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Vorsorge

Ein älterer Mann rechnet

Rendite kommt nur noch vom Staat

Riester in Zeiten der Niedrigzinsen

Stand: 06.03.2015, 16:19 Uhr

Die Dauerflaute an der Zinsfront trifft auch Riester-Sparer. Die Verzinsung von Versicherungen sinkt weiter, auch per Riester besparte Rentenfonds und Banksparpläne sind weniger rentierlich. Aber weiterhin locken die staatlichen Zulagen.

Der Garantiezins für neu abgeschlossene Versicherungsverträge ist im neuen Jahr weiter gesunken, auf 1,25 Prozent nach 1,75 Prozent im Jahr 2014. Angesichts des jahrelangen Tiefflugs des Zinsniveaus in Deutschland und Europa kein Wunder. Selbst wenn bei vielen Versicherungen zu diesem Garantiezins noch Überschussbeteiligungen gezahlt werden, sind das magere Renditeaussichten.

Elf Millionen Riester-Sparer setzen auf Versicherungen

Das trifft auch Riester-Sparer, die jetzt einen Vertrag zur staatlichen geförderten privaten Altersvorsorge abschließen wollen und – wie die Mehrheit der Riester-Sparer – auf eine Versicherungslösung setzen. Von den bestehenden 16 Millionen Riester-Verträgen basieren knapp elf Millionen auf einem klassischen Rentenversicherungsvertrag.

Von Neuabschlüssen mit der Versicherungsvariante raten Experten grundsätzlich nicht ab. Die Stiftung Warentest etwa rät allerdings vor allem älteren Riester-Willigen eher zu anderen Riester-Formen. Denn neben der derzeit eher kärglichen Verzinsung belasten Versicherungen ihre Kunden vor allem in den Anfangsjahren mit den Abschluss- und Vertriebskosten, die etwa fünf Prozent der gesamten Beiträge ausmachen.

Hoffnung auf ein höheres Zinsniveau

Die Kosten, die bei Versicherungslösungen anfallen, dürften in Zeiten niedriger Verzinsungen gerade bei neu abgeschlossenen Verträgen die effektive Rendite in Richtung null drücken. Die Ratingagentur Assekurata hat ausgerechnet, dass von der Garantieverzinsung nach Kosten bei 54 untersuchten Lebensversicherern noch 0,42 Prozent an Rendite übrigbleiben. Das dürfte in etwa auch auf aktuelle Angebote für Riester-Sparer zutreffen. Neustarter in Sachen Riester können allenfalls darauf hoffen, dass sich das Zinsniveau auf lange Sicht wieder deutlich nach oben verändert. Dann werden die Überschüsse bei den Anbietern auch wieder einmal steigen.

Besser stehen die Renditeerwartungen freilich für Riester-Sparer, die in den vergangenen Jahren bei höheren Garantiezinsen ihren Vertrag gestartet haben.

Fondsriestern mit Rentenproblem

Bei Riester-Verträgen, die auf Investmentfonds-Sparplänen basieren, immerhin sind das rund drei Millionen, stellen sich die Renditechancen in der Niedrigzinsphase anders dar. Vor allem Aktienfonds im Portfolio bescherten den Anlegern dank der Börseneuphorie der vergangenen Jahre üppige Gewinne.

Entscheidend dürfte für die Vorsorge-Sparer per Riester aber sein, wann die Umschichtung der Aktienanteile in "sichere" Anlagen wie Renten- oder Geldmarktfonds vonstatten geht. Bei allen Anbietern geschieht dies sukzessive einige Jahre vor dem vermutlichen Rentenantritt.

Ob gerade Rentenfonds allerdings in dieser Schlussphase einer Riester-Karriere die beste Wahl sind, wird sich noch zeigen. Spiegelbildlich zu den fallenden Renditen im Anleihemarkt sind die Kurse der festverzinslichen Papiere in den Fonds dramatisch gestiegen. Experten wie Dachfonds-Manager Eckhard Sauren sehen besonders bei Staatsanleihen in den kommenden Jahren auch deshalb nur noch die Chance auf Mini-Renditen. Auch dem Riester-Fondssparer, der einige Jahre vor dem Rentenantritt steht, könnte damit eine faktische Nullrendite-Phase bevorstehen.

Bankspar-Pläne vor der Zins-Null

Nullrendite, das ist für Riester-Rentner in spe mit einem Banksparplan schon jetzt Realität. Die meisten Anbieter dieser Variante nutzen die Umlaufrendite als Orientierung für die Verzinsung ihrer Sparpläne und kassieren dabei einen Abschlag von zumeist 0,5 Prozentpunkte darauf. Bei einer Umlaufrendite von derzeit nur wenig mehr als 0,3 Prozent würde das eigentlich sogar auf eine Negativverzinsung hinauslaufen. Dies wird allerdings in der Praxis nicht angewendet. Die Mainzer Volksbank MVB wirbt fast schon selbstironisch zurzeit mit einer "attraktiven Verzinsung" von 0,05 Prozent. Wenig zu holen also für renditehungrige Riestersparer.

Zulagen und Steuervorteile als Renditeturbo

Warum selbst Verbraucherschützer die Riester-Rente vielfach dennoch für eine sinnvolle Form der Altersvorsorge halten, liegt vor allem an der staatlichen Förderung. Das unabhängige IVFP-Institut (für Vorsorge und Finanzplanung) sieht kaum Szenarien, in denen Riester unter Renditegesichtspunkten gar keinen Sinn macht. Die Grundzulage von 154 Euro pro Sparer zuzüglich der Kinderzulage von inzwischen 300 Euro (ab Geburtsjahr 2008) lässt die Förderquote gerade bei mittleren Einkommensbeziehern mit Kindern leicht auf 50 Prozent oder sogar darüber steigen.

Nach dem IVFP-Szenario, entnommen einer Studie vom vergangenen Jahr, erreicht etwa eine 40-jährige Angestellte mit einem Jahresbrutto von 30.000 Euro und einem Kleinkind eine Rendite von über vier Prozent per Riester. Beim Ehepaar mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 50.000 Euro läge sie sogar bei rund 8,7 Prozent.

Besserverdiener sparen Steuer, Geringverdiener müssen anrechnen lassen

Deutlich geringer fällt die Rendite bei besser verdienenden, oder/und kinderlosen Riester-Sparern aus. Sie kommen aber in jedem Fall in den Genuss der Steuervorteile – denn die gezahlten Beiträge können als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Geringverdiener, deren Alterseinkünfte voraussichtlich nicht das Grundsicherungsniveau (derzeit ca. 700 Euro) erreichen werden, haben allerdings gar nichts von ihrer Riesterrente – denn diese wird bei der Berechnung der staatlichen Grundsicherung angerechnet.   

AB

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