Anlagebetrüger Engler muss hinter Gitter Das Ende eines Märchenerzählers

Stand: 04.03.2013, 13:31 Uhr

Er soll mehr als Tausend Anleger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz um über 37 Millionen Dollar betrogen haben und auf ihre Kosten fünf Jahre lang auf großem Fuß gelebt haben. Nun muss Ulrich Engler für achteinhalb Jahre hinter Gitter.

Ulrich Engler 1408. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Das Landgericht Mannheim verurteilte den gelernten Bürokaufmann und späteren Berufssoldaten und Staubsaugervertreter am Vormittag wegen Betrugs in zwei Fällen, wie ein Sprecher mitteilte.

Dem Urteil war eine Verständigung von Staatsanwaltschaft und Verteidigung vorausgegangen, wonach der Angeklagte nach einem Geständnis für maximal acht Jahre und neun Monate in Haft kommen sollte.

Raffiniertes Schneeballsystem

Der 51-Jährige war im Juli letzten Jahres in Las Vegas verhaftet worden. Engler hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit fingierten US-Aktiengeschäften und einem Schneeballsystem knapp 1.300 Anleger um insgesamt 37 Millionen Dollar geprellt.

Doch nur für einen Teil der illegalen Geschäfte konnten die Strafverfolger Nachweise erbringen. Der in früheren Jahren auch als Staubsaugervertreter tätige Mann hatte laut Anklage Anlegern in den Jahren von 2004 bis 2007 vorgegaukelt, mit einem Computerprogramm Aktienkursentwicklungen an der New Yorker Börse schneller als andere Händler erkennen und dadurch monatliche Renditen von drei bis sechs Prozent erzielen zu können.

Traumhafte Renditen

In den Broschüren las sich das so: Wer 5.000 Dollar einzahlte, würde nach sieben Jahren 301.208 Dollar zurückerhalten. Etliche Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz glaubten diesem Märchen und überwiesen Engler mitunter ihre gesamten Ersparnisse.

Mit den neu eingenommenen Geldern hat Engler anfangs Ausschüttungen an andere Anleger und Provisionen an Vermittler gezahlt. Mit diesem Pyramidengeschäft bekam der vermeintliche Anlagespezialist, der formal nicht über einen Volksschulabschluss hinauskam, sich aber als einstiger Chefhändler für Auslandsderivate der JP Morgan ausgab, ein Vermögen zusammen.

Ein Leben in Saus und Braus

Mit dem erschwindelten Reichtum führte Engler ein luxuriöses Leben in den USA. Angeblich wurde er auch in Panama aktiv. Zudem soll er Anteile einer erfundenen Bank in der "Dominion of Melchizedek", einem von keinem Staat anerkannten virtuellen Land auf Kleinstinseln im Pazifik, verkauft haben.

Marktteilnehmer auf dem Frankfurter Börsenparkett schütteln nur den Kopf: Niemand könne in Zeiten von Leitzinsen bei nahe Null auch nur annähernd Renditen von vier Prozent im Monat erzielen.

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