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Jahrelang falsche Bilanzen Bei Hess lief es schlimmer als befürchtet

Stand: 27.06.2013, 10:30 Uhr

Die Affäre um falsche Bilanzen beim Schwarzwälder Leuchtenhersteller Hess ist nach Darstellung des Insolvenzverwalters Volker Grub größer als bisher bekannt.

Laut Mitteilung vom Mittwoch berichtete Grub einer Gläubigerversammlung in Villingen-Schwenningen, "dass wegen falscher Bilanzierung die Bilanzen ab dem Jahre 2007 zu korrigieren sind". Bislang war im Zusammenhang mit der Hess-Insolvenz lediglich von falschen Bilanzen für die Jahre 2011 und 2012 die Rede.

Grub bezifferte den Korrekturbedarf für die Jahre 2007 bis 2012 auf Basis des Jahresüberschusses nach bisher von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bestätigten Zahlen auf mindestens 26,4 Millionen Euro. Allein für das Geschäftsjahr 2011 sei der Jahresüberschuss in Höhe von 10,3 Millionen Euro nach unten zu korrigieren.

Massiv überschuldet

Die im Insolvenzverfahren zu berücksichtigenden Verbindlichkeiten bezifferte Grub mit 104,9 Millionen Euro. Darin enthalten seien laut Mitteilung Schadensersatzansprüche der Aktionäre anlässlich des Börsenganges mit 35,65 Millionen Euro und der Minderheitsaktionärin HPE Pro Institutional Fund B.V. Amsterdam mit 14,0 Millionen Euro. Die ermittelten Vermögenswerte beliefen sich lediglich noch auf 32,75 Millionen Euro.

Die Überschuldung betrage folglich rund 72,1 Millionen Eurfo. Damit sei mit einer Quote von höchstens 16 Prozent zu rechnen. Mit der Fortführung des Betriebes im Insolvenzverfahren ist Insolvenzverwalter Grub indes zufrieden. Die Planzahlen würden erreicht. Die Einnahmen aus der Betriebsfortführung würden die daraus resultierenden Betriebsausgaben voll umfänglich abdecken.

boerse.ARD.de hatte gewarnt

Nach dem Bilanz-Manipulationsskandal hatte Hess Mitte Februar Insolvenzantrag gestellt. Die beiden Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler waren im Januar gefeuert worden. Sie stehen im Verdacht, vor dem Börsengang im Oktober 2012 die Bilanzen manipuliert zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Das Amtsgericht Villingen-Schwenningen hatte mit Wirkung zum 1. Mai 2013 das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Hess AG  eröffnet.

Hess war erst im Oktober 2012 an die Börse gegangen. boerse.ARD.de hatte bereits vor dem Börsengang der Hess AG kritisch über das Unternehmen berichtet und im Nachgang vor Zockereien mit der Hess-Aktie gewarnt.

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