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Steuern

Grübelnder Anleger, der nicht weiß, wie Dividenden von Auslandspapieren besteuert werden.

Gesetzgeber im Zugzwang

Gleichbehandlung bei der Fondsbesteuerung

Stand: 24.02.2016, 11:00 Uhr

Die hoch komplizierte Besteuerung inländischer und ausländischer Fonds soll einfacher werden. Die Bundesregierung plant die Reform der Fondsbesteuerung, um Schlupflöcher zu schließen - aber auch, um einer Rüge auf europäischer Ebene zuvorzukommen.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) treibt die Bundesregierung offenbar ein wenig vor sich her. Die Steuerpraxis in Polen und Frankreich hatte das oberste europäische Gericht bereits gerügt. Auch die deutsche Steuerpraxis dürfte den Rechtsgelehrten ein Dorn im Auge sein.

Denn die Besteuerung von Investmentfonds ist hierzulande eines der kompliziertesten Steuer-Verfahren überhaupt. Zum Teil müssen Fonds 30 verschiedene Besteuerungsgrundlagen ermitteln. Dabei spielen Erträge aus unterschiedlichen Quellen - zum Beispiel Dividenden, Mieterträge oder Verkaufserlöse - eine Rolle. Und diese werden noch unterschiedlich gehandhabt, je nachdem, ob der Fonds im Inland oder Ausland aufgelegt ist, beziehungsweise die Erträge aus dem In- oder dem Ausland stammen.

Erst generell besteuert...

Laut dem Entwurf von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für ein Investment-Reformgesetz soll das deutlich einfacher werden. Die unterschiedliche Besteuerung auf Fonds- und auf Anlegerebene, je nachdem wo ein Fonds aufgelegt wurde, wäre damit aufgehoben. Denn nach dem Entwurf sollen künftig alle Fonds, ob inländisch oder ausländisch, auf Fondsebene mit 15 Prozent Körperschaftssteuer belegt werden. Bislang waren inländische Fonds davon befreit. Umgekehrt waren ausländische Fonds mit inländischen Erträgen wie Dividenden und Immobilienerträgen steuerlich begünstigt.

... dann teilweise freigestellt

Auf Anlegerebene sollen Erträge dann generell mit 25 Prozent Abgeltungssteuer belegt werden. Damit auf Anlegerseite dadurch keine Doppelbesteuerung entsteht, soll es ein Teilfreistellungs-Verfahren geben. Je nach Fondsart wird ein bestimmter Teil des Ertrags steuerfrei gestellt: Bei Aktienfonds sollen dies 30 Prozent sein, bei Mischfonds 15 Prozent, bei Immobilienfonds zwischen 60 und 80 Prozent der Erträge.

Wartezeit bis 2018

Ein bisschen dauert es allerdings noch, bis die Gleichstellung in Sachen Fondsbesteuerung in Kraft tritt. Die neuen Regelungen sollen erst am dem 1. Januar 2018 gelten. Zeit genug also für Fondsgesellschaft, aber auch für Anleger, sich auf die neue Lage einzustellen.

AB

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