Steuern

Studie des Deutschen Aktieninstituts Finanztransaktionssteuer würde Anleger hart treffen

Stand: 19.07.2013, 13:27 Uhr

Gegen die geplante Finanztransaktionssteuer formiert sich zunehmend Widerstand von Banken und Wirtschaftslobby. Das Deutsche Aktieninstitut warnt vor Milliarden-Belastungen, die auf deutsche Privatanleger zukämen. Auch Riester-Sparer wären betroffen.

Finanztransaktionssteuer. | Montage: boerse.ARD.de, colourbox

Mit der Steuer auf Banken- und Börsengeschäfte wollen mehrere Länder in Europa, darunter Frankreich und Deutschland, vor allem Zocker und Spekulanten abschrecken. Tatsächlich aber würde die Steuer mit dem sperrigen Begriff Finanztransaktionssteuer auch Sparer und Kleinanleger treffen. Das meint zumindest das Deutsche Aktieninstitut.

Privatanlegern drohen Milliarden-Belastungen

Laut einer Untersuchung, die zusammen mit der Unternehmensberatung Oliver Wyman durchgeführt wurde, müssten Privatanleger in Deutschland zwischen 2,6 und 3,6 Milliarden Euro an Steuern zahlen. Pro Haushalt lägen die jährlichen Belastungen durchschnittlich bei 46 bis 132 Euro. Denn die Steuer betreffe laut dem DAI alle Produkte der Altersvorsorge - Aktien, Anleihen, Investmentfonds und selbst Lebensversicherungen.

Nach den bisherigen Plänen der Gesetzgeber würde jeder einzelne Kauf und Verkauf bei Aktien und Anleihen mit 0,1 Prozent besteuert. Bei Derivaten würde die Steuer 0,01 Prozent des Nominalwertes betragen.

Die Folgen der Steuer bekämen auch Riester-Fondssparer schmerzlich zu spüren. Ein durchschnittlicher Sparer müsste den Berechnungen zufolge auf gut zehn Prozent der staatlich geförderten Rente verzichten. "Über die gesamte Laufzeit betrachtet belastet die Steuer den Riesterfonds-Sparplan deutlich mehr als die staatlichen Zulagen dem Anleger an Vorteil bringen", meint gar Finja Carolin Kütz, Geschäftsführerin von Oliver Wyman in Deutschland. Somit käme die Steuer einer Rentenkürzung gleich, folgerte Werner Baumann, Präsident des Deutschen Aktieninstituts. Finanzprodukte zum Aufbau der Altersvorsorge könnten aber möglicherweise von der Steuer ausgenommen werden.

Höhere Kosten für Wertpapierhandel

Außerdem verringere die Finanztransaktionssteuer die Liquidität auf den Kapitalmärkten und erhöhe indirekt die Kosten des Wertpapierhandels, hieß es in der Studie des DAI. Besonders drastisch falle dieser Effekt bei Wertpapieren mit geringer Liquidität wie zum Beispiel Unternehmen und Aktien mittelständischer Firmen.

Baumann glaubt, dass durch die Steuer die Märkte für kurzfristige Finanzierungen wie der Markt für Commercial Papers komplett austrocknen würden. "Den Unternehmen wird damit eine wichtige Finanzierungsquelle genommen."

Firmen müssen ebenfalls bluten

Die Unternehmen müssten mit Steuerbelastungen von 2,4 bis 3,7 Milliarden Euro rechnen, haben die Autoren der Studie ausgerechnet. Betroffen seien vor allem Derivate, die zur Absicherung von Wechselkursrisiken eingesetzt werden. Insgesamt würde also die Steuer Firmen und Privatanleger fünf bis 7,3 Milliarden Euro kosten.

Die Vorstellung, dass die Steuerlast im Finanzsystem bleibe, hält Baumann für illusorisch. Seiner Einschätzung nach werden die Banken alle Hebel in Bewegung setzen, um einen maximalen Teil der Steuer an die Kunden weiterzuleiten. Möglicherweise in Form von höheren Transaktionskosten, Depotgebühren oder anderen Kostenmodellen.

"Politischer Irrweg"

Die Steuer sei gut gemeint, aber schlecht umgesetzt, kritisierte Baumann. Sie ist und bleibe "ein politischer Irrweg". Auch Christine Bortenlänger, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DAI, hält die geplante Steuer für schädlich. Sie rät der Politik, am besten auf diese Steuer zu verzichten.

Seit Monaten laufen die Branchenverbände der Finanzindustrie gegen die Steuer Sturm. Jürgen Fitchen, Chef der Deutschen Bank und Präsident des Bundesverbands Deutscher Banken, trommelt in Berlin kräftig gegen das Vorhaben. Die Steuer könnte in Europa zu Kosten von 20 bis 30 Milliarden Euro führen, warnt er. Geldinstitute würden der Steuer ausweichen und in andere Länder abwandern. Die Folgen würden die Kunden tragen. "Finanzdienstleistungen werden sich enorm verteuern", prophezeit Fitschen.

BVI-Umfrage: Bundesbürger sind gespalten

Auch der Fondsverband BVI kämpft gegen die Einführung der Steuer. In einer vom BVI in Auftrag gegebenen Umfrage befürworteten zwar 73 Prozent der Bundesbürger die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. 78 Prozent lehnen aber die Abgabe ab, falls überwiegend die Kleinanleger und Sparer die Kosten tragen müssten.

DIW rechnet mit geringeren Belastungen

Steuerbefürworter halten die Berechnungen und Aussagen der Finanzlobby für Panikmache. Das Institut für Wirtschaftsforschung hat ausgerechnet, dass die Steuer bei der Anlage in Investmentfonds kaum ins Gewicht falle. wer monatlich 100 Euro 40 Jahre lang in einen Fonds mit fünf Prozent Rendite stecke, winke nach Fondskosten ein Betrag von 103.401 Euro. Wird das Portfolio zwei Mal im Jahr umgeschichtet, müssten knapp 10.000 Euro als Steuer vom Endbetrag - oder 250 Euro pro Jahr - abgeführt  werden.

Ob die Finanztransaktionssteuer 2014 in Deutschland eingeführt wird, ist fraglich. Experten rechnen frühestens 2015 mit der Steuer. Bisher planen 11 EU-Länder die Abgabe. Großbritannien, Luxemburg und die Niederlande wollen die Steuer nicht einführen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) bezeichnete die Steuer kürzlich als "altmodisch".

nb

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