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Anlegerschutz

Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW)

Nichts überstürzen

DSW rät VW-Aktionären, mit Klagen zu warten

Stand: 06.10.2015, 12:00 Uhr

Die Geier, sprich die Anwälte, kreisen weltweit schon über Wolfsburg und warten auf fette Beute. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) rät betroffenen Aktionären aber, mit einer Klage noch abzuwarten.

Fakt ist, dass die Volkswagen-Aktionäre seit dem Bekanntwerden der Abgasmanipulationen viel Geld verloren haben. Der Wert ihrer Aktien hat sich seitdem fast halbiert. Können die gebeutelten Anleger diese Verluste nun vor Gericht einklagen?

Mark Tüngler von der DSW warnt jedenfalls vor Schnellschüssen. "Wir raten ausdrücklich davon ab, in der aktuellen Phase Anwälte zu mandatieren, die bereits heute sicher wissen wollen, dass Schadenersatzansprüche vorliegen und diese mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gerichtlich durchzusetzen sind."

Erst informieren

Bevor also der "richtige" Weg beschritten wird, ist es nach Tünglers Meinung wichtiger, sich umfassend zu informieren. Denn die aktuelle Informationslage gebe es jedenfalls noch nicht her, vor Gericht zu ziehen. Anders ausgedrückt, der potenzielle Kläger weiß noch gar nicht, gegen was er eigentlich so genau klagen soll. Die Tatsache, dass man als Aktionär Kursverluste erlitten habe, reiche alleine sicher nicht aus, eine Klage zu untermauern, so der Experte.

Andreas W. Tilp

Andreas W. Tilp. | Bildquelle: TILP Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

Das sieht der prominente Anwalt Andreas Tilp aus Tübingen wohl anders. Er ist bereits vorgeprescht und fordert im Auftrag eines Aktionärs 20.000 Euro Schadenersatz. "Volkswagen sollte die Chance ergreifen, sich zu seiner Verantwortung zu bekennen und Schadenswiedergutmachung zu leisten", fordert Tilp und droht, seine Kanzlei vertrete bereits jetzt genügend private wie institutionelle Investoren, um die Durchführung eines Musterverfahrens vor dem Oberlandesgericht Braunschweig zu erzwingen.

Alles klar also? Wenigstens eines ist sicher: Um herauszufinden, um was es vor Gericht eigentlich gehen soll, hat ein potenzielles Opfer ein Jahr Zeit. Dann läuft die Verjährungsfrist ab.

Rechtsrisiken lasten auf der Aktie

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
140,30
Differenz relativ
+0,21%

Es sind besonders diese Rechtsrisiken, die auf der VW-Aktie lasten. Denn seriös kann derzeit niemand prognostizieren, wie hoch die Klagewelle sein wird, die auf den VW-Konzern zurollt. Ist der Konzern gar existenziell bedroht? Vor allem in Amerika müssen sich die Wolfsburger warm anziehen. VW-Vorzüge tendieren heute zusammen mit anderen Autoaktien aber freundlich.

rm

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Was jetzt alles auf VW zukommt

Viele Unwägbarkeiten

 Volkswagen-Besitzerin in ihrem 2013 Volkswagen Jetta Sportwagen Diesel

Schadenersatz: Die Kunden

Schadenersatz könnten zuallererst die Kunden, sprich die Käufer der betroffenen Diesel-Modelle anmelden. Denn ihnen wurde juristisch gesehen nicht das Produkt mit den Eigenschaften verkauft, die von VW versprochen wurden. Sie könnten also wegen Betrug klagen. VW hat bereits erklärt, die betroffenen Kunden zumindest im Inland anzuschreiben und die Autos technisch umzurüsten. In Amerika aber könnte es auch einfach heißen: Auto auf den Hof stellen und Geld zurück. Die Schadenshöhe dürfte je nach Rechtssystem unterschiedlich hoch sein.

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