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Geld verlieren mit chinesischen Aktien

Lothar Gries

Stand: 10.07.2012, 15:21 Uhr

Auf die Chinesen kann sich die Deutsche Börse verlassen. Während heimische Firmen wie Evonik den Gang auf das Parkett Jahr um Jahr verschieben, nehmen Unternehmen aus dem Reich der Mitte das Angebot immer noch gerne an. Die allermeisten von ihnen haben sich aber als verheerende Wertvernichter erwiesen.

Chinesischer Drache vor schwarzem Hintergrund

china Drache.

Jüngstes Beispiel ist der Modehersteller Ming le Sports, die zweite Neuemission dieses Jahres im Regulierten Markt (Prime Standard), dessen Aktien am vergangenen Freitag zum ersten Mal in Frankfurt notiert wurden. Nach einem robusten Start gaben die Papiere rasch nach und stürzen bis zum Dienstag auf 7,80 Euro ab. Bei einem Ausgabekurs von 13 Euro ein Absturz von 40 Prozent innerhalb von nur drei Tagen.


Auch mit der Aktie des seit gestern in Frankfurt gelisteten Schuh- und Bekleidungsherstellers Fast Casualwear ließ sich bislang kein Geld verdienen. Das Papier dümpelt um seinen Ausgabepreis von fünf Euro herum. Zudem musste das Unternehmen wegen der geringen Nachfrage sein Erlösziel bereits im Vorfeld mächtig eindampfen - auf läppische fünf Millionen Euro. Angepeilt war mehr als das Doppelte.


Für Begeisterung sorgen die Börsengänge der Chinesen schon lange nicht mehr. Großinvestoren haben ohnehin keinen Anreiz, Aktien von völlig unbekannten chinesischen Mittelständlern zu kaufen, die in keinem Index gelistet sind und nur geringe Umsätze versprechen. Wachsendes Misstrauen schlägt den Kandidaten auch von Seiten der Privatanleger entgegen, mussten sie doch die Erfahrung machen, dass es viele chinesische Firmen mit ihrem Zahlenwerk nicht so genau nehmen.


Geringes Volumen
Dabei handelt es sich keineswegs um Ausnahmen. Auch die vorherigen Börsengänge chinesischer Firmen in Frankfurt gingen nur mit sehr geringem Volumen über die Bühne. So erlöste der Softwarehersteller Vange im Juni statt der erhofften bis zu 31 Millionen Euro weniger als ein Zehntel dieser Summe, rund 2,7 Millionen Euro. Der Aktienkurs hat sich seitdem kaum bewegt und pendelt um den Ausgabekurs von 26 Euro. Große chinesische Konzerne meiden dagegen das aus globaler Sicht provinzielle Frankfurter Parkett. Sie zieht es nach lieber nach London oder New York.


Bleiben also die Firmen aus der dritten und vierten Reihe, an deren Beteiligungen sich die Anleger bisher ganz gehörig die Finger verbrannt haben. Als Alptraum erweist sich die die Entwicklung von Zhongde Waste Technology, dem ersten chinesischen Erstlisting in Detuschland, das vor ziemlich genau fünf Jahren, am 6. Juli 2007 an die Börse ging. Die Aktie notiert heute bei 1,65 Euro, nachdem sie zu 26 Euro ausgegeben wurde, es am ersten Tag auf 30 Euro schaffte und zeitweise sogar mehr als 40 Euro wert war.



Überzogene Versprechungen
Doch die vollmundigen Verheißungen der Banker und Berater erwiesen sich rasch als überzogen. Statt zu wachsen und zu prosperieren war Zhongde, wie auch viele andere chinesische Unternehmen, plötzlich mit sinkenden Erträgen und rückläufigen Umsätzen konfrontiert.


Und auf eigene Faust etwas über die Unternehmen herauszubekommen, ist für Privatanleger oft schwierig, vor allem dann, wenn die Firmen nicht im Prime Standard gelistet sind und somit keine Quartalsberichte veröffentlichen müssen.


Doch auch diese Vorschriften werden nicht immer eingehalten. So hat es Zhongde bis heute nicht geschafft, eine Bilanz für das Geschäftsjahr 2011 zu erstellen. Lesen Sie mehr in Teil 2. Dort wird auch erklärt, wer die Profiteure der chinesischen Börsengänge sind:

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