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Vermögen

Grafische Darstellung einer mit Münzen gefüllten Schatztruhe

Allianz stellt "Global Wealth Report" vor

Deutsche "verschenken" 200 Milliarden

Stand: 21.09.2016, 13:51 Uhr

Die Menschen rund um den Globus haben immer größere Geldvermögen, doch das Wachstum hat sich deutlich verlangsamt. Und Deutschland schneidet weiterhin enttäuschend ab.

Laut der von der Allianz zum siebten Mal erstellten Studie der Vermögens- und Schuldenlage der privaten Haushalte in über 50 Ländern, wuchs das Brutto-Geldvermögen der Deutschen im vergangenen Jahr zwar um 4,6 Prozent und damit mehr als doppelt so schnell wie die Verbindlichkeiten (+2,2 Prozent).

Daraus resultiert ein kräftiger Anstieg des Netto-Geldvermögens um 5,7 Prozent, der in Europa nur von Dänemark und Schweden und im Euroraum nur von Irland übertroffen wird. Hohe Sparleistungen und strikte Schuldendisziplin machen sich bezahlt.

Deutschland nur auf Platz 18

Dies ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass Deutschland in der Rangliste der 20 reichsten Länder weiterhin enttäuschend abschneidet: Mit Blick auf das Netto-Vermögen kommt Deutschland auf den 18. Platz mit 47.680 Euro, hinter Italien (53.490 Euro), Frankreich (53.430) und Österreich (51.060).

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Beim Brutto-Vermögen (67.980 Euro) fiel es gar auf Platz 20 zurück. Grund sei die weitgehend fehlende Kapitaldeckung der Rentenansprüche, so die Allianz. Auch Frankreich und Italien sind deswegen in den letzten Jahren deutlich abgerutscht und stehen jetzt ähnlich schlecht da.

Spitzenreiter Schweiz und USA

Dominiert wird die Rangliste – neben den unangefochtenen Spitzenreitern Schweiz und USA – in jüngster Zeit von skandinavischen und asiatischen Ländern. Beim Brutto-Geldvermögen steht inzwischen sogar nur noch ein Euroland unter den Top 10: die Niederlande mit 129.700 Euro.

Der Vergleich der realen Vermögensrenditen im Euroraum in den letzten vier Jahren zeigt, dass Deutschland neben Österreich am schlechtesten abschneidet. Während die reale Rendite in Deutschland für diesen Zeitraum bei 2,3 Prozent lag, erreichen Italien und Spanien Renditen von deutlich über 4,0 Prozent; auch in Frankreich ist sie mit 3,6 Prozent wesentlich höher.

Zu vorsichtiges Sparverhalten

Die Begründung liegt in dem schon oft beschriebenen vorsichtigen Sparverhalten der Deutschen. Die Kosten dieses Verhaltens zeigt eine einfache Simulationsrechnung. So haben die deutschen Sparer in den letzten vier Jahren etwa 40 Prozent ihres Geldvermögens mit Verlust bei den Banken geparkt. Die reale Rendite (also abzüglich der Inflation) dieser Anlage betrug im Durchschnitt dieser Jahre minus 0,4 Prozent.

Netto-Geldvermögen pro Kopf: Rangliste 2015 versus 2000

Netto-Geldvermögen. | Bildquelle: Allianz Global Wealth Report, Grafik: boerse.ARD.de

Hätten die Deutschen nur 30 Prozent in Bankeinlagen gehalten und die so frei gewordenen 10 Prozent ihrer Mittel je zur Hälfte auf Aktien und Investmentfonds verteilt, wäre die Vermögensrendite in diesem Zeitraum um nahezu einen vollen Prozentpunkt höher ausgefallen, so die Rechnung der Allianz.

200 Milliarden futsch

Die deutschen Haushalte hätten damit zusätzliche Vermögenseinnahmen von rund 200 Milliarden Euro erzielen können. "Hinterher ist man natürlich immer schlauer, aber dass Zeiten extremer Geldpolitik mit negativen Zinsen auch Anpassungen im Anlageverhalten erfordern, ist evident", erklärt Michael Heise, Chefvolkswirt des Versicherers. "Alte Gewissheiten gelten heute nicht mehr: Vermeintlich sichere Anlagen wie Bundesanleihen sind nicht mehr sicher, sie gefährden vielmehr den Vermögensaufbau, sie gefährden vielmehr den Vermögensaufbau", ist der Experte überzeugt.

Gleichzeitig nähmen die Risiken zu und die Märkte würden immer volatiler. Mit dieser Situation seien viele Sparer überfordert. Finnazindustrie und Politik sollten deshalb neue Sparkonzepte und Vermögenslösungen erarbeiten. Auch sollte die Politik den Sparern jetzt nicht noch weitere Belastungen auferlegen, sondern die Rahmenbedingungen für langfristiges Sparen verbessern.

lg

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