Anlegerschutz

Smartphone mit Chart liegt auf Unterlagen

EU-Vorstoß Brauchen wir noch Quartalsberichte?

von Notker Blechner

Stand: 07.10.2014, 16:22 Uhr

Ab Mittwoch beginnt die neue Berichtssaison. Dann versenden die Unternehmen wieder mehrseitige Quartalsberichte oder stellen sie ins Internet. Doch wer liest eigentlich noch solche riesigen Dokumente? Würden nicht ein paar Eckdaten reichen - wie im angelsächsischen Raum?

Was Porsche nicht geschafft hat, könnte nun der EU-Kommission gelingen. In ihrer Reform der Transparenz-Richtlinie 2013 hat sie den Quartalsbericht-Zwang für börsennotierte Unternehmen abgeschafft. Ab dem kommenden Jahr können börsennotierte Firmen an sich selbst bestimmen, ob sie zusammen mit ihren Quartalszahlen einen vollständigen Bericht liefern oder darauf verzichten. Verpflichtend wären nur noch Halbjahres- und Jahres-Berichte. Die Direktive soll 2015 in nationales Recht umgesetzt werden.

Deutsche Börse stimmt sich mit Emittenten ab

Können dann tatsächlich Dax- oder MDax-Firmen auf ihren Quartalsbericht verzichten? Bisher jedenfalls nicht. Schließlich sehen die Transparenzanforderungen des Prime Standard der Deutschen Börse Quartalsberichte bindend vor. Der Börsenbetreiber zeigt sich aber ungewohnt offen. "Wir prüfen derzeit in enger Abstimmung mit den Emittenten, ob es zu Änderungen bei der Quartalsberichts-Veröffentlichungspflicht kommt", erklärte ein Sprecher der Börse gegenüber boerse.ARD.de. Generell sei aber die Transparenz-Richtlinie eine Kann-Bestimmung, die keine bindende Wirkung für die Anforderungen der Börse habe.

Viele börsennotierte Firmen würden es begrüßen, freiwillig zu entscheiden, ob sie einen Quartalsbericht herausgeben oder nicht. Wenn ein Emittent auf einen Bericht lieber verzichten will, sollte man ihm die Möglichkeit dazu geben, ohne ihn (von einem Börsensegment) auszugrenzen, meint Otmar Winzig, IR-Chef von der Software AG. Gerade bei Geschäftsmodellen, die sich nicht Quartals-, sondern eher in Jahreszyklen bewegen, seien umfassende Berichte alle drei Monate nicht zielgerecht. Er glaubt nicht, dass es der Transparenz hilft, in kurzen Zeitabständen ein umfangreiches Zahlenwerk zu veröffentlichen. Analysten würden zur Information meist die vorläufigen Ergebniseckdaten und die Telefonkonferenz genügen.

Ruf nach abgespeckter Version

Als weiteres Argument nennen die Firmen die hohen Kosten für Quartalsberichte. "Der Reporting-Aufwand stellt gerade für kleinere Unternehmen eine große Belastung dar", sagt Ralf Frank, Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DFVA). In einer jüngsten Umfrage des DVFA und des Deutschen Investor-Relationskreises (DIRK) hielt die Hälfte aller Firmen die Berichte für zu umfangreich. Eine abgespeckte Version würde ausreichen.  Die Berichte ließen sich auf wenigen Seiten mit relevanten Informationen konzentrieren.                                                                                            

Wie eine solche abgespeckte Version aussehen könnte, untersuchen derzeit der DVFA und der DIRK. "Wir arbeiten daran", erklärte DIRK-Geschäftsführer Kay Bommer gegenüber boerse.ARD.de. "Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler", sagt Bommer. Ein abgespecktes Quartals-Reporting würde nicht nur den Weg freimachen für eine längerfristige, am Geschäftsmodell der Emittenten orientierte Perspektive, sondern auch zu einer Harmonisierung der Quartalsberichterstattung innerhalb der EU führen.

Interim Statement als Vorbild?

Vorbild könnte das Interim Statement im angelsächsischen Raum sein. Dort werden die Quartale in Kurzfassung mit den wichtigsten Eckdaten veröffentlicht. "Das Format der Interim Statements hat sich bewährt", meint der DVFA.

Ganz verzichten auf Quartalsberichte möchten die meisten Firmen nicht. Das würde zu einem Intransparenz-Abschlag führen, warnt der DFVA. Nur fünf Prozent der von DFVA und DIRK befragten Firmen hielten die Berichte für überflüssig oder schädlich. Sie würden Investoren zu unnötigen Umschichtungen im Portfolio verleiten und einer langfristigen Orientierung im Weg stehen.

Aktionärsschützer gegen Abschaffung von Quartalsberichten

Solche Argumente können die Anlegerschützer nicht nachvollziehen. "Die Quartalsberichte haben sich in Deutschland bei den Anlegern etabliert", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Anleger wollten alle drei Monate wissen, wie die aktuelle Geschäftslage aussehe und wie die weitere Entwicklung im Jahr eingeschätzt werde. "Sonst befinden sie sich im Blindflug." Natürlich seien 50-seitige Dokumente nicht nötig. Die Firmen könnten durchaus ihre Berichte auf Zahlen mit ein paar Erklärungen beschränken. Eine gänzliche Abschaffung der Quartalsberichte würden die Anlegerschützer nicht hinnehmen. Dann "werden die Firmen den Druck von den Investoren und auch von der DSW spüren", warnt Kurz.

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