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Anlegerschutz

Modellfiguren von Anlegern stehen auf Zeitungen und Listen mit Aktienkursen

Schwarzbuch der SdK

Der Anleger ist der Dumme?

Stand: 22.12.2014, 16:33 Uhr

Alljährlich zieht auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger eine Bilanz zum Börsenjahr 2014. Der Tenor des Schwarzbuches, das eine Reihe von Problembereichen im Kapitalmarkt auflistet, ist pessimistisch. Die Anlegerrechte, so die SdK, werden weiter beschnitten.

"Wir beobachten mit Sorge, dass sich auch im Börsenjahr 2014 die Tendenz fortgesetzt hat, die rechtliche Stellung der Anleger gegenüber Unternehmen und Hauptaktionären abzuschwächen", resümiert SdK-Vorstand Dieter Bauer.

Das Urteil wird durch eine Reihe von Vorkommnissen im abgelaufenen Jahr begründet. So hat die SdK eine Reihe von Delistings 2014 verfolgt, die in der Regel zu Lasten der Kleinanleger abgelaufen sind. Diese litten auch unter der neuen Rechtsprechung, nach der Delistings ohne Barabfindungsangebot erleichtert werden. Zudem werde auch der Wechsel von Unternehmen aus dem Prime Standard in den weniger regulierten Freiverkehr leichter. Im laufenden Jahr hätten auch wegen der "verbesserten" Rahmenbedingungen 25 Unternehmen ein vollständiges Delisting beantragt.

China-Knaller als Rohrkrepierer

Auch die "China-Aktien" mit denen viele Anleger in Deutschland in den vergangenen Jahren bereits herbe Verluste erlitten haben, waren anno 2014 wieder Stein des Anstoßes für die SdK. Höhepunkte, die das Schwarzbuch auflistet, waren dabei das Abtauchen des Vorstandes beim Modeherstellers Kinghero oder die verschleppten Jahresabschlüsse bei Ming Le Sports.

Auch die in den vergangenen Monaten stark beworbenen Mittelstandsanleihen sind für die Organisation Stein des Anstoßes. Mit vermeintlich sicheren Schuldpapieren sei hier vielfach geworben worden. Die Pleite des "Traumschiffs" der MS Deutschland Beteiligungs-Gesellschaft sei eher ein "abschreckendes Beispiel" für die Anlageklasse.

Großbanken zahlen, aber ziehen keine Konsequenzen

Nicht zuletzt bekommen auch die internationalen und nationalen Großbanken im Schwarzbuch ihr Fett weg. Milliardenzahlungen wegen diverser Skandale seien im abgelaufenen Jahr zwar entrichtet worden. Allerdings sei dies zumeist abseits der Gerichte in Vergleichen abgelaufen. "Die Bereitschaft, aus den kriminellen Machenschaften spürbare Konsequenzen im Sinne von mehr Anlegerschutz zu ziehen, ist aber noch nicht zu erkennen", lautet das Fazit.

AB

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