Interview

Klaus Nieding

Prokon-Anleger müssen weiter bangen "Die Hälfte des Investments ist wohl verloren"

Stand: 07.01.2015, 10:33 Uhr

Das Unternehmen Prokon wird vermutlich weitergeführt, meint Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, der im Gläubigerausschuss die Anleger vertritt. Die müssen sich aber auf schmerzhafte Einschnitte einstellen.

boerse.ARD.de: Welche Zukunftsperspektiven gibt es derzeit für Prokon?

Klaus Nieding: Der Insolvenzverwalter sieht auf jeden Fall vor, Prokon weiterzuführen. Denkbar wäre, dass sich die Genussrechtsinhaber selbst unternehmerisch daran beteiligen oder dass sich ein Investor bei Prokon einkauft. Der Kaufpreis könnte dann als Auszahlung an die Gläubiger zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sollen Genussrechtsinhaber einen Teil ihrer Forderungen in eine handelbare Anleihe tauschen können, die sie an der Börse verkaufen können. Das sind allerdings erst Denkansätze, ein konkreter Insolvenzplan ist derzeit noch in Arbeit.

boerse.ARD.de: Wie kommen die Genussrechtinhaber von Prokon dabei voraussichtlich weg?

Nieding: In jedem Fall dürften sie einen Großteil ihres Investments nicht mehr wiedersehen. Die Hälfte davon ist wohl verloren. Das hat ihnen der Insolvenzverwalter bereits in Aussicht gestellt. Auf wie viel sie genau verzichten müssen, hängt allerdings davon ab, welchen Erlös Prokon mit seinen geplanten Verkäufen von Unternehmensanteilen erzielen kann. Den tatsächlich entstehenden Schaden können die Anleger unter bestimmten Umständen bei Dritten geltend machen.

boerse.ARD.de: Wie schätzen Sie die Chancen dieser Verkäufe ein?

Nieding: Erfreulicherweise kann Prokon auf werthaltige Vermögenswerte blicken, beispielsweise auf Windparks. Auch wenn ein Totalverlustrisiko – wie bei allen unternehmerischen Beteiligungen – nicht ausgeschlossen werden kann, denke ich, wir sind auf einem guten Weg.

boerse.ARD.de: Angedacht ist unter anderem, Prokon in eine Genossenschaft umzuwandeln – wie greifbar ist dieser Vorschlag schon?

Nieding: Fest steht bisher nur, dass bei entsprechender Resonanz unter den Anlegern die Möglichkeit besteht, weiterhin unternehmerisch bei Prokon engagiert zu sein. In dem Fall hat der Insolvenzverwalter die Rechtsform der Genossenschaft als bevorzugte Unternehmensart thematisiert. Konkret ist da bisher aber noch nichts.

boerse.ARD.de: Was wäre für Genussrechtinhaber damit gewonnen?

Nieding: Sie könnten auch künftig an Prokon beteiligt sein und an der Geschäftsentwicklung teilhaben, ihren Verlust womöglich reduzieren und sogar kompensieren. Sie tragen dann aber auch die Risiken einer unternehmerischen Beteiligung. Wenn das Geschäft schlecht läuft, droht sogar der Totalverlust.

boerse.ARD.de: Was würden Sie Prokon-Genussrechtinhabern derzeit raten?

Nieding: Solange nicht alle Details zu den einzelnen Sanierungsmodellen öffentlich bekannt gemacht wurden, heißt es erst einmal abwarten. Wichtig ist allerdings, dass Anleger die Risiken und Konsequenzen der jeweiligen Variante bewusst machen. Wollen sie gegebenenfalls Schadenersatzansprüche geltend machen, sollten sie sich vorher umfassend beraten lassen.

Das Gespräch führte Ursula Mayer.

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