Kundenverkehrs will die Behörde die verbliebenen Vermögenswerte sichern.

Von manipulierten Demo-Konten …

Doch FXdirekt stand in der Vergangenheit wegen ganz anderer Dinge am Pranger. Die Bank soll über Jahre hinweg ihre Kunden ausgeplündert haben. Sie selbst bestreitet Unregelmäßigkeiten.

Doch in einer Reportage der "Wirtschaftswoche" wurden die Praktiken der Bank in aller Ausführlichkeit geschildert: So sollen neue Kunden mit Demo-Konten geködert worden sein, die mit Zeitverzögerung und besseren Kursen arbeiteten. So habe dem potenziellen Kunden vorgegaukelt werden können, dass es spielend leicht sei, einen Gewinn einheimsen zu können.

… und gemolkenen Kunden

Wenn FXdirekt die neuen Kunden dann gewonnen hätte, seien sie regelrecht ausgenommen worden. Die "Wirtschaftswoche" beruft sich auf Aussagen mehrerer Insider, die dem Magazin offengelegt hätten, wie die Bank abkassiert habe.

Es sei dabei hauptsächlich um hochspekulative Geschäfte gegangen, bei denen der Kunde auf Kursdifferenzen von Währungen (Forex) wettet oder mit CFDs (Contracts for Difference) handelt. Das sind Hebelgeschäfte, bei denen zum Beispiel mit einem Einsatz von 1.000 Euro tatsächlich Geschäfte über 100.000 Euro getätigt werden.

Erlösquelle Margin Call und Stop-Limit

Die Bank soll dabei alles getan haben, um ihren eigenen Umsatz in die Höhe zu treiben – auf Kosten ihrer Kunden. Sie soll dazu zum Beispiel Stop-Limits ihrer Kunden genutzt haben. Die Bank darf ihre Kurse selbst festlegen, so sehen es in der Regel die Vertragsbedingungen der Broker vor. Sie soll die Kurse so geschickt festgesetzt haben, um dadurch weitere Transaktionen auszulösen, also zum Beispiel den automatischen Verkauf einer Position bei Erreichen des Stop-Limits.

Ähnlich manipulativ soll die Bank bei so genannten Margin Calls agiert haben. Die Margin ist die Sicherheitsleistung, die ein Kunde für die Hebelgeschäfte hinterlegt. Verändert sich sein Investment zu seinen Ungunsten, muss er unter Umständen Geld nachschießen. Und daran verdient die Bank wieder. All diese geschilderten Praktiken bestreitet FXdirekt.

Schwarze Schafe und Grauzonen

Doch das Image der Branche ist arg lädiert. Das Fatale ist: Auf dem Markt der CFD- und Forex-Broker dürften sich weitere schwarze Schafe tummeln. Doch Außenstehende können zwischen gut und böse nicht unterscheiden, erst recht nicht die vielen Grauzonen erkennen. Und offenbar ist es für Bankenaufseher und Staatsanwälte ebenso schwer.

Das liegt gar nicht so sehr an der Größe des Marktes. Denn erstens ist die Zahl der CFD-Anbieter in Deutschland noch halbwegs überschaubar. Die vier großen sind IG Markets, Markets sowie Saxo und die Royal Bank of Scotland, die Teile der ehemaligen ABN Amro Bank und damit die CFD-Plattform Marketindex übernommen hat. Daneben kämpft eine wachsende Anzahl von kleineren Anbietern um Marktanteile im deutschen Markt. Insgesamt sind es aber nur rund 30 Anbieter. Der Handel wirkt dagegen gigantisch. Die Zahl der CFD-Konten dürfte im vergangenen Jahr bei rund 65.000 gelegen haben, die Zahl der Transaktionen bei rund 27 Millionen und das Handelsvolumen bei gut 600 Milliarden Euro.

Insider müssen auspacken

Doch die Marktgröße ist wohl gar nicht der springende Punkt. BaFin und Staatsanwaltschaft sind vielmehr überfordert damit, das unseriöse Gebaren nachzuweisen. Vorwerfen kann man das den Behörden nicht: "Wenn man etwas böswillig verdunkelt, ist das nicht den Ermittlern anzulasten, sondern dem der verdunkelt", sagt Andreas Ruether vom CFD-Verband, in dem sich die führenden Anbieter der Branche in Deutschland zusammen geschlossen haben. Die Mitglieder repräsentierten rund 90 bis 95 Prozent des Marktvolumens.

Dass die Broker die Kurse selbst festsetzen, ist per se nichts Unseriöses. Es gehört zu ihrer Aufgabe als Market Maker, verbindliche Preise zu stellen. Anders sieht es aber aus, wenn Kurse zu den eigenen Gunsten manipuliert werden.  Wenn sie von den Marktpreisen zu stark abweichen. Wenn Spreads, das ist die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs, beliebig stark ausgeweitet werden, damit die Bank auf jeden Fall gewinnt. Doch ein solches Fehlverhalten im Einzelfall nachzuweisen, ist schwierig. Dazu müsste schon ein Insider auspacken. Die Geschäfte werden ja nicht über die Börse abgewickelt - es gibt keine unabhängige Clearing-Stelle -, sondern die Geschäfte tätigt der jeweilige Broker selbst.

Wie findet man die weißen Schafe?

Wie kann da überhaupt ein Normalsterblicher die Spreu vom Weizen trennen? Er sollte bei seinem Broker auf Transparenz achten. "Der Broker muss seine Preisfeststellung offen legen", erläutert Ruether. Und auch über sich selbst müsse die Bank Auskunft geben, ob sie zum Beispiel ausreichend Eigenkapital verfüge. "Der Anbieter darf ruhig klein sein, aber transparent muss er sein."

Eines ist Branchenkenner Ruether besonders wichtig: "CFDs sind nur etwas für erfahrene Investoren und Börsianer, die spekulieren wollen." Sparer und Anleger sollten die Finger davon lasen. "Wo Kapitalerhalt und Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen, darf auf keinen Fall in CFDs investiert werden."

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