Anlegerschutz

Skyline von Hong Kong

Verschollene Gewinne, verschollene Chefs Chinesische Aktien – Bermudadreieck für Anleger

von Angela Göpfert

Stand: 07.07.2014, 11:17 Uhr

Sollte es wirklich noch eines Beweises bedürfen, wie gefährlich für Anleger hierzulande das Zocken mit chinesischen Aktien ist, dann hat ihn Youbisheng geliefert. Die Aktie des chinesischen Kartonherstellers brach am Montag dramatisch ein.

Bis zu 27 Prozent geht es am Montag abwärts, die in Frankfurt gelistete Youbisheng-Aktie fällt auf ein Rekordtief von 1,35 Euro. Damit ist sie der mit Abstand größte Verlierer auf Xetra. Der chinesische Kartonhersteller hatte am Freitagabend mitgeteilt, Firmenchef Haiming Huang sei unauffindbar.

Und das wohlgemerkt seit Wochen! Der Aufsichtsrat wurde nämlich laut Ad-hoc-Mitteilung vom Freitagabend über die Abwesenheit des Vorstandsvorsitzenden bereits am 20. Juni 2014 informiert.

Zudem hätten Mitarbeiter dem Finanzvorstand David Tsui den Zugang zum Unternehmensgelände in China verweigert, so dass dieser die Buchhaltung nicht überprüfen könne. Tsui trete daher zum 25. Juli zurück.

"Stupid german money"

Mit ihrer arg verspäteten Ad-hoc-Mitteilung tritt die Youbisheng Green Paper AG die Aktionärsrechte mit Füßen. Zugleich reiht sie sich damit nahtlos ein in die Reihe chinesischer Geldvernichter von A wie Asian Bamboo bis Z wie ZhongDe Waste, die vom "dummen deutschen Geld" profitiert haben.

Der Ausgabepreis beim Youbisheng-Börsengang 2011 hatte nämlich noch bei stolzen 6,50 Euro gelegen. "Ich bin froh, dass wir die Genehmigung für den Börsengang von der Frankfurter Börse bekommen haben", so der damalige Finanzvorstand.

In der Tat muss man die Frage nach der Verantwortung der Deutschen Börse im China-Aktien-Desaster stellen. Die Frankfurter haben über Jahre hinweg chinesische Unternehmen gezielt angeworben. Um ihnen eine Erstnotierung in Frankfurt zu erleichtern, hat man sogar eigens eine chinesische Website eingerichtet.

Grenzenlose Naivität, grenzenlose Kursverluste

Man muss sich aber auch die Frage stellen, was Anleger hierzulande überhaupt dazu bringt, ihr Geld in irgendeine chinesische Bude zu stecken. Sie sprechen die Sprache nicht, können keine Unternehmensnachricht selbst nachlesen und die Bilanzierung auch nur ansatzweise nachvollziehen. Sie haben keinen blassen Schimmer vom Unternehmen und vom Markt.

Mit anderen Worten: Wie naiv muss man eigentlich sein, sich ein solches Risiko ins Depot zu holen in der Hoffnung, damit eine Überrendite erzielen zu können?!

Der Chart hat es mal wieder gewusst!

Der einzige Ausweg in einer solchen Situation wäre, sich auf die Markttechnik zu konzentrieren. Denn der Chart lügt nicht. Die Youbisheng-Aktie etwa befand sich seit ihrem Börsenstart im Jahr 2011 in einem einwandfreien Abwärtstrendkanal. Anleger mit einem elementaren charttechnischen Grundwissen wären auf diese Aktie gar nicht erst hereingefallen!

Alle Kommentare (6)

Kommentar von "Don.Corleone" am 07.07.2014, 18:23 Uhr

Es handelt sich b. d. China AG um trittbrettfahrer zu handeln , die eine Blase produzieren, wo die Lemminge sich drauf stürzen . Hochspekulativ , ja , wer zeichnet o. kauft, bitte ,, das d. Kleinen Klitschen a. "Abzocker-Modelle" aufgbaut sind, zumindest im Verlauf d. Aktienlebens , kristallisiert, stellt sich am Ende d. Tages offensichtlich heraus .! China ist weit weg......, Die "Macher" sind schnell , m.d. gesamten Kohle, untergetaucht , wo auch immer . Ein künstlicher China-Hyp im Small-Cap-Bereich .. ------Äußerste Vorsicht-----------! diese Message ist wertneutral .!

Kommentar von "Hans Pansen" am 07.07.2014, 17:47 Uhr

Kann jemand ein Buch empfehlen, mit dem man sich dieses "elementare, charttechnische Grundwissen" aneignen kann?

Kommentar von "hktommy" am 07.07.2014, 16:19 Uhr

Nun ich bin Hongkonger, und Hongkong ist KEIN Teil Chinas! Weder historisch noch politisch und schon gar nicht mental. Ihre Darstellung ist ein Paradebeispiel für die Ignoranz und Unwissenheit westlicher Medien. Die Assozierung Hongkongs mit chinesischen Verbrechern ist eine Beileidigung für alle Hongkonger. Statt Erfuellungsgehilfe für kommunistische Propaganda zu spielen haetten Sie auch ein Bild von Shanghai oder Shenzen nehmen können. Da sind die Chinesen naemlich primaer notiert. Noch besser waere, Sie nehmen ein Bild von Frankfurt, da sind auch Chinesen auch Co-notiert und haben in Deutschland im Gegensatz zu uns tatsaechlich ein "operatives Geschaeft". Und nun haben sie die Freundlichkeit dieses Bild zu entfernen und wenn Sie schon dabei sind dann auch aus dem Beitrag "Chinas "neue Normalität" bald ein alter Hut?". Auch in Zukunft unterlassen Sie es bitte uns mit irgendwelchen auslaendlischen Kriminellen in einen Topf zu werfen.

Kommentar von "boerse.ARD.de" am 07.07.2014, 15:12 Uhr

Hallo hktommy, aus unserer Sicht ist Hongkong durchaus ein Teil Chinas. Der Beitrag behandelt in Deutschland notierte Aktien chinesischer Unternehmen. Hierunter können sehr wohl Unternehmen mit operativem Geschäft in Hongkong gehören. Viele Grüße, Ihr Team von boerse.ARD.de

Kommentar von "hktommy" am 07.07.2014, 14:57 Uhr

Bitte entfernen Sie sofort das Bild Hongkongs aus diesem Chinabericht! Hongkong ist nicht China!

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