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Vorsorge

Interview

"Staatsfonds könnte sehr kosteneffizient sein"

Stand: 25.01.2016, 15:03 Uhr

Mehr Transparenz, mehr Mitbestimmung, mehr Rendite und deutlich weniger Kosten verspricht sich Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg von einem staatlich geführten Renten-Fonds. Funktionierende Vorbilder dafür sieht er auch.

boerse.ARD.de: Herr Nauhauser, Sie plädieren schon lange für einen "Vorsorgefonds", also einen Fonds, bei dem der Staat einen Teil die Altersvorsorge der Bundesbürger am Kapitalmarkt "managt". Warum?

Niels Nauhauser: Wir haben in der Tat bereits 2011 ein solches Konzept vorgelegt. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass die staatlich gewollte und mit Steuermitteln geförderte Kapitalbildung zur Altersvorsorge sich nicht am Bedarf der Verbraucher ausrichtet.

boerse.ARD.de: Sie spielen auf die Riester- und Rürup-Rente an, dienen die nicht auch dem Interesse der Vorsorgesparer?

Nauhauser: Nein. Diese Konstruktionen waren ein Geschenk an die Finanz- und Vermittlerlobby. Die Förderung zahlen wir uns doch aus eigener Tasche, schließlich wird hier Steuergeld verteilt. Der Staat hoffte so, Altersarmut vorzubeugen, aber so langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass dies nicht gelingt. Verbraucherinteressen scheinen bei beiden privaten Vorsorgesystemen keine Rolle zu spielen, gefördert werden auch schlechte und überteuerte Produkte.

boerse.ARD.de: Und das könnte bei einem staatlich gelenkten Vorsorgefonds anders aussehen?

Nauhauser: Von einer staatlichen Lenkung sollten wir Abstand nehmen. Der Staat muss sich da raushalten, er kann nur die Rahmenbedingungen schaffen. Der Vorsorgefonds ist ausschließlich für die Sparer da. Für politische Ziele muss, kann und wird der Staat wie bislang auch auf Steuermittel zugreifen.

boerse.ARD.de: Der Staat also als eine Art Hedgefonds-Manager in Sachen Altersvorsorge?

Nauhauser: Das Gegenteil wäre der Fall. Das Geld wird damit dem Karussell der wilden Spekulation entzogen und solide nach wissenschaftlich fundierten Kriterien angelegt. Wie das geht, ist längst bekannt. Für die Umsetzung braucht man natürlich Profis. Deren Rolle ist aber auf die Umsetzung der Vorgaben beschränkt. Die Kosten dafür sind aber durch eine öffentliche Ausschreibung auf ein Minimum beschränkt.

boerse.ARD.de: Gibt es Vorbilder für einen staatlich gelenkten Fonds, der am Kapitalmarkt agiert?

Nauhauser: Ja, die gibt es. In Schweden beispielsweise managt ein solcher Fonds Beitragseinnahmen seit Jahren erfolgreich. Die Gesamtkosten liegen hier im Aktienbereich zum Beispiel nur bei rund 0,15 Prozent jährlich. Verbraucher können selbst entscheiden, wie sicher das Geld angelegt werden soll. In Norwegen gibt es einen ebenfalls solide anlegenden Staatsfonds, der Hintergrund ist aber ein anderer: Hier werden die versiegenden Erdöleinnahmen für künftige Generationen angelegt.

boerse.ARD.de: Steht nicht ein Staatsfonds vor ähnlichen Problemen wie ein normales Fondsmanagement? Worin soll man in der Niedrigzinsphase noch investieren? Soll der deutsche Rentenfonds etwa Bundesanleihen kaufen?

Nauhauser: Völlig richtig, der Kapitalmarkt ist derselbe. Ein Staatsfonds kann aber zwei Vorteile ausspielen: Erstens die Geldanlage nach wissenschaftlich abgesicherten Prinzipien, also keine Zockerei, kein wildes Trading. Zweitens: Von den Erträgen der Kapitalmärkte bleibt wegen viel niedrigerer Kosten mehr für den Anleger übrig.

boerse.ARD.de: Mit gewaltigen Rentenfonds in staatlicher Hand entstehen ganz neue Akteure am Kapitalmarkt. Können sie nicht Börsenbewegungen verstärken, etwa wenn einmal größere Verkäufe getätigt werden müssen?

Nauhauser: Das weltweite Vermögen konzentriert sich schon jetzt in den Händen weniger Akteure. Was machen eigentlich Vermögensverwalter wie Blackrock, die Deutsche Bank oder auch die Allianz mit dieser Macht? Ein staatlicher Fonds könnte dem neue Maßstäbe an Transparenz und Bedarfsgerechtheit entgegensetzen. Die Börsenbewegungen, die private Akteure der Finanzlobby aus eigenem Interesse heute schon auslösen, würden mit einem Staatsfonds doch reduziert! Schließlich verfolgt der Fonds ausschließlich die Interessen der Sparer. Aus diesem Grund lehnt die Finanzlobby eine solche Idee auch so vehement ab.

Das Gespräch führte Andreas Braun.

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