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EZB

Benoît Cœuré, Mitglied des EZB-Direktoriums

Kommunikationspanne

Einige wussten schon vorher Bescheid

Stand: 21.05.2015, 15:53 Uhr

EZB-Direktor Benoît Cœuré hat offenbar bei einem Abendessen am Montag in London wichtige Details zum Anleihenkaufprogramm vorab ausgeplaudert. Die Marktteilnehmer sind verärgert, und bestraft werden soll die Presse.

An der geschlossenen Veranstaltung hatten Vertreter von Hedgefonds wie Brevan Howard und von großen Bankhäusern wie Goldman Sachs und Citi teilgenommen. Medien waren nicht zugelassen. Coeurés Rede veröffentlichte die EZB erst am nächsten Morgen. Doch schon während der Veranstaltung war der Euro-Kurs zum Dollar deutlich gefallen.

"Der plötzliche Kursrückgang des Euro zeigt, dass jemand aufgrund der Anmerkungen Coeurés gehandelt hat", sagte Ashraf Laidi, Chefstratege bei der City Index in London. Coeuré hatte bei dem Abendessen angekündigt, dass die EZB einen Teil der für Juli und August geplanten Anleihenkäufe wegen der in der Urlaubssaison üblicherweise dünnen Umsätze vorziehen wolle.

Coeurés Rede befeuerte die Märkte

"Wir sind uns auch der saisonalen Muster der Aktivität an den Märkten für Festverzinsliche im Zusammenhang mit der traditionellen Urlaubszeit von Mitte Juli bis August bewusst, die durch erheblich niedrigere Marktliquidität gekennzeichnet ist“, sagte Coeuré laut Redetext.

Glaubt man der "Welt", haben einige Investoren mit den exklusiven Informationen "wohl das Geschäft ihres Lebens" gemacht, hatten sie doch einen zeitlichen Vorsprung vor allen anderen Marktteilnehmern.

Dax
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Als Coeurés Rede am nächsten Tag, dem Dienstag, veröffentlicht wurde, befeuerte die Aussicht auf verstärkte EZB-Anleihekäufe vor der Ferienzeit die Aktienmärkte (der Dax stieg um 2,3 Prozent), während gleichzeitig der Euro unter Druck geriet und zeitweise auf unter 1,11 Dollar fiel.

Investoren verärgert

Viele Investoren reagierten verärgert: "Die Kardinalregel, Zentralbankkommentare direkt zu veröffentlichen, wurde verletzt", bemängelte Ashraf Laidi von City Index. Sven Giegold, Europaabgeordneter von den Grünen, forderte eine transparente Kommunikationspolitik der EZB bei solchen informellen Veranstaltungen.

Die EZB machte einen "internen Prozess-Fehler" für die verspätete Veröffentlichung der Rede verantwortlich. Umso überraschender fiel daher die Antwort der Zentralbank am Mittwoch aus, nun Journalisten keine Redetexte mehr vorab mit Sperrfrist zugänglich zu machen. Denn bei vielen Zentralbanken ist dies eine übliche Praxis, um sicher zu stellen, dass Medien zeitgleich berichten und kein Marktteilnehmer einen Informationsvorsprung erhält.

lg

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