Mann mit Aktenkoffer stürzt in Dollarscheine

Indexfonds gegen Hedgefonds Wette gewonnen

Stand: 05.05.2017, 13:59 Uhr

Es geht um eine Million Dollar. Der milliardenschwere Investor Warren Buffett hat mit einem Hedgefonds gewettet, dass ein Indexfonds auf den S&P 500 über einen Zeitraum von zehn Jahren besser abschneiden werde als aktiv gemanagte Fonds, für die Anleger hohe Gebühren zahlen müssen.

Gewettet hat Warren Buffett gegen den Hedgefonds Protégé Partners. Der hat fünf Dach-Hedgefonds angelegt, die nicht direkt in Wertpapiere investierten, sondern ausschließlich in andere Fonds. Zudem streuten die fünf ausgewählten Dachfonds ihre Anlagen über mehr als 100 einzelne Anleihe- und Aktienfonds, um möglichst kein Klumpenrisiko einzugehen und von allen Wachstumsmärkten zu profitieren.

S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum 5 Jahre
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Jetzt, ein Jahr vor dem Ende der Wette, deren Gewinn einer wohltätigen Organisation zugute kommen wird, steht der Gewinner bereits fest: Es ist der Indexfonds. Der erreichte in den vergangenen neun Jahren einen durchschnittlichen Jahresgewinn von 7,1 Prozent, während die Dach-Hedgefonds nur auf 2,2 Prozent kamen. Wer also vor neun Jahren eine Million Dollar in die Dachfonds gesteckt hätte, wäre heute um 220.000 Dollar reicher. Anleger des Indexfonds hätten im gleichen Zeitraum 854.000 Dollar verdient und ihren Einsatz damit fast verdoppelt.

Gebühren und Provisionen

Die Differenz erklärt sich hauptsächlich durch die unterschiedlichen Gebühren. So kostete der von Buffett empfohlene Indexfonds lediglich 0,05 Prozent im Jahr, während die Hedgefonds zwei Prozent berechnen - und 20 Prozent der erzielten Gewinne, gemäß der in der Branche als "2 und 20“ bekannten Regel. Hinzu kommt: Die Dachfonds verlangen meist ein weiteres Prozent der angelegten Summe als Gebühr. Eine Art Reichtums-Garantie hat also, wenn überhaupt, derjenige, der einen Hedgefonds gründet.

Kein Wunder also, dass die Hedgefonds in den vergangenen Jahren immer mehr Kunden und verwaltete Gelder verloren haben. Warren Buffett wettert seit Jahren gegen das Geschäftsmodell der aktiv gemanagten Fonds sowie der Dachfonds-Konstruktionen. "Ich schätze, dass über den Zeitraum von neun Jahren ungefähr 60 Prozent aller von den fünf Dachfonds erzielten Gewinne in die zwei Management-Ebenen umgeleitet wurden“, schrieb der Milliardär in seinem letzten Brief an die Aktionäre seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway.

Was ist ein Hedgefonds?

Hedgefonds sind Investmentfonds, die bezüglich ihrer Anlagestrategie keinerlei gesetzlichen oder sonstigen Beschränkungen unterliegen. Deshalb können die Fondsmanager mit einer Vielfalt von Methoden agieren: Dem Kauf und Verkauf von Anleihen, Aktien und Rohstoffen bis zum Handel mit Derivaten. Die Manager tätigen auch Leerverkäufe oder kaufen Wertpapiere auf Kredit, um von Hebelwirkungen zu profitieren. Sie gelten bei einigen Marktexperten wegen ihrer Intransparenz und der riskanten Strategien als ein Risikofaktor für die Stabilität des Finanzsystems.

100 Milliarden Dollar verschwendet

Umgekehrt gibt es wohl nur wenige Anlageberater, die ihren Kunden empfehlen, in einen Indexfonds zu investieren, der den S&P 500 nachbildet. Das wäre ja auch beruflicher Selbstmord, so Buffett. Für etliche Pensionskassen hatte die Gier der Fondsmanager bereits drastische Folgen, weil sie mit zu der schwachen Rendite beitrug. Buffett glaubt, dass "Finanzeliten“ – also vermögende Privatanleger, Pensionsfonds oder große Stiftungen – auf der Suche nach guten Anlageberatern im vergangenen Jahrzehnt, konservativ geschätzt 100 Milliarden Dollar verschwendet haben. Privat- und Großanleger seien also gut beraten, auf die "Dienste" von Fondsmanagern zu verzichten.

lg