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Steuern

Hand mit Beutel und

Doppelbesteuerung

Achtung bei Auslandsdividenden

Stand: 10.02.2017, 15:39 Uhr

Wer Auslandsaktien im Depot hat, freut sich - bei Gelegenheit - über Kursgewinne. Bei den Dividenden, die im Ausland ausgeschüttet werden, hat der Anleger oft steuerliche Mühen vor sich. Die Spielregeln der Behandlung variieren von Land zu Land.

Apple, Novartis, Statoil, Telefonica oder Fiat - großartige Aktien, die ihre Besitzer in den vergangenen Jahren mit üppigen Kursgewinnen versorgt haben. Steuerlich ist die Behandlung dieser Kursgewinne klar: Seit 2009 werden sie - nach Ausschöpfung des Freibetrages - mit 25 Prozent Abgeltungssteuer (zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) belegt.

Wer sein Depot bei einer inländischen Bank führt, muss sich um die Erhebung der Steuer keine Gedanken machen, der Broker zieht die Abgeltungssteuer bei Fälligkeit direkt ab. Das tut er auch, wenn ein deutsches Unternehmen nach seiner Hauptversammlung eine Dividende ausschüttet, denn die Steuer greift gleichermaßen bei Kursgewinnen, Dividenden und auch Zinsen.

Steuern, erst mal an der "Quelle"

Anders sieht es bei den Dividenden internationaler Konzerne mit Sitz im Ausland aus. Hier wird in der Regel eine Quellensteuer fällig, die dem deutschen Anleger erst einmal von der Dividende abgezogen wird. Und hier beginnt es schwierig zu werden. Je nach "Quelle" der Steuer, also dem Land, in dem sie erhoben wird, bestehen unterschiedliche Abkommen mit Deutschland, die eine Doppelbesteuerung verhindern sollen.

Grundsätzlich werden ausländische Quellensteuern auf Dividenden bis zu 15 Prozent durch den Fiskus automatisch angerechnet. Das bedeutet, dass ein ausländischer Quellensteuersatz von 15 Prozent für weitere 10 Prozent Abgeltungssteuer sorgt - so dass die 25-prozentige Gesamtbesteuerung zustande kommt. Danach erfolgt noch die Belastung durch den Soli und die Kirchensteuer.

Über 15 Prozent wird's schwierig

Liegt der Quellensteuersatz aber über 15 Prozent, ist der Anleger gefordert, sich die zuviel gezahlte Steuer wieder zurückzuholen. Hier gibt es je nach Land unterschiedliche Verfahren beziehungsweise Anrechnungsmöglichkeiten. Eine "Rückholung" der Steuern auf die Auslandsdividenden kann unter Umständen einen kleinen Papierkrieg nach sich ziehen, und - wenn es schlecht läuft - sogar jahrelang dauern (s. unsere Übersicht: Quellensteuer auf Auslandsdividenden).

Um die zuviel gezahlte Quellensteuer zurückfordern zu können, muss der Anleger schriftlich und formgerecht eine solche Erstattung bei den jeweiligen Finanzbehörden anfordern, mit denen ein Abkommen besteht. Die Formulare sind beim Bundeszentralamt für Steuern erhältlich, und zwar in deutsch und der jeweiligen Landessprache. Beim Amt gibt es auch eine Liste, die über die derzeit gültigen Steuersätze und die aktuelle Behandlung der ausländischen Quellensteuer Aufschluss gibt (s. unsere Links).

Der Trick mit dem Trade

Von der jeweiligen steuerlichen Situation und dem Aufschwand der Erstattung kann sogar die Entscheidung für oder gegen eine Auslandsaktie abhängen. Wer dennoch unbedingt in einen interessanten Titel aus "steuerlich schwierigen" Ländern wie Frankreich oder Italien investieren will, kann so vorgehen: Die Aktie wird kurz vor dem Dividendenstichtag verkauft und nach der Zahlung der Dividende wieder ins Depot zurückgekauft: Statt die Dividende zu vereinnahmen, kauft der Investor die Aktie um den Dividendenabschlag bereinigt und damit billiger wieder zurück. Ob sich das Manöver wirklich lohnt, muss er anhand der fälligen Transaktionskosten bei seinem Broker allerdings zuvor überschlagen. In jedem Fall aber entfällt die lästige Notwendigkeit, entgangene Gewinne aus dem Ausland wieder zurückzuholen.

AB

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Quellensteuer auf Auslandsdividenden

Wer will wie viel?

Britische Fähnchen an einer Leine aufgereiht

Großbritannien

Der Finanzplatz London bleibt in Sachen Dividenden für deutsche Anleger attraktiv, auch nach dem Brexit. Die Briten verzichten bereits seit Jahrzehnten auf eine Quellensteuer auf Dividenden, die von Ausländern vereinnahmt werden. Die Abgeltungssteuer wird dann wie bei deutschen Dividenden automatisch abgeführt.

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