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Interview

Stefan Riße

"Wer in kurzer Zeit 100 Prozent schafft, hält das nicht lange durch"

Stand: 19.02.2016, 17:39 Uhr

Wie navigieren Social Trader durch Crash-Phasen an den Börsen? Überwiegend robust, meint Börsenexperte Stefan Riße, der bei Ayondo selbst ein Trader-Profil pflegt und Ayondo öffentlich vertritt. Vor allzu schnellen Gewinnen sei auch beim Social Trading höchste Vorsicht geboten, warnt Riße.

boerse.ARD.de: Herr Riße, Sie sind in Sachen Social Trading vor allem auf der Plattform Ayondo aktiv. Wie haben Sie mit Ihrer Strategie die stürmischen Börsenphasen der vergangenen Wochen überstanden?

Stefan Riße: Mein Profil hat im Januar sogar deutlich dazu gewonnen. Dazu muss man allerdings sagen, dass es sich hier um einen Algorithmus handelt, der quasi vollautomatisch Handelssignale einmal am Tag umsetzt. Zu Jahresbeginn hat er vor allem von einem fallenden Dax und anziehenden Goldpreisen profitiert.

boerse.ARD.de: Warum hat das im vergangenen Jahr nicht so gut geklappt, 2015 haben Sie nur minimale Gewinne erzielt?

Riße: Das war in der Tat etwas ärgerlich. Wir sind vielfach mit einzelnen Trades ausgestoppt worden, als der Markt sehr hektisch hin und her gedreht hat. Ich denke und hoffe aber, dass wir dieses Jahr wieder deutlich besser abschneiden werden, vor allem wenn der Aktienmarkt sich wieder ruhiger aufwärts bewegt.

boerse.ARD.de: Einige Top-Trader haben die Kurseinbrüche zum Jahresanfang nicht so gut verkraftet und ihren Followern deutliche Verluste beschert. Wie kann man sich als Anleger davor schützen?

Riße: Zunächst einmal – die Top-Trader bei Ayondo haben diese Börsenphase ganz überwiegend gut überstanden, im Schnitt haben die fünf Trader mit den meisten Followern sogar einen kleinen Gewinn seit Jahresbeginn gemacht. Das konnte man übrigens auch schon im August bei einem Rücksetzer im Dax beobachten.

boerse.ARD.de: Wie entdecke ich aber als Anleger möglichst schnell, wenn eine Strategie zu kippen droht?

Riße: In der Regel sind das Strategien, die erst relativ kurz aktiv sind und sehr riskant agieren. Wer in ein paar Monaten 100 oder 200 Prozent Performance schafft, wird das nicht lange durchhalten, das zeigt sich dann früher oder später. Bei Ayondo gibt es ja ein Karriere-System, bei dem man nach einem Drawdown von 25 Prozent zurückgestuft wird. Auch dies ist ein Alarmzeichen, weil Trader nach dem Reißen dieser Barriere oft mit hohen Positionsgrößen noch einmal so richtig "aufdrehen".

boerse.ARD.de: Trifft die Einschätzung zu, dass viele Trader "nur long" können, also den Markt in einer Aufwärtsphase gut handeln können, aber bei Kurseinbrüchen dann versagen?

Riße: Aus meiner Sicht trifft das bei den Top-Tradern auf Ayondo nicht zu. Im Gegenteil, hier habe ich oft das Gefühl, dass einige der Trader besser darin sind, gegen den Markt zu handeln. Bei Plattformen wie Wikifolio, wo naturgemäß stark in Aktien investiert wird, mag das anders sein.

boerse.ARD.de: Ayondo hat vor kurzem eine "Trading-MeisterschaftT gestartet, bei der es gerade nicht um Performance, sondern um die Einhaltung von Risiko-Vorgaben geht, um den Wettbewerb zu gewinnen. Warum?

Riße: Wir wollten uns damit bewusst von üblichen Börsenspielen absetzen, bei denen stets Derjenige gewinnt, der dank vieler "lucky punches" die beste Performance erzielt. Wer unseren Wettbewerb besteht, der macht eine sehr gute Schule durch, indem er lernt, Risiken zu begrenzen und verantwortungsvoll mit Anlegergeldern umzugehen. Performance ist nicht alles.

Das Gespräch führte Andreas Braun.

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