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Anlegerschutz

Ex-Wölbern-Chef Heinrich Maria Schulte

147 Millionen Euro veruntreut

Acht Jahre für Ex-Wölbern-Chef

Stand: 20.04.2015, 16:23 Uhr

Harte Landung nach langem Höhenflug: Der ehemalige Chef des Emissionshauses Wölbern Invest bleibt noch eine Weile hinter Gittern. Laut dem Urteil des Hamburger Landgerichts hat Heinrich Maria Schulte Millionen Euro veruntreut und Tausende Anleger geschädigt.

Achteinhalb Jahre Haft, so lautet das Urteil des Hamburger Landgerichts. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der ehemalige Chef des Fondshauses Wölbern Invest Anlegergelder in Höhe von mehr als 147 Millionen Euro veruntreut hat.

Fondsgelder großzügig umgeleitet

Schulte scheint in den vergangenen Jahren ein Schneeballsystem aufgebaut zu haben, bei dem fehlende Gelder in den verschiedenen geschlossenen Immobilienfonds von Wölbern Invest durch frische Einlagen neuer Fondskäufer "gestopft" wurden. So konnte es lange - nämlich von August 2011 bis September 2013 gutgehen, dass Schulte gewaltige Beträge einfach abzog und für private Zwecke umleitete. "Er verfügte über Fondsgelder so, als wenn sie ihm gehörten", so der Vorsitzende Richter Peter Rühle in der Urteilsbegründung.

Laut dem Gericht hat Schulte 50 Millionen Euro "privat vereinnahmt" haben, der Rest sei in Gesellschaften umgeleitet worden, an denen Schulte selbst beteiligt war oder die er geleitet habe. Schulte, der im Hauptberuf Arzt und Unternehmer ist und die Wölbern Bank 2006 übernommen hatte, habe mit den Mittel seine "aufwendige Lebensführung" finanziert, zu der eine Jacht und teure Reisen sowie sein Haus im noblen Hamburger Westen gehört. Kritiker seiner Methoden in der internen Buchhaltung des Emissionshauses habe Schulte "kaltgestellt".

Fonds zum Teil gerettet, Wölbern in der Abwicklung

Die Zahl der geschädigten Anleger wird auf 35.000 geschätzt. In die Immobilienfonds von Wölbern Invest waren etwa 1,1 Milliarden Euro investiert. Einige davon waren offenbar nicht zu retten und mussten endgültig geschlossen werden. Eine weitere Anzahl von Wölbern-Fonds wurde von der Hamburger Paribus-Gruppe treuhänderisch übernommen. Das Bankaus Wölbern selbst befindet sich in der Abwicklung.

Heinrich Maria Schulte selbst ist seit September 2013 in Untersuchungshaft. Seine Verteidiger haben Revision beim Bundesgerichtshof angekündigt.

AB

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