Interview

Rogier Minderhout

Rentenversicherung mit ETFs "Bei uns wird kein teurer Vertrieb bezahlt"

Stand: 02.12.2016, 15:04 Uhr

myPension-Gründer Rogier Minderhout will der fondsgebundende Rentenversicherung attraktiver machen. Mit kostengünstigen ETFs und ohne hohe Vertriebskosten locken höhere Renditen und Steuervorteile für Vorsorgesparer.

boerse.ARD.de: Herr Minderhout, Sie wollen als Start-up die Deutschen zur Altersvorsorge per Internet und ETF-Sparplan bewegen. Welche Kunden konnten Sie bislang gewinnen?

Rogier Minderhout: Wir sind erst seit fünf Wochen am Markt, daher kann man noch keine generellen Aussagen darüber machen. Überrascht hat uns, dass es viele Interessenten aus der Altersgruppe der 20- bis 33-Jährigen gibt. Wir hatten eher einen Schwerpunkt bei über 30-Jährigen erwartet. Außerdem sehen wir, dass sich echte „Experten“ mit myPension anfreunden, also Menschen, die selbst in der Finanzbranche oder sogar in der Altersvorsorgeberatung arbeiten.

boerse.ARD.de: Wie steht es generell mit der Akzeptanz eines internetbasierten Altersvorsorge-Produktes aus Ihrer Sicht?

Minderhout: Natürlich müssen wir hier ein dickes Brett bohren und Vertrauen schaffen. Wir haben zunächst einmal unser Produkt so gut wie möglich gemacht und versuchen nun, dieses Vertrauen zu erwerben; indem wir zeigen, wie es funktioniert und indem wir höchste Transparenz bieten über das, was wir tun.

boerse.ARD.de: Was unterscheidet myPension von der klassischen Rentenversicherung?

Minderhout: Eine Menge. Bei uns wird kein teurer Vertrieb oder Verwaltungsapparat bezahlt. Wir investieren in kostengünstige Indexfonds und bieten Vorsorgesparern die Chancen des Aktienmarktes. Vor Rentenantritt wird nach wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnissen in risikoarme Rentenfonds umgeschichtet.

boerse.ARD.de: Und worin unterscheidet sich Ihr Ansatz von einem ETF-Portfolio, das man selbst aufbauen und umschichten kann.

Minderhout: Nur entsprechend vorgebildete Menschen tun das selbst. Wir wollen mit unserem Produkt die fondsgebundene Anlage per Rentenversicherung auch für „normale“ Vorsorgesparer anbieten. Menschen, denen bislang vermeintlich „sichere“ Rentenprodukte angeboten wurden, die aber praktisch keine Rendite abwerfen.

boerse.ARD.de: Haben Sie deshalb auch die Form einer Versicherungslösung gewählt?

Minderhout: Ja. Dazu kommt aber natürlich auch der steuerliche Vorteil, den ein Versicherungsmantel hat. Sie zahlen keine Abgeltungssteuer auf Erträge in der Ansparphase. Und nach Ablauf von zwölf Jahren und einem Mindestalter von 62 Jahren bei Rentenantritt wird, kann eine Kapitalauszahlung zur Hälfte steuerfrei erfolgen, das sind die üblichen Steuerbegünstigungen bei Versicherungen. Auf lange Sicht ergeben sich für den Anleger dadurch erhebliche Renditevorteile.

boerse.ARD.de: Sie verzichten bewusst auf eine Garantieverzinsung, warum?

Minderhout: Die Garantie eines Zinses zwingt Anbieter nach gesetzlichen Vorgaben zu einer sehr konservativen Anlagestrategie, die die Renditechancen erheblich schmälert. Das macht aus unserer Sicht keinen Sinn. Aber natürlich gibt es in der Rentenphase auch bei uns eine garantierte Auszahlung entsprechend der Höhe des angesparten Kapitals.

boerse.ARD.de: Sie haben die Göttinger MyLife als Versicherungspartner, wie kam es zu dieser Wahl?

Minderhout: MyLife setzt ebenfalls auf kostenoptimierte Versicherungsprodukte und passt daher gut zu uns.

boerse.ARD.de: Welche Investoren oder Business Angels sind bei Ihrem Unternehmen an Bord?

Minderhout: Der „Engel“ bin ich erst einmal selbst. Bislang habe ich das Unternehmen finanziert. Aber natürlich wird es früher oder später Sinn machen, Investoren an Bord zu holen, die uns mit ihrem Netzwerk oder bei der Vermarktung unterstützen können.

Das Gespräch führte Andreas Braun

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