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Börse kurios: Wie ein Foto Furore machte

Stand: 16.03.2010, 16:25 Uhr

Das Web 2.0 macht es möglich. Ein Blick auf den "Firmensitz" der in Frankfurt gelisteten Gesellschaft AsiaPac Capital Services in Toronto genügte den Anlegern, um sich in Scharen zu verabschieden.

Die Eglinton Avenue in Kanadas Finanzmetropole Toronto dürfte wohl kaum zu den Stadtteilen gehören, in dem millionenschwere Beteiligungstransaktionen zwischen Shanghai und Katar ausgehandelt werden.

Das war aber genau der Eindruck, den die im Frankfurter Freiverkehr gelistete Firma AsiaPac Capital Services mit ihren zuletzt veröffentlichten Meldungen erwecken wollte. Danach schien unter der Adresse 557 Eglinton Avenue W ein großer Spieler zu residieren, an dem sich angeblich Investoren aus China und Katar beteiligen wollen - und bereit sind, hierfür einen hohen Preis von bis zu sechs Euro pro Aktie zu zahlen. Seit Anfang des Jahres hatten sich die selbst produzierten Unternehmensnachrichten der AsiaPac mit der WKN A0M6QP rapide gehäuft.

Offensichtlich hatten die Macher dieser Jubelmeldungen aber nicht mit den Segnungen des Web 2.0 gerechnet. Ein simple Suchanfrage über Googles Straßenansicht "Street View" wurde der Aktie, die zwischenzeitlich bis auf 2,83 Euro getrieben worden war, zum Verhängnis.

Das "Hauptquartier" ernüchtert die Investoren

Spätestens seit Anfang März hatten findige Anleger das Bild ins Netz gestellt und bei den Aktionären für blankes Entsetzen gesorgt. Unter der Adresse ist nämlich nur ein dürftiges schmales Häuschen zu sehen, das im Erdgeschoss einen Thai-Imbiss beherbergt und über dem in der Tat das vergilbte Firmenschild einer "AsiaPac Cargo" und eine speckige Fahne zu sehen sind. Wer einen glitzernden Büroturm mitten im Finanzdistrikt oder ein ähnlich imposantes Gebäude erwartet hatte, wurde bitter enttäuscht.

Aktie stürzt ins Bodenlose

Seitdem ist der Kurs ins Bodenlose gefallen. Mittlerweile ist Aktie zum Penny-Stock geworden. Am Dienstag ging der Ausverkauf mit Kursverlusten von bis zu 52 Prozent auf 0,12 Euro weiter. Ziemlich weit entfernt also vom zuletzt genannten Preis von sechs Euro, für die ein namentlich nicht genanntes Unternehmen in Katar angeblich bereit sei, 15 Prozent der Anteile an AsiaPac zu erwerben.

Aber es bleibt auch eine positive Erkenntnis: Die moderne Technik macht den vermeintlich großen Geschäftemachern das Flunkern künftig schwerer. Ob es der Gesellschaft jetzt noch etwas nützen wird, dass ab dem 1. April neue Räumlichkeiten bezogen werden sollen, darf bezweifelt werden.

rm/la

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