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Rentnerfiguren vor Eurostapeln

DAI, Deka, Metzler, Union

Mehr Aktien wagen

Stand: 06.12.2016, 11:54 Uhr

Das Thema Altersvorsorge treibt die Menschen um. Doch wie sollte man vorsorgen? Eine Studie zeigt eindeutig: Aktien müssen ein viel größeres Gewicht erhalten.

Die Zahlen der Studie "Lebensstandard im Alter sichern - Rentenlücke mit Aktien schließen" sind alarmierend: Das Rentenniveau durch die gesetzliche Rentenversicherung wird netto vor Steuern von 51,6 Prozent im Jahr 2010 auf 41,2 Prozent im Jahr 2060 fallen. Die Rentenlücke wird größer.

Diese Entwicklung ist umso bedauerlicher, als sich die Deutschen besonders stark auf die gesetzliche Rente verlassen. "Insgesamt 75 Prozent der Brutto-Standardrente werden aus diesen Mitteln gespeist. Mit 25 Prozent aus anderen Quellen liegt Deutschland im Vergleich zu anderen Industrienationen auf den hintersten Rängen", haben die Initiatoren der Studie, das Deutsche Aktieninstitut (DAI) und die Finanzdienstleister Deka, Metzler und Union errechnet.

Bei der gesetzlichen Rente spielen Aktien gar keine Rolle, denn die Renten werden im Zuge des Umlageverfahrens aus den laufenden Beiträgen bezahlt. Selbst bei deutschen Pensionsfonds, die mehr Freiheiten haben, liegt der Aktienanteil gerade einmal bei vier Prozent. Im Vergleich dazu beträgt der Aktienanteil in den USA und Australien 49 Prozent.

Aktien schlagen langfristig alles

Bei der Wertentwicklung sind Aktien über jeden Zweifel erhaben. "Von 1900 bis 2014 ist der Wert der Aktien deutscher Unternehmen um den Faktor 38 gestiegen - wohlgemerkt in Preisen des Jahres 1900, also ohne Einbeziehung von Preissteigerungen", wurde im Rahmen der Studie festgestellt. Dies entspricht einer realen Durchschnittsrendite von 3,2 Prozent jährlich. Für ein weltweit diversifiziertes Aktienportfolio hat die Studie den Faktor 325 beziehungsweise eine Rendite von 5,2 Prozent pro Jahr errechnet.

Auch die Risiken sind langfristig überschaubar. Zwar erwirtschaften bei einem Anlagezeitraum von einem Jahr lediglich 70 Prozent der Sparpläne einen positiven Ertrag. Bei fünf Jahren sind es immerhin schon 84 Prozent der Sparpläne. Noch positiver fallen demnach die Ergebnisse bei Anlagezeiträumen von 20 und mehr Jahren aus. In der historischen Betrachtung gab es ausschließlich Gewinne; alle Sparpläne auf den Dax hatten eine positive Rendite.

Sparplan auf den Dax 30

Sparplan auf den Dax 30 - Anlagehorizont in Jahren. | Bildquelle: Deka, DAI, Metzler, Union Investment, Grafik: boerse.ARD.de

Aktien vor Anleihen

ARD-Börsenstudio: Dieter Reeg

ARD-Börse: Mit Aktien "Lebensstandard im Alter sichern"

Anleihen sind im Vergleich dazu keine Alternative. "Bei 30 Jahren beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass die Rendite eines Aktiensparplans vor der Rendite eines Rentensparplans liegt, 98 Prozent", so die Studie. Bei 20 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Aktien Anleihen schlagen, bei 81 Prozent.

Und die höheren Renditen von Aktien können zukünftige Rentner gut gebrauchen. Bei einer jährlichen Sparrate von drei Prozent des Bruttojahreseinkommens braucht ein Beispielrentner eine Rendite von 4,3 Prozent pro Jahr, um beim Renteneintritt in 2060 und einem Rentenbezug bis zu seinem Tod im Jahr 2080 die Rentenlücke zu schließen. Frauen benötigen demnach sogar 4,6 Prozent pro Jahr, da sie eine höhere Lebenserwartung haben.

Die Studie sieht die Politik in der Pflicht: "Wichtig ist dabei, die langfristigen Renditechancen von Aktien in den Fokus zu rücken. Die öffentlichkeitswirksame Unterstützung der Politik ist notwendig, um breiten Bevölkerungsschichten die Scheu vor der langfristigen Aktienanlage zu nehmen und u.a. auf Beitragsgarantien bzw. Mindestverzinsungen zugunsten einer höheren Aktienquote zu verzichten."

ME

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