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Anlegerschutz

Windkraftanlage mit Regenbogen

Genossenschaft oder Übernahme?

Frischer Wind für Prokon

Stand: 02.07.2015, 09:07 Uhr

Der Showdown im Gerangel um die Zukunft des insolventen Windkraft-Unternehmens Prokon steht bevor. Heute entscheidet eine Gläubigerversammlung darüber, ob Prokon geschluckt oder in Form einer Genossenschaft weitergeführt wird.

Jetzt die Hälfte des Einsatzes zurück oder auf Sicht von einigen Jahren auf die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens Prokon setzen - dies sind aus Anlegersicht die beiden Alternativen, über die morgen in den Hamburger Messehallen entschieden wird.

100.000 Betroffene

Die Gläubigerversammlung in der Hansestadt sprengt jede Dimension: Rund 75.000 Anleger und weitere Lieferanten, Stromkunden und Bankenvertreter können bei der Versammlung ihre Stimme abgeben, die Gesamtzahl der Betroffenen liegt bei rund 100.000.

Genossenschaftsmodell ist wahrscheinlich

Die zwei Zukunftsvarianten für Prokon und damit auch die Einlage der Investoren sehen wie folgt aus: Zunächst werden die Anwesenden über ein Genossenschaftsmodell abstimmen. Sollte dieses eine Mehrheit finden, erhalten die Genussschein-Inhaber von Prokon Anteile an der neu zu bildenden Genossenschaft und darüber hinaus eine Anleihe. Diese läuft 15 Jahre lang und ist mit 3,5 Prozent verzinst.

Das Genossenschaftsmodell geht auf die Initiative eines Zusammenschlusses privater Prokon-Gläubiger, der "Freunde von Prokon" zurück. Die Zustimmung zum Genossenschaftsmodell ist derzeit die wahrscheinlichste Lösung. Bei Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin sind bereits 36.000 Zustimmungerklärungen dafür eingegangen. Läuft dieses Modell nach Plan, können Anleger nach Schätzungen knapp 58 Prozent ihrer Einlage zurückerhalten.

Übernahme durch EnBW als zweite Möglichkeit

Sollte die Zustimmung zu dieser Genossenschafts-Lösung aber scheitern, steht der Energiekonzern EnBW mit einem Übernahmeangebot parat: Das Unternehmen bietet an, Prokon für 550 Millionen Euro zu übernehmen. Anleger würden dabei nach der Übernahme sofort ausgezahlt, die Quote läge hier bei 52,2 Prozent des Einsatzes.

Um Anleger davon abzuhalten, der Übernahme durch die EnBW zuzustimmen, hat sich die "Genossensschafts-Fraktion" sogar Partner an Bord geholt, die ähnlich wie der Energieversorger Anleger sofort auszahlen wollen. Die Öko-Bank GLS und der Energieanbieter Naturstrom haben sich bereit erklärt, ausstiegswilligen Anlegern ihre Genossenschaftsanteile abzukaufen.

Liquidation, wenn nichts klappt

Im - unwahrscheinlichen - Szenario, in dem weder die Genossenschaftslösung noch die Übernahme von der Gläubigerversammlung durchgewunken wird, bleibt dem Insolvenzverwalter nur noch die Liquidation. Für die Anleger wird dies wohl die am wenigsten lukrative Lösung des Falls Prokon sein, die Schätzungen liegen hier bei einer Quote von 48,5 Prozent der Einlagen. Immerhin aber können ausstiegswillige Anleger auch hier ein Ende (mit Schrecken) absehen.

Der Fall Prokon hat über Jahre für Schlagzeilen gesorgt. Unternehmensgründer Carsten Rodbertus hatte zehntausende Anleger mit dem Versprechen vom "sauberen Strom" gelockt, in Verbindung mit einer attraktiven Rendite. Insgesamt hatte er für Prokon Genussscheine im Wert von 1,4 Milliarden Euro verkauft. Robertus war vor allem an den hohen Rendite-Versprechen (sechs Prozent und mehr jährlich) gescheitert. Erwartete Gewinne waren kurzerhand ausgeschüttet worden, um diese Versprechen zu halten. Als mehr und mehr Anleger ihre Genussscheine wieder verkaufen wollten, schlidderte Prokon in eine spektakuläre Pleite.

AB

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