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Hochfrequenzhandel an der Frankfurter Börse

Hochfrequenzhandel kritisch gesehen

Bundesbank will Tempolimit

Stand: 24.10.2016, 14:27 Uhr

Nicht erklärbare Kursturbulenzen: Häufig gilt der moderne Hochfrequenzhandel als Verursacher. Die Bundesbank hat sich die Technologie in ihrem aktuellen Monatsbericht genauer angesehen. Ein Verbot fordern die Banker nicht, bessere Regeln schon.

Die Bundesbank will den umstrittenen Hochfrequenzhandel stärker regulieren. Es gebe Anzeichen dafür, dass er Trends in turbulenten Zeiten verstärke, heißt es in dem heute veröffentlichten Monatsbericht der Notenbanker in Frankfurt. Einige Hochfrequenzhändler seien in kritischen Zeiten besonders aktiv und trieben den Markt damit in eine bestimmte Richtung.

Wozu Turbohändler?

Andere "Turbohändler", die in ruhigen Zeiten den Markt mit hohen Umsätzen belebten, zögen sich hingegen zurück. Damit fielen sie als stabilisierender Faktor in kritischen Momenten aus. Damit zieht die Bundesbank ein wichtiges Argument der Branche in Zweifel, wonach "Turbohändler" die Märkte immer mit genügend Liquidität versorgten, um damit auch anderen die schnelle Ausführung von Aufträgen zu fairen Kursen zu erlauben.

Die Bundesbank argumentiert differenziert: Ein pauschales Urteil zu den Auswirkungen sei nicht angemessen, betonten die Experten. So leisteten Hochfrequenzhändler in einem ruhigen Marktumfeld einen bedeutenden Beitrag dazu, dass die Märkte liefen. Für die Studie analysierten Forscher Millionen Daten aus zwei Handelswochen an der Terminbörse Eurex im Jahr 2014. Hier können Sie die Studie nachlesen.

Bundesbank will ein Tempolimit

Die Bundesbank schlägt unter anderem vor, statt eines stetigen Handels eine Abfolge von Auktionen einzurichten. Handelsaufträge würden gebündelt und dann in kurzer Abfolge über eine Auktion ausgeführt. Der Geschwindigkeitsvorteil von Hochfrequenzhändlern soll so verringert werden.

Zudem könnte eine kleine Zeitverzögerung bei Ausführung der Aufträge aller Börsenakteure eingeführt werden. In den USA ist das bereits der Fall. Dort verzögert beispielsweise die elektronische Handelsplattform IEX seit dem Frühjahr den Aktienhandel an der Wall Street um 350 Mikrosekunden.   

Im Hochfrequenzhandel wird versucht, in Bruchteilen von Sekunden möglichst viele Geschäfte abzuschließen und daraus Vorteile zu ziehen. Das Modell steht nach einigen nicht erklärbaren Kursturbulenzen in der Vergangenheit in der Kritik. Rund die Hälfte des Gesamthandels in den wichtigsten Börsensegmenten wird inzwischen diesem "Turbohandel" zugeschrieben.

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