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Anlegerschutz

Verbot von Bonitätsanleihen

Zu undurchsichtig und zu riskant

BaFin will Bonitätsanleihen verbieten

Stand: 26.08.2016, 13:47 Uhr

Der zahnlose Tiger BaFin zeigt plötzlich seine Krallen: Erstmals plant die Behörde, eine ganze Anlageklasse zu verbieten. So genannte Bonitätsanleihen sollen künftig nicht mehr an Privatanleger vertrieben werden. Die Derivate-Branche wehrt sich.

Über sechs Milliarden Euro haben Privatanleger in "Bonitätsanleihen" gesteckt. Doch möglicherweise wissen viele gar nicht, auf was sie sich da eingelassen haben. Das glaubt zumindest die BaFin.

Die Wertpapiere seien zu komplex, meint die Finanzaufsicht. Die Privatanleger könnten nicht bewerten, wie groß die Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung des Anlagebetrags sei und ob das Risiko angemessen vergütet werde. Auch den Begriff "Bonitätsanleihen" hält die BaFin für irreführend, da sie keine Anleihen seien.

Doppeltes Risiko

Bonitätsanleihen sind Zertifikate und wetten auf die Kreditwürdigkeit bestimmter Schuldner. Sie werden von einer Bank ausgeben. Sie bieten höhere Zinsen als klassische Anleihen. Die Höhe der Zinsen hängt von der Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz des Unternehmens ab. Da es mit der emittierenden Bank genau genommen zwei Schuldner gibt, tragen Anleger ein doppeltes Ausfallrisiko. Kommt es zur Insolvenz der Bank oder des Unternehmens, droht der Totalverlust.

"Strukturierte Produkte, die sich auf Kreditrisiken beziehen, können für institutionelle Investoren eine Anlagealternative sein; in die Hände von Privatkunden gehölren sie aus unserer Sicht aber nicht", meint BaFin-Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele. Zudem bestünde ein Interessenkonflikt, da die Banken zugleich Emittent der Bonitätsanleihen und Kreditgeber für das jeweilige Unternehmen sind.

Kleinanlegerschutzgesetz erlaubt Verbot

Die Finanzaufsicht will deshalb erstmals von ihrer Möglichkeit Gebrauch machen, ein ganzes Finanzprodukt zu verbieten. Das seit Juni 2015 geltende Kleinanlegerschutzgesetz erlaubt der BaFin unter dem Argument "kollektiver Verbraucherschutz" einen solches Vorgehen. Es wäre ein Präzedenzfall. Bisher hat die BaFin noch nie ein Finanzprodukt untersagt.

Noch ist das Verbot aber nicht endgültig beschlossen. Bis Ende der kommenden Woche können die Betroffenen – Banken, Verbände und Verbraucherschützer – ihre Stellungnahmen abgeben. Am 2. September findet eine Anhörung statt. Danach wird die BaFin entscheiden, ob sie den Vertrieb von neuen Bonitätsanleihen sperrt oder nicht.

DDV gegen Verbot

Die Derivate-Branche läuft Sturm gegen die Pläne der Finanzaufsicht. "Ein Produktverbot sollte grundsätzlich immer das letzte Mittel sein", meint Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate-Verbands (DDV). Im Verband glaubt man, die BaFin wolle an der ungeliebten Branche ein Exempel statuieren. Mehrere Juristen arbeiten offenbar schon an Klagen gegen das Verbot.

Besonders betroffen von einem Aus der Bonitätsanleihen wären die Landes- und die Genossenschaftsbanken. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die Deka Bank und die DZ Bank dominieren den Markt und haben zusammen fast 84 Prozent Marktanteil.

Verbraucher- und Anlegerschützer uneinig

Selbst bei Anlegerschützern ist das Vorgehen der BaFin umstritten. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) lehnt ein Verbot ab. Es werde die Tür zu einer renditeträchtigen Anlage zugeschlagen, moniert ein Sprecher des DSW. Die Verbraucherschützer dagegen begrüßen die Pläne der BaFin. Zwar habe es bisher keine großen Ausfälle mit solchen Papieren gegeben, das Risiko sei aber virulent, heißt es von der Verbraucherzentrale Bremen. Das zeige der Fall Lehman Brothers, als viele Zertifikate-Besitzer mit der Pleite der US-Investmentbank ihr Geld verloren.

nb

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