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Weiter abwärts mit der Gewinnbeteiligung

Lebensversicherung 2016 - erwarten Sie nicht zu viel

Stand: 29.12.2015, 13:38 Uhr

Die anhaltend niedrigen Zinsen drücken die Gewinnbeteiligung der Versicherten. Wer schlägt sich in diesem Umfeld am besten, wer hinkt hinterher? Ein Vergleich lohnt sich.

Ein traditioneller Anhaltspunkt, wohin sich die ganze Branche bewegt, ist die von Platzhirsch Allianz prognostizierte Höhe der laufenden Verzinsung auf die Lebensversicherungsverträge im kommenden Jahr. So auch dieses Mal.

2016 können sich die Lebensversicherungskunden des größten deutschen Anbieters auf eine Rendite von 3,1 Prozent einstellen, nach 3,4 Prozent im Vorjahr. Dies gab die Allianz Anfang Dezember bekannt. Die Gesellschaft gilt als Marktführer, der die Richtung für den deutschen Markt vorgibt und dem sich die anderen in aller Regel anschließen.

Zinstendenz rückläufig

Die Tendenz bei der Gesamtrendite der Versicherungsnehmer, im Fachjargon Gesamtverzinsung genannt, ist also weiter rückläufig - so wie dies schon seit Jahren beim immer noch populärsten Altersvorsorgeprodukt der Deutschen der Fall ist. War 2015 im Schnitt noch eine Rendite von 3,15 Prozent auf klassische Kapitallebensversicherungen zu erreichen, dürfte diese im kommenden Jahr auf 2,9 bis 3,0 Prozent abrutschen.

Der Rückgang ist natürlich der Tatsache geschuldet, dass die Zinsen im Euroraum anhaltend niedrig sind und, glaubt man EZB-Präsident Mario Draghi, dies auf absehbare Zeit wohl auch so bleiben wird.

Viele Versicherer bieten daher keine klassischen Kapitallebensversicherungen mit Garantiezins, auch Mindestgarantie genannt, mehr an, sondern lassen diese offen. Die gegenwärtige Mindestgarantie von 1,25 Prozent sollte eigentlich ab dem kommenden Jahr wegfallen, allerdings hat das Bundesfinanzministerium mittlerweile einen Abschied vom Abschied verkündet. Bis 2018 wird es den Garantiezins zunächst doch weiter geben, allerdings soll im Laufe des kommenden Jahres seine Höhe geprüft werden. Tendenziell werden die Kapitalmarktrisiken künftig aber stärker auf die Schultern der Anleger verteilt. Dies führt für die Versicherten dann zu höheren Chancen, aber auch Risiken.

Überschussbeteiligung

Die Überschussbeteiligung stellt zusammen mit dem vom Gesetzgeber festgelegten Garantiezins eines Lebensversicherungsvertrages dessen Gesamtverzinsung dar. Die Überschussbeteiligung erhöht die zu Vertragsbeginn garantierte Versicherungssumme. Wie hoch die Überschussbeteiligung genau ausfallen wird, weiß man zu Beginn nicht. Der Garantiezins liegt derzeit bei 1,25 Prozent. Entgegen urspünglicher Pläne der Regierung bleibt er zumindest bis zum Jahr 2018 weiter erhalten.

Nur der Sparanteil wird verzinst

Was viele nicht wissen: Die Mindestverzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Prämie. Das ist der Teil, der nach Abzug der Kosten der Versicherungsgesellschaft und des Risikoschutzes noch für die Anlage zur Verfügung steht und bei rund Dreiviertel der gezahlten Prämie liegt. Effektiv ist die Verzinsung also deutlich niedriger. Bei der Allianz dürfte sie sich auf rund 2,4 Prozent belaufen - vor Steuern, versteht sich.

Leben vom Eingemachten

Dies ist allerdings immer noch deutlich mehr als die gegenwärtige Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe, die derzeit bei rund 0,6 Prozent liegt (natürlich ebenfalls vor Steuern) - und die im Fall steigender Zinsen mit sehr hohen Kursrisiken behaftet ist. Derzeit finanziert die Branche die Mindestverzinsungen über den gegenteiligen Effekt. Denn in den rund 90 Prozent der Kapitalanlagen, die immer noch in festverzinslichen Papieren angelegt sind, sind auch solche Papiere enthalten, die zu früheren Zeiten begeben wurden. Sie weisen noch höhere Kupons und Kursgewinne auf, die aber zum Laufzeitende abschmelzen, wenn die Papiere zurückgezahlt werden.

Lebensversicherungen können also durchaus mit einer tickenden Zeitbombe verglichen werden. Aktien sind für die meisten Gesellschaften trotzdem ganz offensichtlich keine Alternative, nur 3,5 Prozent der Anlagen sind in Dividendenpapieren angelegt. Dies trotz attraktiver Dividendenrenditen und angesichts der niedrigen Zinsen mit stattlichen Kursgewinnen in den vergangenen Jahren. Aber die Aufsicht stuft diese Papiere im Gegensatz zu Staatsanleihen als sehr viel risikoreicher ein und schreibt eine hohe Eigenkapitalunterlegung vor. Gesellschaften, die keine so dicke Kapitaldecke haben, können da nicht mithalten.

Trau, schau, wem

Wie die Tabelle zeigt, sind Vorhersagen zur Mindestrendite sowieso nicht in Stein gemeißelt und von Gesellschaft zu Gesellschaft sehr verschieden. Der Gesetzgeber schreibt nämlich neben der Mindestrendite lediglich vor, dass die Versicherten an den Erträgen, die die Gesellschaft an den Kapitalmärkten erzielt, beteiligt werden müssen.

Ausgewählte Gesamtverzinsungen 2016
Gesellschaft2016e20152014
Ideal3,70 %4,00 %4,00 %
Die Bayerische3,30 %3,60 %3,60 %
Europa3,25 %3,50 %3,75 %
AachenMünchener3,00 %3,25 %3,50%
Allianz3,10 %3,40 %3,60 %
AXA3,10 %3,40 %3,40 %
Continentale3,00 %3,25 %3,50 %
ERGO2,70 %2,70 %3,20 %
HUK Coburg3,00 %3,25 %3,50 %
R+V2,70 %3,00 %3,10 %
Gothaer2,50 %3,10 %3,30 %
Generali2,25 %3,00 %3,00 %
Swiss Life2,25 %3,00 %3,00 %
Quelle: cecu.de

Ansonsten haben die Gesellschaften so manchen Spielraum bei ihren Anlageentscheidungen, müssen sich dabei aber im Rahmen der Bilanzierungsvorschriften bewegen. Mit der neuen Solvency II-Regelung tritt ab dem 1. Januar 2016 zudem nach langen und zähen Verhandlungen eine neue Regelung in Kraft, die sich analog der Bankenregulierung mehr an den tatsächlich eingegangenen Risiken der Gesellschaften orientiert.

Wer allerdings seinen Vertrag zu früheren Zeiten abgeschlossen hat, bekommt die seinerzeit garantierte Mindestverzinsung in jedem Fall, auch wenn sie derzeit nicht dargestellt werden kann. Zwischen 1994 und 2000 etwa lag diese bei heute fast schon gar nicht mehr vorstellbaren 4,0 Prozent. Zum Vergleich: Die 30-jährige Bundesanleihe (WKN 110234) rentiert derzeit bei 1,42 Prozent.

rm

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