Social Trading

Wikifolio

Wie schlagen sich Profis bei Wikifolio? Wikifolio schwärmt aus

Stand: 20.03.2015, 16:44 Uhr

Handelsstrategien in die Form von Zertifikaten zu gießen und an der Börse handelbar zu machen, ist das Konzept des Social-Trading-Anbieters Wikifolio. Die Plattform ist seit einigen Monaten auch offen für Vermögensverwalter und Medien-Unternehmen, die mit ganz unterschiedlichem Erfolg auf der Jagd nach Rendite und Followern sind.

Medienpräsenz ist Trumpf für die Österreicher - Wikifolio ist seit seinem Start von zweieinhalb Jahren umfangreiche Kooperationen mit Medienhäusern eingegangen, um das "Wikifolio-Prinzip" bekannt zu machen. In Deutschland ist dies vor allem die Verlagsgruppe Handelsblatt, zum Start von Wikifolio in der Schweiz am Donnerstag wurde auch die "Neue Zürcher Zeitung" als Partner gewonnen.

Musterdepot goes online

Screenshot der Wikifolio-Website

Wikifolio-Website. | Bildquelle: Unternehmen

Die Verzahnung zwischen Medien und Social Trading funktioniert aber auch in umgekehrter Richtung: Finanz-Publikationen nutzen Wikifolio, um eigene Investment-Strategien öffentlich und transparent zu verfolgen. Das klassische "Musterdepot" hat gewissermaßen den Weg in das Internet der zweiten Generation gefunden.

Zum Beispiel mit den Wikifolios von "Börse online" und "Euro am Sonntag". Beide Zeitschriften gehören seit rund zwei Jahren zum Münchener Finanzen Verlag. Und mit einem investierten Kapital von jeweils rund acht Millionen Euro sind die Auftritte der beiden Zeitschriften inzwischen die kommerziell erfolgreichsten Wikifolios Anfang 2015.

Auf einer Höhe mit Nebenwerte-Indizes

Die Manager des Wikifolios von "Euro am Sonntag" setzen nach eigener Aussage vor allem auf Nebenwerte deutscher Indizes aus der zweiten Reihe, ergänzen aber das Depot auch um internationale Titel. Derzeit finden sich etwa die TecDax-Aktien von United Internet, BB Biotech oder Wirecard im Depot. Aber auch Facebook und die beiden US-Fluggesellschaften Delta Airlines und American Airlines sind vertreten.

Im "Börse online"-Portfolio auf Wikifolio liegt der Schwerpunkt ebenfalls auf Nebenwerten mit klarer Übergewichtung deutscher Titel. Technologieaktien wie Elmos, QSC oder Frennet, aber auch Medientitel wie die von ProSiebenSat.1, Tomorrow Focus oder DEAG sind stark gewichtet. Beide Wikifolios spiegeln in etwa die Wertentwicklung der Nebenwerte-Indizes wider. Bei "Euro am Sonntag" liegt das Jahresplus bei 18 Prozent, bei "Börse Online" bei 24,5 Prozent. Zum Vergleich: Der TecDax hat im selben Zeitraum 30,5 Prozent, der SDax rund 17 Prozent zugelegt.

Kollektive Intelligenz per Wikifolio

Auf ein Zwölf-Monats-Plus von mehr als 24 Prozent kommt auch der Investor Verlag mit seinem Wikifolio "KI Investor". Dahinter verbirgt sich der Ansatz von "Intelligent Recommendations", bei dem die kollektive Intelligenz von Anlegern genutzt werden soll, die unabhängig voneinander zu ihren Anlagefavoriten befragt werden. Initiator Corvin Schmoller hat mit dem selben Konzept seit rund einem Jahr einen eigenen Investmentfonds am Markt. Der "KI Investor" setzt auf Einzeltitel ganz verschiedender Aktienindizes weltweit und hält derzeit fast 100 Einzeltitel aus ganz unterschiedlichen Branchen. Zu den größten Positionen zählen derzeit Apple, das Dax-Schwergewicht BASF, aber auch der japanische Autokonzern Toyota.

Neben Erfolgsgeschichten liefern die Medien-Wikifolios aber auch kleine Anlage-Katastrophen. So hat es das "Derivate Magazin" geschafft, binnen eines halben Jahres ein Wikifolio nach Gewinnen von fast 100 Prozent anschließend den kompletten Wert zu vernichten. Das entsprechende Zertfikat notiert nach einem Startpreis von 100 Euro derzeit bei drei Cent. Hoch gehebelte Fehltrades auf den Dax und den Ölpreis haben das Portfolio kollabieren lassen. Keine echte Werbung für die Leserschaft.

Vermögensverwalter mit internationaler Ausrichtung

Deutlich vorsichtiger zu Werke gehen die inzwischen zahlreichen Vermögensverwalter-Portfolios. Derzeit werden 58 Wikifolios von den Investment-Profis gepflegt, darunter überwiegend Strategien, die auf Aktien, zum Teil auch auf ETFs setzen. Die Vermögensverwaltung Albrech & Cie etwa setzt in ihrem Wikifolio "Top Global Brands" auf namhafte internationale Großkonzerne wie FedEx, Disney, Google, aber auch Unilever oder SAP.

Die Geneon-Vermögensverwaltung mit Hauptsitz in Hamburg verfolgt eine "Non-Euro-Aktienstrategie", die derzeit auf eine Handvoll ETFs mit Schwerpunkt USA investiert sind. Während die beiden Profi-Ansätze mit einer Wertentwicklung von jeweils knapp 30 Prozent aufwarten können, hat sich das Wikifolio des Portfolio-Managers und ehemaligen TV-Moderators Stefan Riße gen Süden aufgemacht. Riße versucht, die Anlegerstimmung (Sentiment) für Anlageentscheidungen zu nutzen. Das Wikifolio "Asset Management by Sentiment" hat binnen eines Jahres rund ein Drittel an Wert verloren. Derzeit befinden sich drei Goldminen-Aktien und ein Hebel-Zertifikat im Depot, das auf einen Rückgang des Dax' setzt.

Robotik und autonomes Fahren

Neben Medien- und Vermögensverwalter-Wikifolios bietet die Plattform seit kurzem auch Themen-Wikifolios an. Dabei werden Aktien aus verschiedenen Themengebieten ähnlich wie in einem Branchenfonds zusammengefasst. Der Kooperationspartner Trendlink bündelt die Aktie aktueller Anlagethemen in jeweils einem Zertifikat. Solche Themen sind etwa Trendgebiete wie die Robotik, 3d-Druck oder auch autonomes Fahren.

AB

Darstellung: