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Anlegerschutz

"Börsenguru" vor Gericht

Frick schweigt

Stand: 24.10.2013, 13:31 Uhr

Der Prozess gegen Markus Frick, den einstigen TV-Moderator, Buchautor und "Börsenguru", hat begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft Frick wieder einmal Marktmanipulation vor.

"So macht Geld glücklich", heißt der Titel eines Lebensratgebers von Markus Frick aus dem Jahr 2004. "Lesen Sie dieses Buch und Ihr Glück wird sich nicht mehr verhindern lassen", heißt es dazu in der Kurzbeschreibung beim Versandhändler Amazon. Das Besondere: "Strategische Finanz- und Lebensplanung in einem." Als Taschenbuch lässt sich das Werk bei verschiedenen Anbietern derzeit für fünf Cent erwerben.

Frick seit Januar in U-Haft

Um Kleingeld geht es beim heute beginnenden Prozess gegen den ehemaligen Börsenguru und TV-Moderator Frick vor dem Frankfurter Landgericht nicht. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Kurse der beworbenen Aktien Letsbuyit, Autev und Venatus manipuliert und seine Anhänger betrogen zu haben. In Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt und der Finanzaufsicht hat sie 30 Geschädigte für jedes Papier herausgefiltert.

Zusammen erlitten sie danach einen Schaden von 625.000 Euro. Zur Höhe des tatsächlichen Schadens äußerte sich Staatsanwalt Torsten Krach nicht. In dem Zeitraum seien die drei Aktien in einem Volumen von 21 Millionen Euro gehandelt worden.

Die Masche ist vermutlich so alt wie die Börse selbst: Gezielt soll der vermeintliche Experte in einem Börsenbrief wertlose Titel empfohlen haben, die seine Hintermänner dann zu weit überhöhten Preisen verkauften. Der gelernte Bäckermeister aus Sinsheim sitzt seit Januar in Untersuchungshaft. Mit ihm sind zwei mutmaßliche Komplizen angeklagt.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft

Konkret soll Frick in einem Börsenbrief von April bis Mai 2012 drei Aktientitel empfohlen haben, um ihren Kurs gezielt in die Höhe zu treiben. Seine Hintermänner hätten die von ihnen gehaltenen Papiere dann mit hohem Gewinn an der Börse verkauft. Frick habe seinen Anhängern dabei vorgemacht, dass der "Deutsche Aktiendienst" die empfohlenen Aktien für sein Musterdepot selbst im großen Umfang erwerben werde.

Für die kaum bekannten Nebenwerte wurden kurzfristige Kurssteigerungen von teils mehr als hundert Prozent versprochen. Für seine Dienste habe Frick zwei Millionen Euro erhalten, sagte Krach. Von dieser Summe habe er 300.000 Euro an den 43 Jahre alten Mitangeklagten weitergereicht, der dafür die Organisation übernommen habe. Die Texte habe Frick selbst verfasst.

Die Chance auf Bewährung vertan?

Da Frick nicht zum ersten Mal wegen Kursmanipulation vor Gericht steht, könnte dem einschlägig Vorbestraften im Fall einer Verurteilung diesmal eine Haftstrafe drohen. In einem früheren Prozess vor zwei Jahren vor dem Landgericht in Berlin war Frick mit 21 Monaten auf Bewährung davongekommen.

Das Landgericht hatte 2011 festgestellt, dass Frick zwischen September 2005 und Juni 2007 in per E-Mail vertriebenen Börsenbriefen Aktien empfohlen hatte, ohne seine eigenen wirtschaftlichen Interessen an der Kursentwicklung dieser Wertpapiere offenzulegen. Es sei ihm darauf angekommen, dass die empfohlenen Wertpapiere aufgrund seiner Empfehlungen im Kurs steigen, um sie dann gewinnbringend veräußern zu können. In der Folge sei es auch zu entsprechenden Verkäufen gekommen.

Was ist Marktmanipulation?

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) analysiert die Transaktionen an den Finanzmärkten, um Marktmanipulationen auf die Spur zu kommen. Eine Legaldefinition findet sich in § 20a Wertpapierhandelsgesetz (WpHG): Verboten sind falsche Informationen zu bewertungserheblichen Umständen, etwa dem Ertrag einer Gesellschaft. Aber auch wer veröffentlichungspflichtige Informationen zurückhält, die geeignet sind, auf den Börsen- oder Marktpreis eines Finanzinstrumentes einzuwirken, mache sich strafbar, schreibt die BaFin .

Unter Scalping versteht man Marktmanipulation durch Täuschungshandlungen, wenn diese geeignet sind, auf den Preis eines Finanzinstruments einzuwirken. Das ist der Fall, wenn ein Anlageberater Aktien kauft und sie anschließend nur darum zum Kauf empfiehlt, um den Kurs zu treiben und seine Anteile gewinnbringend wieder abzustoßen. (Quelle: BaFin)

Zehn Tage Verhandlung

Nach den Feststellungen des Gerichtes war es seinerzeit nicht erwiesen, dass dem Angeklagten dabei auch die Wertlosigkeit eines Teils der empfohlenen Wertpapiere tatsächlich bekannt war. Das Landgericht Berlin vermochte deshalb nicht auszuschließen, dass der Angeklagte selbst Opfer einer Täuschung durch die Gründer der Firmen geworden ist, deren Aktien er empfohlen hatte.

Das Frankfurter Gericht hat zum neuen Sachverhalt, der innerhalb der Bewährungsfrist liegt, zunächst zehn Verhandlungstage anberaumt und will mehr als 20 Zeugen hören.

ts/dpa

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