Abgeltungssteuer bald auch für Altfälle Fondsbesteuerung runderneuert

Stand: 30.03.2017, 11:46 Uhr

Eine Vereinfachung der Fondsbesteuerung hat sich das Bundesfinanzministerium auf die Fahnen geschrieben. Ab 2018 treten die neuen Regelungen in Kraft, die (fast) alle Fondsbesitzer betreffen werden.

Grundsätzlich hat bei der neuen Fondsbesteuerung ab 2018 ein Gedanke den Impuls gegeben: Der Fiskus will bereits auf der Fondsebene zugreifen. Bislang konnten die Fondsmanager Erträge aus Ausschüttungen oder Verkäufen innerhalb des Fonds steuerfrei vereinnahmen, um sie dann wieder ins Fondsvermögen zu reinvestieren. Besteuert wurden nur Erträge, die an den Anleger flossen, also Ausschüttungen aus Dividenden, Zins- oder Mieterträgen und natürlich beim Verkauf der Anteile die Gewinne aus dieser Transaktion.

Besteuerung auf Fondsebene...

In der neuen Steuerära ab 2018 werden auf der Fondsebene - bei deutschen Fonds - 15 Prozent Steuern auf Erträge fällig, so hat es der Gesetzgeber beschlossen. Damit sollen Fonds grundsätzlich bei der steuerlichen Belastung mit ausländischen Fonds gleichgestellt werden.

... Teilfreistellungen für den Anleger

Damit die Belastungen für den Anleger nicht höher ausfallen, werden im Gegenzug steuerliche Teilfreistellungen auf die Abgeltungssteuer gewährt, bei der ja auf Anlegerseite 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag (und ggf. Kirchensteuer) einbehalten werden. Je nach Art des Investmentfonds fallen diese unterschiedlich aus.

Bei reinen Aktienfonds liegt diese Freistellungsquote bei 30 Prozent der Erträge und auch der Verkaufsgewinne. Bei Mischfonds mit einem Aktienanteil von mindestens 25 Prozent liegt die Freistellungsquote bei 15 Prozent. Und bei Immobilienfonds erhält der Anleger einen Freibetrag von 60 Prozent der Erträge bei inländischen Fonds und sogar 80 Prozent bei ausländischen Fonds.

Riester bleibt sicher

Ausgeklammert von der neuen Besteuerungslogik werden staatliche Altersvorsorge-Produkte, also Riester- und Rürup-Verträge, die auf Fonds basieren. Hier ändert sich dank Sonderregeln nichts, die Erträge während der Ansparphase bleiben hier steuerfrei. Dafür greift die nachgelagerte Besteuerung der Auszahlungen im Alter.

Bei thesaurierenden Fonds, also Fonds, die keine Ausschüttungen an den Anleger vornehmen, sondern Erträge auf Fondsebene direkt wieder anlegen, wird eine so genannte Vorabpauschale auf Fondsebene fällig. Beim Verkauf der Anteile wird diese Vorabpauschale durch die Depotbank mit der Abgeltungssteuer verrechnet.

Nachteile für Kleinanleger

Tendenziell benachteiligt bei der neuen Regelung werden Kleinsparer, die ihren Sparerpauschbetrag noch nicht ausgeschöpft haben. Bis zu 801 Euro (bzw. 1.602 Euro bei Verheirateten) wurden bislang nicht mit der Abgeltungssteuer belegt. Das bleibt auch künftig so - doch die Steuerbelastung auf Fondsebene trifft auch diese Anleger.

Abgeltungssteuer greift auch bei Altbeständen

Gewissermaßen "huckepack" mit der neuen Besteuerungslogik bei Fonds hat der Gesetzgeber gleich noch die Altfall-Regelung kassiert, die mit der Einführung der Abgeltungssteuer bestehende Fondsanteile vor der neuen Steuer schützen sollte. Diese Altfallregelung gilt ab dem 1.1.2018 nicht mehr. Das heißt, Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen, die vor 2009 gekauft wurden, unterliegen dann der Abgeltungssteuer. Allerdings hat der Gesetzgeber hier eine recht großzügige Freibetragsregelung eingebaut: Erst wenn die Erträge die Grenze von 100.000 Euro übersteigen, greift die neue Besteuerung. Verbraucherschützer empfehlen deshalb auch, Altbestände nicht aus steuerlichen Gründen vor dem Jahreswechsel zu verkaufen.

Besitzer von Altfällen bei Aktieninvestments bleiben übrigens weiterhin ungeschoren, hier bleibt die Altfallregelung bestehen. Der Fiskus unterscheidet damit quasi zwei Arten von "Alt"-Anlegern.

AB

Darstellung: