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Quellensteuer zurückholen

Die Mühsal mit den Auslands-Dividenden

Wer als Anleger über den Tellerrand schaut, findet attraktive Aktien im europäischen Ausland oder darüber hinaus. Nach der Ausschüttung der Dividenden können Auslandsaktien aber Rechenkünste und Papierkrieg erfordern.

Grübelnder Anleger, der nicht weiß, wie Dividenden von Auslandspapieren besteuert werden.

Bleibt ein Verwirrspiel: Die Besteuerung von ausländischen Dividenden

Da helfen auch die Doppelbesteuerungs-Abkommen nichts, die Deutschland mit rund 80 Ländern weltweit geschlossen hat, um die doppelte Belastung von Kapitaleinkünften einzudämmen. Und selbst ein Freistellungsauftrag auf Kapitaleinkünfte nützt wenig: Die Zinsen, vor allem aber Dividenden, die aus dem Ausland dem Konto des Bundesbürgers gutgeschrieben werden, sind oft bereits mit einer Quellensteuer belegt. Sie wird dem Aktionär direkt am Zahltag der Ausschüttung nach der Hauptversammlung des Unternehmens vom Ertrag abgezogen.

Abgeltungssteuer-Quote als Maßstab

Die Behandlung der ausländischen Steuer erfolgt nach einem Schema, das Teil der Doppelbesteuerungs-Abkommen (DBA) des Gesetzgebers ist. Richtungsweisend ist dabei die Abgeltungssteuer, die seit 2009 auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden, aber auch Kursgewinne erhoben wird und pauschal 25 Prozent beträgt.

Einen Teil oder auch die gesamte ausländische Quellensteuer wird dabei auf den Abgeltungssteuer-Satz angerechnet. Bei Zinsen sind dies maximal zehn Prozent des Kapitalertrags, bei Dividenden maximal 15 Prozent.

Bis 15 Prozent ist alles gut

Erhält also ein Aktionär die Dividendenzahlung eines ausländischen Konzerns von 1.000 Euro, gelten dabei maximal 150 Euro als "anrechenbare" Quellensteuer. Damit die Abgeltungssteuer-Quote von 25 Prozent (plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) erreicht wird, schlägt der deutsche Fiskus den Differenzbetrag, obendrauf: 100 Euro Kapitalertragssteuer werden damit zusätzlich fällig.

Liegt die ausländische Quellensteuer bei den Dividenden im Bereich von null bis 15 Prozent, stellt sich der Anleger faktisch gleich wie bei einer Dividende einer deutschen Aktie: Sein Ertrag wird mit 25 Prozent Steuer belegt, wie im Inland. Problematisch wird die Steuersituation unter Umständen dann, wenn die Besteuerung im Ausland über 15 Prozent liegt. Der Anteil der Quellensteuer, der darüber hinaus geht, ist nicht mehr "anrechenbar", sondern "erstattungsfähig". Der deutsche Fiskus ist dabei aus dem Schneider, der Aktionär muss tätig werden, um zu viel gezahlte Quellensteuer aus dem Ausland wieder zurückzuholen.

Beim Beispiel der Dividende in Höhe von 1.000 Euro würde dies wie folgt aussehen. Bei einer ausländischen Quellensteuer von 25 Prozent würde der Ertrag sogleich um 250 Euro geschmälert. Da aber nur 15 Prozent anrechenbar sind, würde eine Kapitalertragssteuer von weiteren 100 Euro (plus Soli und ggf. Kirchensteuer) fällig, die die depotführende Bank ebenfalls gleich nach der Ausschüttung einbehält.

Die Gesamtbelastung läge damit bei 350 Euro, der Aktionär würde damit eine um 100 Euro höhere steuerliche Belastung erfahren als bei der Dividenden-Ausschüttung einer Inlandsaktie. Um diesen Differenzbetrag zurück zu erhalten, muss der Anleger unterschiedlich weite Wege gehen. (s. dazu auch unsere Übersicht: Auslands-Quellensteuer zurückholen).

Rückerstattung auf Antrag

Im Regel-Fall ist ein Erstattungsantrag an die Steuerbehörde des Landes zu stellen, in dem das Unternehmen seinen Sitz hat. Das Bundeszentralamt für Steuern in Bonn (www.bzst.bund.de) stellt auf seiner Internet-Seite unter der Rubrik "Ausländische Quellensteuer" die dafür notwendigen Anschriften und Formulare zur Verfügung.

Das Amt pflegt zudem eine Liste mit den Quellensteuersätzen in denjenigen Ländern, mit denen ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht. Die allerdings ist mit Vorsicht zu genießen. So gibt die Behörde etwa die nationale Quellensteuer Frankreichs mit 21 Prozent an, tatsächlich liegt sie aber seit Jahresbeginn 2012 bei 30 Prozent. Ein potenzielles Ärgernis für Anleger beim französischen Versorger Alstom oder dem Konsumgüterkonzern Danone.

Im Fall Spaniens kann der Anleger sich bei den spanischen Behörden von der Zahlung einer Quellensteuer bis zu einer Freibetragsgrenze ganz befreien lassen.

Kosten und Nutzen gegenrechnen

Die Kosten der "Rückholaktion" für ausländische Quellensteuern schmälern oft den finanziellen Nutzen einer Erstattung, gerade bei Differenzbeträgen unter 100 Euro. Wer stark auf dividendenstarke Titel aus dem Ausland setzt, sollte sich neben den Quellensteuer-Sätzen auch über den Aufwand und die Gebühren für die Einforderungen der zu viel gezahlten Steuern informieren. Gegebenenfalls kann sogar die Entscheidung für oder gegen eine Auslands-Aktie davon abhängig gemacht werden.

Wer partout etwa auf eine französische Aktie setzen will, obwohl beim Eintreiben vom Quellensteuer-Beträgen einige Klippen drohen, dies durch einen Trick umgehen: Die Aktie wird kurz vor dem Dividendenstichtag verkauft und nach der Zahlung der Dividende wieder ins Depot zurückgekauft: Statt die Dividende zu vereinnahmen, kauft der Investor die Aktie um den Dividendenabschlag bereinigt und damit billiger wieder zurück. Ob sich das Manöver wirklich lohnt, muss er anhand der fälligen Transaktionskosten bei seinem Broker allerdings zuvor überschlagen. In jedem Fall aber entfällt die lästige Notwendigkeit, entgangene Gewinne aus dem Ausland wieder zurückzuholen.

Stand: 02.11.2012, 16:01 Uhr

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